Blick ins Huskies-Geschichtsbuch: Eisbären besiegt – an Adlern verzweifelt

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Den Puck im Visier: Husky Toni Krinner Mitte sowie die Berliner Mario Brunetta (links) und Rob Leask. Fo

Kassel. 1. April 1997: An diesem Dienstag nach Ostern sind die Huskies im sogenannten Wellblechpalast, der im berüchtigten Berliner Stadtteil Hohenschönhausen steht, Gäste der Eisbären.

Die Kasseler Eishockey-Mannschaft ist nur noch einen Sieg von einem sensationellen Erfolg entfernt, denn wenn sie die Eisbären in der Playoff-Halbfinalserie ein drittes Mal besiegen, dann stehen sie in der Playoff-Finalserie der Deutschen Eishockey Liga.

In der 59. Minute steht es 2:1 für die Huskies, die nun mächtig unter Druck stehen. Plötzlich sieht Greg Evtushevski die Chance, einen Alleingang zu starten. Shevi setzt sich gegen zwei Berliner durch und sieht aus dem Augenwinkel seinen Mitspieler Greg Johnston. Dann geht alles ganz schnell. Querpass, Schlagschuss, Tor, 3:1 - Schluss.

3:1 ist auch das Resultat der Best-of-five-Serie und damit ist eine der größten Sensationen der deutschen Eishockey-Geschichte perfekt, die auch 6000 Fans in der Kasseler Eissporthalle bejubeln, denn dort ist eine riesige Videowand installiert worden. Niemand hatte damit gerechnet, dass die Huskies bis ins Finale vordringen würden, nun aber wollen sich die Spieler mit dem Erreichten nicht zufrieden geben. Einige Spieler kommen aus Nordamerika und sind mit dem Leitsatz „The winner takes it all“ (frei übersetzt: „Nur der Sieg zählt“) aufgewachsen. Die Nordamerikaner Greg Johnston, Dave Morrison, Mike Millar, Bruce Eakin und Greg Evtushevski haben ihren Ehrgeiz längst auf ihre Mitspieler übertragen. Nun glauben auch die Skandinavier Jonas Eriksson, Jouni Vento, Roger Öhman, Roger Hansson, Morgan Samuelsson und Jukka Seppo an die Meisterschaft. Der Oberbayer Toni Krinner sowieso, aber auch der Sachse Falk Ozellis und der Rheinländer Tino Boos.

Als am 11. April schließlich feststeht, dass die Mannheimer Adler in der Playoff-Finalserie zu stark waren, sagt keiner, dass er sich über die Vizemeisterschaft freut. Toni Krinner, der inzwischen leider schon verstorbene Oberbayer aus Bad Tölz, nimmt nach der Kasseler 2:4-Niederlage seine Silbermedaille, wirft sie gegen eine Kabinenwand im Mannheimer Eisstadion und schreit: „Was soll ich denn jetzt mit diesem Blech?“.

Einige Tage später aber ist die Wut verraucht. Die Spieler und ihre Fans feiern die Vizemeisterschaft ausgelassen, denn längst ist klar, dass Krinner und seine Mitspieler mit dem Erreichen der Playoff-Finalserie ein großartiges Kapitel Eishockey-Geschichte geschrieben haben.

In den April-Tagen des Jahres 1997 feiern die Kassel Huskies einen Erfolg für die Ewigkeit.

Die aktuellen Playoffs und Playdowns in der DEL2 haben wir in einem anderen Artikel zusammengefasst.

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