Was war denn da los?

Eishockey: Kurioses Schiedsrichter-Tor in der NHL zählt nicht

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Symbolbild

Es ist das kurioseste Eishockey-Tor des Jahres. Zumindest fast, denn es zählte nicht.

In der nordamerikanischen Profiliga NHL war Schiedsrichter Tim Peel kurze Zeit der Torschütze des 1:0 bei der Partie zwischen den St. Louis Blues gegen die Florida Panthers. Solange, bis der Treffer zurückgenommen wurde. Was war denn da los?

Es läuft die fünfte Spielminute in St. Louis. Robert Bortuzzo, Verteidiger der Gastgeber, schießt den Puck aus der neutralen Zone ins gegnerische Drittel. Peel steht in der Nähe der Seitenbande auf Höhe des Tores – und kann nicht mehr ausweichen. Die Scheibe trifft ihn im Leistenbereich. Aber es wird noch kurioser: Der Torwart ist vollends überrascht, der Puck springt ins Tor. St. Louis jubelt, der Unparteiische geht zu Boden. Seine Kollegen Derek Nansen und Furman South kümmern sich erst einmal um den 52-Jährigen, bis sie ihre Entscheidung treffen. Kein Tor. Und das ist richtig. Im NHL-Regelbuch steht unter dem Zeichen 78/5: Ein Tor wird aberkannt, wenn der Puck direkt von einem Offiziellen ins Tor springt.

Eine solche Regel gilt nicht nur in der NHL, sondern generell im Eishockey. „Bei uns in Deutschland ist es Regel 73, Absatz 2, mit dem gleichen Inhalt“, erläutert Carsten Lenhart. Der Kasseler, der am Freitag mit Dominik Six und Alexander Zilin auf dem Weg war zum Sachsenderby Crimmitschau - Weißwasser, bemüht eine Floskel: „Der Schiedsrichter ist Luft.“ Regeltechnisch. Denn tatsächlich hat auch er schon einmal einen Schiri-Treffer erlebt. „Vor einigen Jahren in Wolfsburg wurde mein Partner David Piechaczek so unglücklich an einem Schienbein getroffen, dass die Scheibe ins Tor rutschte. Aber auch das zählte natürlich nicht.“

Aber wie ist das eigentlich im Fußball? Wäre das Tor in dieser Sportart gewertet worden? Schließlich heißt es umgangssprachlich auch hier: „Der Schiri ist Luft.“ Dass diese Redewendung von der Regel gedeckt wird, bestätigt der nordhessische Regionalbeauftragte der Unparteiischen, Willi Reinemann: „Ein Tor darf nur nicht gegeben werden, wenn eine Regelwidrigkeit vorliegt. Das ist weder der Fall, wenn der Schiedsrichter angeschossen wird, noch wenn dieser schlecht steht.“ Die nordhessischen Schiedsrichter bekämen bei ihrer Ausbildung die Empfehlung, die Strafräume nicht zu betreten. Damit sollen sie verhindern, in die Schussbahn zu geraten.

Dass in der Region in der Vergangenheit ein Schiedsrichter-Tor gefallen wäre, ist Reinemann nicht bekannt. Allerdings habe ein Unparteiischer in Südhessen einmal im letzten Spiel seiner Laufbahn absichtlich ein Tor geschossen. „Das gab natürlich großen Ärger.“

Und wie verhält es sich im Handball? „Eigentlich gibt es in den Regeln nur wenige Parallelen zum Fußball, aber hier stimmen wir überein“, sagt Peter Sauerwald, Schiedsrichterwart des Hessischen Handball-Verbandes. Dem Nordhessen ist kein Fall bekannt, bei dem ein Schiedsrichter den Ball ins Tor gelenkt hat. Allerdings kann er sich folgendes Szenario vorstellen: „Wenn ein Außenspieler in den Kreis springt, muss der Torlinienrichter – wenn er auf der anderen Seite steht – ins Feld treten, um um den Torhüter herumzuschauen. Wenn der Unparteiische den Ball abbekommt, und der Ball dann ins Tor springt, zählt der Treffer.“

Zurück zur NHL: Bei der Partie in St. Louis blieb es nach der Szene beim 0:0. Nach zehn Minuten Verletzungspause pfiff Peel weiter. Und am Ende gewannen die Blues dennoch 4:3.

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