Kasseler Eishockey droht offenbar wieder die Zahlungsunfähigkeit

Geht den Huskies das Geld aus?

Kassel. Sportlich sind sie in der Spur. Die Qualifikation für die Endrunde der Oberligen ab 14. Februar haben die Eishockey-Spieler der Kassel Huskies geschafft. Der Traum vom Aufstieg in die DEL 2, er lebt, auch wenn der Weg noch lang ist. Aber:

Ausgerechnet jetzt, kurz vor dem sehnsüchtig erwarteten entscheidenden Endspurt, mehren sich die Zeichen, dass den Huskies finanziell die Puste ausgeht. Bereits vor knapp drei Wochen hatte Stefan Traut, Geschäftsführer der Eishallenbetriebs-Gesellschaft KEBG, gegenüber unserer Zeitung erklärt: „Uns droht ein Minus von 250.000 Euro, wenn es so weitergeht.“

Dieser Hilferuf verpuffte offenbar ungehört. Zwar ermöglichten einzelne Förderer noch die Verpflichtung weiterer Spieler, um die Mannschaft zu verstärken. Der Zuschauerzuspruch aber blieb mit einem Schnitt von etwa 1600 unter den Erwartungen von 2000 Fans. Vor allem aus dem Sponsorenumfeld des Klubs mehrten sich daher hinter vorgehaltener Hand am Wochenende die Aussagen, dass die finanzielle Lage noch prekärer geworden sei und die Verantwortlichen der KEBG auch angesichts der für die nächste Saison weiterhin unklaren Hallensituation keine Perspektive zur Rettung mehr sähen. Sogar über einen Gang der KEBG zum Insolvenzgericht schon in dieser Woche wird offen spekuliert.

Von KEBG-Chef Traut selbst gab es dazu am Sonntag keine Bestätigung: „Zu solchen Gerüchten gibt es von mir derzeit keinen Kommentar“, sagte er auf Anfrage unserer Zeitung.

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Tatsache aber ist, dass es im Umfeld der KEBG in den letzten Wochen zahlreiche Gespräche mit Sponsoren, Freunden und Gesellschafter-Familie Rossing gab. Auch Trainer Jürgen Rumrich wurde in der vergangenen Woche von Traut über die prekäre Lage informiert. Die Mannschaft indes war bis zum Sonntag noch nicht im Bilde.

Gerüchte aus vielfältigen Quellen indes besagen, dass im Kasseler Rathaus in der vergangenen Woche eine Delegation von KEBG und Huskies-Freunden von Oberbürgermeister Bertram Hilgen empfangen worden sei, der seinerseits Kontakt aufgenommen habe mit den Eheleuten Kimm als Eigentümern der Eissporthalle. Ergebnisse aus diesen Gesprächen liegen wohl noch nicht vor, ihr Verlauf gebe aber nicht zu Zuversicht Anlass, heißt es. Zumal sich Kimms nach Aussage Trauts bisher nicht dazu erklärt haben, welche Pläne sie mit dem Eishockey und der Halle zukünftig verfolgen. Verhandlungen mit der KEBG jedenfalls blockiert Kimm. Nach der Kündigung des Mietvertrages gab es keine Gespräche.

Tatsächlich aber müsste selbst ein Insolvenzverfahren über die Kasseler Eissporthallen-Betriebsgesellschaft KEBG, sofern es denn dazu kommen sollte, nicht das sofortige Ende der Eishockeysaison für die Huskies bedeuten. Vielmehr könne genau dieser Schritt die Chance eröffnen, dass alle Angestellten in Verwaltung und Eissporthalle sowie Spieler und Trainer drei Monate lang statt ihres Salärs von der KEBG sogenanntes Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit beziehen könnten. Februar, März und April – das könnte also genau aufgehen, diese Saison bis zum Auslaufen des von der KEBG gekündigten Eishallen-Mietvertrages in der bisherigen Struktur zu Ende zu bringen.

Und: Solange der Geschäftsbetrieb der KEBG aufrechterhalten wird, können auch die aktuellen Spieler der Kassel Huskies nicht von Amts wegen für einen Vereinswechsel freigestellt werden. Die Wechselperiode endete am 31. Januar, also vergangenen Freitag.

Das heißt: Obwohl es völlig offen ist, was im Kasseler Eishockey ab Mai passiert, könnten die Huskies - zumindest theoretisch - auch trotz der wirtschaftlichen Turbulenzen ihren Traum vom Aufstieg in die DEL2 noch wahrmachen.

Von Gerald Schaumburg und Frank Ziemke

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