"Meine Mutter ist aufgeregter"

Yannik Valenti startet in das Eishockey-Abenteuer nach Kanada

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Er ist auf dem Weg nach Kanada. Eishockeyspieler Yannik Valenti ist demnächst in Vancouver aktiv.

Kassel/Mannheim. Der Countdown läuft, Yannik Valenti hat seine Siebensachen gepackt. Sein Ziel: Vancouver und der Start bei den Vancouver Giants.

Einen großen Koffer, natürlich seine Eishockeytasche und im Handgepäck einige wenige Bilder der Familie sowie einzelne Erinnerungsstücke an seine Zeit im nordhessischen Kaufungen und im Kasseler Eishockey hat  der 17-Jährige dabei, als er am Donnerstag um zehn Uhr in Frankfurt den Flieger stieg. Das Ziel: Vancouver im schönsten, westlichsten Teil Kanadas.

„Eigentlich hält sich die Anspannung in Grenzen, meine Mutter ist sicher aufgeregter, wenn ich nun gehe“, sagt Valenti am Dienstag. Denn: „Im Groben weiß ich ja, was mich erwartet.“ Im vergangenen Jahr war er schon einmal für fünf Tage drüben in Langley (British Columbia), da, wo er künftig bei den Vancouver Giants in der Western Hockey League spielen wird. „Das Quartier, die Schule, das Event Center mit 5276 Plätzen, die Abläufe – das meiste habe ich schon gesehen.“

Allerdings kennt der Junge, der auszieht die Eishockeywelt zu erobern, seine Gastfamilie noch nicht, in der er untergebracht wird. Ein Problem aber wird das nicht, „denn in meiner Zeit in Mannheim habe ich Wäschewaschen gelernt, und kochen kann ich auch ein wenig, dank Internet ist man da ja kreativ“, sagt Valenti lachend. Seine Lieblingsmenüs? Spaghetti Bolognese, was sonst, und Spinatspaghetti – „alles, was schnell geht eben“. Und vielleicht kommen Mutter Christine und Schwester Lena ja in den deutschen Herbstferien schon zu Besuch, dann bekommt er neue Tipps.

Vater Sven Valenti indes wird zunächst keine Zeit haben, zu seinem Filius zu reisen. Er ist in Mannheim aufgerückt zum Chefcoach der U17 und ziemlich eingespannt.

Trotz bester Empfehlungen – wie dem erneuten DNL-Titelgewinn mit den Jungadlern, der Auszeichnung zum besten Stürmer bei der B-Weltmeisterschaft der U 18 und dem frühen Aufrücken mit 17 in die Nationalmannschaft U20 – geht Yannik Valenti seine neue Herausforderung mit gehörigem Respekt an. „Wir werden 68 Vorrundenspiele haben, das ist schon ein Wort“, sagt der Teenager, der im September 18 wird. Mit Playoffs und den Einsätzen im DEB-Team kann er in den nächsten acht Monaten auf rund 120 Spiele kommen. Und das, „wo der Übergang aus dem deutschen Juniorenbereich hin zu den Erwachsenen in Nordamerika gewiss nicht ganz leicht wird“. Zumal er auf nicht zuletzt körperlich weiter entwickelte Mit- und Gegenspieler treffen wird. Jungs, die bereits von NHL-Klubs verpflichtet wurden, dort schon mittrainieren, zunächst aber noch eine Saison lang Spielpraxis in der Juniorenliga bekommen sollen.

Immerhin: „Ich bin gesund und topfit und gehe das Ganze mit Zuversicht an“, sagt Yannik Valenti beim Abschied. „Und ich habe noch einmal drei, vier Kilogramm draufgepackt.“ Mit 81 kg nun geht der 1,79-Meter-Mann auf Tour. Hat Kraft und Wille genug, sich zu behaupten. In einem Team mit einem Altersschnitt von 17,5 Jahren als einer von nur zwei Europäern unter 26 Spielern neben dem Slowaken Milos Roman (18). In einer Liga mit 22 Klubs, die mit den Spokane Chiefs, Regina Pats, Kelowna Rockets und Kamloops Blazers (früher u. a. Greg Evtushevski, Scott Niedermayer, Jarome Iginla) als Talentschmiede für die NHL gilt.

Natürlich hofft auch Yannik Valenti auf Langley als Sprungbrett in noch höhere Ligen. Zunächst aber plant er nur für ein Jahr. Den Realschulabschluss hat er in der Tasche, ebenso ein Rückflugticket und einen Plan B: „Wenn es nicht klappen sollte, dann komme ich zurück nach Deutschland und mache parallel zum Eishockey mein Fachabitur.“

Von Gerald Schaumburg

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