Yannik Valenti

"Das Miteinander in der Kabine fehlt": So erlebt ein Eishockey-Spieler die Corona-Zwangspause  

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Eishockey-Spieler Yannik Valenti kommt ursprünglich aus dem Kreis Kassel.

Die Eishockey-Saison in der DEL2 wurde wegen Corona vorzeitig beendet. Wir sprachen mit Spieler Yannik Valenti von den Adlern Manheim über die Zwangspause.

  • Wegen der Corona-Krise wurde die Eishockey-Saison in der DEL2 vorzeitig beendet.
  • Die Playoffs wurden abgesagt.
  • Wir sprachen mit Spieler Yannik Valenti über die Corona-Zwangspause.

Nichts läuft normal. In Coronazeiten trifft das auch auf das Arbeiten in der Sportredaktion zu. Mit Akteuren des heimischen Sports haben wir uns zu Zollstock-Gesprächen verabredet – damit der Abstand gewahrt bleibt. Diesmal steht derKasseler Eishockeyprofi Yannik Valenti Rede und Antwort. Der Stürmer, den die Adler Mannheim trotz Vertrages bis 2022 zuletzt per Förderlizenz an Zweitligist Heilbronn verliehen hatten, ist derzeit bei seiner Familie in Kaufungen.

In loser Folge setzen wir diese Rubrik während der Krisenzeit fort – und stellen jedes Mal dieselben zehn Fragen:

1. Was nervt am meisten in diesen Tagen?

Dass die Eishockeysaison abgebrochen wurde. Das war natürlich das Beste, denn die Gesundheit und der Schutz der Menschen stehen über allem. Aber im Hinterkopf schwirrt auch immer noch ein bisschen herum, was hätte sein können. Jede Mannschaft, die die Playoffs erreicht, nimmt sich vieles vor – so auch wir mit den Heilbronner Falken. Es ist schon schade, dass es keine Playoffs gegeben hat. Denn die Liga war so eng und ausgeglichen wie lange nicht.

2. Was ist die größte Herausforderung?

Dass ich die Jungs nicht sehen kann. Wir können nichts von dem tun, was wir sonst machen: kleine Sachen, die selbstverständlich sind. Das ist das Schwierigste. Vor allem fehlt mir als Teamsportler das Miteinander in der Kabine.

3. Was überrascht?

Gar nichts mehr – im Positiven wie im Negativen. Die Nachrichten bekommt man ja immer und überall mit.

4. Wie sieht es mit dem eigenen Sporttreiben aus?

Mit dem Saisonende sind wir ja alle heimgeschickt worden. Die ersten paar Tage waren frei, um alles sacken zu lassen. Seit drei Wochen aber läuft schon wieder die Vorbereitung auf die neue Saison – auch wenn ich dabei wie viele andere improvisieren muss. Von den Adlern Mannheim haben wir Trainingspläne bekommen. Mein Tagesablauf hat sich nur wenig geändert zu dem während der Saison. Vormittags steht Training auf dem Plan: Im Wald mache ich Ausdauereinheiten. In unserer Garage habe ich Langhantel und Gewichte aufgebaut. Mit Pulsgurt und Pulsuhr können wir die Einheiten kontrollieren. Ich versuche, insgesamt das gleiche Pensum zu fahren wie zu normalen Zeiten. Das klappt auch weitestgehend.

Symbolische Distanz eines Zollstocks – ausnahmsweise räumlich getrennt: Eishockeyprofi Yannik Valenti und Sportredakteurin Michaela Streuf. Fotos: privat/nh

5. Und wie sieht es mit dem TV-Konsum aus?

Da bin ich gar nicht groß dabei. Wenn ich am Fernsehen sitze, dann, um zu zocken. Wenn ich überhaupt mal TV schaue, dann Netflix.

6. Wie viele Rollen Klopapier haben Sie zu Hause?

Das ist eine gute Frage. Es ist momentan ja wirklich schlimm. Wir sind auf Feuchttücher umgestiegen, weil Klopapier so knapp ist.

7. Mit wem würden Sie aktuell am wenigsten tauschen wollen?

Mit unseren Politikern, weil sie entscheiden müssen, was als Nächstes passiert. In ihrer Haut möchte ich ebenso wenig stecken wie in der von Ärzten und Pflegern. Sie machen in dieser schweren Zeit einen übermenschlichen Job, um so viele Menschenleben zu retten.

8. Gibt es etwas, dass Sie auch angenehm finden?

Es ist schön, nach längerer Zeit mal wieder zuhause bei meiner Familie zu sein. Das genieße ich. Und es ist schön, mal raus aus dem klassischen Alltag zu sein. Es bleibt Zeit, sich auch mal um andere Dinge zu kümmern, für die ich während der Saison keine Zeit hätte: die Frage, wie trainiert man im Sommer am effizientesten, und Bücher übers Thema Gesundheit lesen.

9. Wie groß ist die Lust auf Normalität?

Riesig, wie wohl bei jedem. Normal trainieren, mit Freunden treffen. Wir halten derzeit Kontakt über Facetime und WhatsApp, denn alle sind zu ihren Familien gefahren. Das sind soziale Kontakte, die ich unheimlich vermisse.

10. Wenn morgen alles wie vorher wäre: Was würden Sie als Erstes tun?

InsEisstadion gehen und mit Freunden treffen. Das Gefühl, wieder in einer Gemeinschaft zu sein und gemeinsam lachen zu dürfen.

Steckbrief: Yannik Valenti von den Adler Mannheim

  • Alter: 19
  • Wohnort: Kaufungen/Mannheim
  • Verein: Adler Mannheim / Förderlizenz Heilbronner Falken
  • Privates: ledig

Von Michaela Streuff

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