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Emotionaler und humorvoller Abschied für Huskies Klinge, Christ, Dinger

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Von: Frank Ziemke

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Abschiedsspiel von Manu Klinge, Michi Christ und Derek Dinger in der Kasseler Eissporthalle
Abschiedsspiel von Manu Klinge, Michi Christ und Derek Dinger in der Kasseler Eissporthalle. © Marie Klement

Am Ende stehen sie noch einmal gemeinsam auf dem Eis. Manuel Klinge. Michi Christ. Derek Dinger. Eishockeyspieler aus Kassel. Für Kassel. Für die Huskies.

Kassel - Gemeinsam nehmen sie am Samstag im Spiel der Legenden Abschied vom aktiven Eishockey. Rund 2500 Zuschauer sind da. Auf dem Eis stehen jede Menge Protagonisten des Kasseler Eishockeys. Es wird ein langer, ein abwechslungsreicher, ein humorvoller und emotionaler Nachmittag. „Wir werden sie nie vergessen, sie uns hoffentlich auch nicht“, sagt Geschäftsführer Joe Gibbs nach der Partie, bevor er dem Trio Ringe als Erinnerung überreicht - so wie sie sonst Meisterspieler erhalten.

Zu Beginn gibt es in der Eissporthalle einen Beitrag in Sachen Diskussionskultur. Ballermann-Hit Layla spielen oder nicht? Die Fans stimmen es an, der DJ zieht nach. Dann kommt das erste Team zum Aufwärmen auf das Eis - und aus Gesang wird Beifall. Wenn es um die ernsten Dinge geht, dann ist für Nonsens eben erst einmal kein Platz. Denn jetzt steht so viel geballte Huskies-Historie auf dem Eis. Da sind so viele Klub-Ikonen. So viele Legenden. Okay, man hat schon dynamischeres Aufwärmen gesehen auf diesem Eis. Manager Gibbs beispielsweise nutzt die Zeit eher für Gespräche als für Bewegung. Aber ehrlich: Was braucht ein Mann mit seiner Erfahrung noch an Vorbereitung?

Mancher Fan auf der Tribüne wird jetzt vermutlich schon von Rührseligkeit ergriffen. Der Kloß im Hals wächst, als beide Mannschaften offiziell auf Eis gerufen werden. Team Manu & Michi. Team Derek. Denn wer da alles wieder dieses Eis betritt. Von Sven Valenti bis Braden Pimm. Von „Krake“ Markus Keller bis Shawn McNeil. Die Carciola-Brüder sind da.
Das Geschäftsführer-Duo mit Gibbs und Paul Sinizin. Irgendwann sind alle versammelt. Und dann kommen sie, die drei, für die dieser Tag gemacht ist. Der Videowürfel erzählt ihre Geschichten. Der Beifall tost. Für Dinger. Für Klinge. Für Christ, der den Diver gibt und über das Eis schwimmt. Gibbs wünscht ihnen: „Genießt es.“

Aber wie soll das gehen, wenn Dinger schon im ersten Drittel einen Penalty vergibt? Wenn Klinge es wenig später keinen Deut besser macht? Aber Spaß beiseite. Denn es ist natürlich ein einziger großer Spaß, dieses Spiel. In dem viele Tore fallen. In dem Bier die Spieler auf die Strafbank locken soll. In dem die Schiedsrichter auch für Fehler gefeiert werden und Carsten Lehnart sich sehr gern mit einem Getränk bestechen lässt. In dem Fan Uwe im D-Block ein Geburtstags-Ständchen erhält. Und in dem das Verschießen von Penaltys Teil der Gaudi ist. In Drittel zwei trifft auch Christ nicht. Aber okay, er hatte die Erwartungen bereits erfüllt, als er nach wenigen Minuten die erste Rauferei anzettelte.

Auf den Rängen werden die alten Helden gefeiert. Die alten Lieder gesungen. Die alten Geschichten erzählt. Geschichten, an die auch Gerald Schaumburg und Gerd Brehm im Radio erinnern, die beiden langjährigen Huskies-Reporter unserer Zeitung. Die etwa, wie Hugo Boisvert, McNeil und Klinge eine Reihe bildeten und die ersten beiden Vorarbeit leisteten für das legendäre Aufstiegstor von Drew Bannister. Passend dazu trifft im zweiten Drittel McNeil auf Vorarbeit von Boisvert. Team Manu & Michi drehen in dieser Phase auf, machen aus einem Rückstand ein 11:6.

Insgesamt geht phasenweise etwas die Übersicht verloren. Hallensprecher Sven Breiter sagt einmal Paul Sinizin als Torschützen an. Assists? Sinizin. Und Sinizin. Kann am Bier liegen. Aber auch an der verwirrenden Nummernvergabe.

Es gibt zweimal die 22 (Marco Müller, Brad Burym). Zweimal die 35 (Jerry Kuhn, Krake Keller). Zweimal die 11. Für Berlin-Legende Svens Felski. Und für den jünger gebliebenen, dynamischeren, erfahreneren Gibbs. Der 62-Jährige gibt im ersten Drittel einen Assist und erzielt tatsächlich ein Tor. Später sagt er: „Das war super, oder? Es macht echt Spaß.“

Und die Legenden? Manuel Klinge trifft in der 35. Minute als Erster für sein Team. Es ist das 9:6. Aber mitzählen lohnt hier eigentlich nicht. Es zählt ja nicht das Ergebnis. Es zählt das Ereignis. Es zählt das „Oh wie ist das schön“. Das Singen die Fans nicht nur für die Frisur von Leon Hungerecker, sondern auch für die neuen Huskiestrikots, die im Schlussdrittel von den Spielern vorgestellt und kurze Zeit später verschenkt werden. Das von Christ geht an Geburtstagskind Uwe. Dinger trifft übrigens auch noch. In der 54. Minute. Von da an stehen die Zuschauer bis zum Ende dieses spaßigen und emotionalen Spiels, das schließlich mit 21 gegen 21 ausgetragen wird, weil nun alle Akteuere auf das Eis stürmen. Und das zwei Minuten vor dem Ende beim Stand von 12:10 für Team Manu & Michi abgebrochen wird. Um zum letzten Mal die Bühne zu bereiten für Manu Klinge, Michi Christ und Derek Dinger. In der Halle erklingt: Niemals geht man so ganz. Manuel Klinge sagt den Satz: „Ihr habt die Gänsehaut auf unsere Haut gezaubert.“

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