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Endspielstimmung statt Pfiffe in der Eishalle

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Ausgelassene Stimmung auf dem Heuboden: Fans schwenken nach einem Tor ihre Schals. Foto: Fischer © Foto: Fischer

Kassel. Trotz lag in der Luft. Wer Protest und Unmutsbekundungen nach der unruhigsten Woche der Saison erwartet hatte, der wurde gestern Abend in der Eissporthalle enttäuscht. Genau das Gegenteil war der Fall.

Lautstark empfingen die Fans ihre Kassel Huskies schon zum Warmlaufen. Pfiffe gegen Trainer Stéphane Richer – Fehlanzeige. Plakate oder gar wütende Sprechchöre gegen Mannschaft oder Geschäftsführung – Fehlanzeige. Vielmehr standen die mehr als 2800 Fans wie eine Mauer hinter ihrem Team. Ihr Motto ein Sprechgesang, der häufig skandiert wird, aber selten so zutreffend war wie gestern: „Huskies geben niemals auf.“

Der Abschied von Richer in Richtung Hamburg, eines der beherrschenden Themen der vergangenen Woche – gestern war es gar keines. Der Coach stand ruhig an der Bande. Verfolgte meist ruhig das Geschehen, dirigierte seine Mannschaft. Ganz so wie ihn die Fans kennen. Und die reagierten nicht mit Empörung, sondern mit viel Verständnis auf den angekündigten Abschied. „Wir sind nicht sauer auf ihn. Er hat hier gute Arbeit geleistet“, sagte etwa Jörg Botthof. „Er war vier Jahre hier und hat viel für Kassel gemacht, auch in schweren Zeiten“, zollte ihm auch Matthias Altena Respekt.

Nur ein einziges Mal griffen sie Richer an. Nach einer vom Hamburger John Tripp angezettelten Prügelei mit dem Kasseler Mike Card schallte es lautstark vom Heuboden: „Richer, du hast einen Scheißverein.“ Der 43-Jährige jedoch blieb auch hier gelassen, atmete einmal tief durch und würdigte den Heuboden keines Blickes.

Auch die Diskussion um seine Nachfolge war unter den Fans Nebensache. Nur ein Name fiel: „Hans Zach würde den Verein auf jeden Fall auf Vordermann bringen“, sagte Altena. Sein Augenzwinkern verriet jedoch, dass er es nicht wirklich ernst meinte. Deutlichere Worte fanden die meisten da schon beim Blick auf die Zukunft. „Die Mannschaft kann nichts dafür, dass der Vorstand nicht richtig gearbeitet hat“, brachte Thorsten Geßwein vom Fanclub Ringellöcken die Meinung vieler auf den Punkt. Das hat laut der Fans vor allem einer: Geschäftsführer Rainer Lippe. „Die Führungsriege muss sich ändern“, sagte Altena. Worte, die sicher man ein Fan gern an Lippe persönlich gerichtet hätte. Ging jedoch nicht. Denn Lippe war gar nicht in der Halle. Er fehlte wegen eines Magen-Darm-Infektes.

Trotz aller Unterstützung der Fans: Natürlich ist die Furcht da, dass es nicht weitergehen könnte mit den Huskies. „Wir werden Mittwoch den Neujahrsempfang abwarten“, sagte Silke Matz. Die Kasselerin ist sich jedoch sicher: „Die Geschäftsführung findet schon einen Weg. Sie ist die nicht erste und wird auch nicht die letzte sein. Eishockey in Kassel, da steckt einfach Herzblut dahinter.“

Zu erleben war das deutlich besonders am Ende. Keinen hielt es mehr auf den Sitzen. Mit Sprechchören und Applaus putschten die Fans ihr Team zum Sieg. Endspielstimmung in der Eishalle. Die Fans haben gestern ihre auf ihre Weise die Antwort auf die Frage gegeben, ob es mit dem Eishockey in Kassel weitergehen sollte. Und die lautet: Ja.

Von Michaela Streuff

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