Huskies ab 19.30 Uhr zu Gast in Frankfurt

Derbyknaller zum Auftakt: Darum steht Clarke Breitkreuz heute im Fokus

Aufnahme des Oberkörpers: Clarke Breitkreuz im blauen Trikot mit Huskies-Helm.
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Im Porträt: Huskies-Neuzugang Clarke Breitkreuz.

Nach 251 Tagen Pause geht es heute wieder los: Und gleich zum Auftakt der Saison 2020/21 in der zweiten Deutsche Eishockey-Liga steht das Derby zwischen den Löwen Frankfurt und den Kassel Huskies an. Erstes Bully am Ratsweg ist um 19.30 Uhr.

Kassel – Lange war er derjenige, den Spieler und Fans der Kassel Huskies in den Derbys gegen den Erzrivalen am wenigsten mochten. Weil er die Löwen Frankfurt fünf Jahre verkörperte wie kaum ein anderer als kompromissloser Anführer und gefährlicher Torschütze: Clarke Breitkreuz. „Das lag wohl daran, dass ich meinen Job gut gemacht habe“, sagt er.

Im Sommer hat der einstige Vorzeige-Löwe die Seiten gewechselt: Nach einem zweijährigen Intermezzo in Weißwasser ist er nun ein Husky – und steht deshalb beim Saisonauftakt an alter Wirkungsstätte im Fokus. Mit Fans auf den Rängen wäre ihm da ein heißer Empfang sicher garantiert gewesen – vielleicht so wie Richie Mueller ihn erlebt hat, der beim ersten Gastspiel am Ratsweg im blau-weißen Dress mit laufen Pfiffen empfangen wurde. Doch weil das Derby coronabedingt vor leeren Rängen stattfindet, ändern sich auch die Umstände der Rückkehr: „Das Gefühl wäre schon ein anderes gewesen, wenn Fans dabei gewesen wären“, sagt Breitkreuz. „Ohne sie ist es fast ein ganz normales Spiel.“ Aber eben auch nur fast. Denn gleich zum Auftakt treffen auch zwei Titelkandidaten aufeinander. „Dieses Derby wird deshalb gleich Playoffcharakter haben“, ahnt er.

Emotionale Bindungen zu den Löwen allerdings habe er keine mehr. „Die Trainer sind weg, mit niemandem aus dem aktuellen Kader habe ich noch zusammengespielt.“ Ein Coach aus der Frankfurter Zeit allerdings ist einer von zwei Gründen, warum Breitkreuz sich für den Wechsel nach Kassel entschieden hat – Tim Kehler. „Als das Angebot kam, musste ich nicht eine Sekunde überlegen. Tim hat mich in Frankfurt zu einem viel besseren Spieler gemacht. Außerdem sind die Huskies eine Topadresse. Mit ihnen möchte ich mir den Traum von der DEL erfüllen.“ Da es nie mit einem Vertrag in der ersten Liga geklappt habe, will es der 28-Jährige nun über den Aufstieg endlich schaffen.

Und das ausgerechnet mit den Erzfeinden von einst, die ihm einige der emotionalsten Momente seiner Karriere bescherten.

Beim legendären Sweep der Huskies im Playoff-Viertelfinale 2016 – also dem glatten Seriensieg nach vier Spielen – etwa stand er auf der anderen Seite und erlebte einen Tiefpunkt. „Das war ziemlich peinlich für uns.“ Aber auch beim Frankfurter Comeback im Halbfinale nach 0:2-Serienrückstand 2018. „Das war ein ganz großer Moment.“ Mit einigen seiner größten Kontrahenten von damals spielt er nun zusammen, allen voran Michi Christ und Marco Müller, seinem Sitznachbarn in der Huskies-Kabine. „So extrem unsere Auseinandersetzungen auf dem Eis waren, so gut verstehen wir uns nun abseits davon“, erklärt Breitkreuz, dem die ersten gemeinsamen Trainingstage im Sommer besonders in Erinnerung geblieben sind. „Nach drei, vier Tagen ist Michi zu mir gekommen und hat gesagt: Ich dachte, ich würde dich nicht mögen, aber du bist ein echt netter Kerl.“ Breitkreuz lacht, als er das erzählt. „Das liegt sicherlich auch daran, dass wir nun nicht nur den Eishockeyspieler sehen, sondern auch unsere Familien und uns privat kennenlernen.“

Zu seiner Familie zählt neben Bruder Brett (31), der in Bietigheim unter Vertrag steht, und Ehefrau Janine nun auch Töchterchen Lyvia, die nun ein gutes halbes Jahr alt ist. „Seitdem sie da ist, hat sich meine Sicht aufs Leben verändert“, erklärt er. „Es ist großartig, sie aufwachsen zu sehen.“ Auf dem Eis allerdings sei er derselbe geblieben, „auch wenn ich vielleicht weniger emotional bin als noch vor ein paar Jahren. Aber ich will das nicht verlieren, was mich zu einem guten Spieler macht: Ich stehe für meine Mannschaft ein, gehe voran und das zu 100 Prozent. Mein Herz ist da, wo ich spiele. Und das ist Kassel.“

(Von Michaela Streuff)

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