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Ex-Husky Corey Trivino im Interview: „Kassel hat Platz in meinem Herzen“

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Von: Björn Friedrichs

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Dieses Bild ist schon ein paar Jahre alt: 2019 absolvierte Corey Trivino seine ersten Spiele für die Kassel Huskies, musste bei den Pre-Playoffs gegen Crimmitschau aber wegen einer Schulterverletzung zuschauen.
Dieses Bild ist schon ein paar Jahre alt: 2019 absolvierte Corey Trivino seine ersten Spiele für die Kassel Huskies, musste bei den Pre-Playoffs gegen Crimmitschau aber wegen einer Schulterverletzung zuschauen. © Schachtschneider, Dieter

Die Kassel Huskies empfangen heute die Eisbären Regensburg. Wir haben zuvor mit Corey Trivino gesprochen. Der Ex-Husky ist beim Aufsteiger zum Liga-Topscorer aufgestiegen.

Kassel – Als Regensburg am vierten Spieltag bei den Kassel Huskies zu Gast war und eine 1:5-Niederlage einstecken musste, war er bei den Eisbären frisch dabei: Ex-Husky Corey Trivino war erst wenige Tage zuvor vom bayerischen Eishockeyklub als Ersatz für den verletzten Kyle Osterburg verpflichtet worden – für den Aufsteiger ein echter Glücksgriff.

Trivino ist inzwischen mit 18 Toren und 19 Assists in nur 22 Einsätzen bester Scorer der gesamten DEL2. Vor dem zweiten Aufeinandertreffen bei den Kassel Huskies (heute, 19.30 Uhr) haben wir mit dem 32-jährigen Kanadier gesprochen.

Das letzte Spiel vor Weihnachten ist für Sie eins in Kassel. Ist das ein vorzeitiges Geschenk?

Schon ein bisschen. Man will schließlich immer gegen die Besten spielen, weil man da sieht, wie weit man selbst ist. Und die Huskies – das ist kein Geheimnis – sind sehr stark.

Ihr erstes Spiel in Kassel haben Sie im September 1:5 verloren. Was nehmen Sie sich diesmal vor?

Jedes Spiel kann in jede Richtung laufen. Es gibt entscheidende Momente – da muss man da sein. Wir müssen die Partie von Beginn an eng halten, denn man kann ein Spiel zwar nicht im ersten Drittel gewinnen, aber man kann es im ersten Drittel verlieren. Gerne würden wir an das verrückte Heimspiel anknüpfen, das wir 7:6 nach Verlängerung gewinnen konnten.

Nach der Partie im September wurden Sie mit Sprechchören verabschiedet.

Das war sehr speziell für mich, das hatte ich nicht erwartet. Die Huskies-Fans waren immer super zu mir, ich möchte mich für die Unterstützung in der ganzen Zeit bedanken. Es ist immer ein komisches Gefühl, plötzlich auf der Gegenseite zu stehen. Und es war auch ungewöhnlich, als Gegner und Verlierer mit den Sprechchören verabschiedet zu werden.

Warum blieben Sie nicht bei den Huskies?

Wir konnten keine Einigung finden. Das ist im Eishockey aber ja nicht ungewöhnlich. Kassel hat immer einen Platz in meinem Herzen. Es war meine erste Zeit in Deutschland, ich habe dort geheiratet.

Und warum haben Sie erst nach Saisonbeginn einen neuen Klub gefunden?

Wir haben natürlich versucht, etwas zu finden. Es gab auch einige Angebote aus verschiedenen Ländern, aber wir wollten etwas Passendes für uns als Familie finden. Als die Anfrage aus Regensburg kam, haben wir zugesagt.

Und jetzt haben Sie dort sogar bis 2025 verlängert.

Ich bin glücklich, dass wir einen Platz gefunden haben, den wir die nächsten Jahre unser Zuhause nennen dürfen. Das macht es leichter, uns noch besser einzuleben.

Apropos Einleben: Wie steht es um Ihre Deutsch-Kenntnisse?

Ich denke, ich kenne etwa 100 Wörter. Meine Lieblingsworte sind die, die ich für die Essensbestellung als erstes gelernt habe: without onions – ohne Zwiebeln. (lacht)

Sie sind aktuell bester Scorer der Liga. Woran liegt’s?

Schwer zu sagen. Es ist wohl eine Kombination aus mehreren Dingen. Ich kenne die Liga inzwischen gut, bin fit, spiele mit Selbstvertrauen und Konstanz. Die Denkweise ist auch sehr wichtig. Das Team steht im Vordergrund: Was braucht es? Ein Tor, eine Vorlage, einen harten Check?

Sie haben schon jetzt so viele Tore wie noch nie in ihrer Profikarriere geschossen.

Das ist auch eine mentale Sache. Wenn der Puck reingeht, fühlst du dich gut. Da willst du die Welle weiterreiten. Aber ich habe auch erst gedacht: Wow, du schießt aber viele Tore im Moment. (lacht)

In Überzahl haben Sie schon neunmal getroffen – so oft wie kein anderer Spieler der Liga.

Wir spielen ein ziemlich einzigartiges Powerplay, eines mit viel Freiheit. Es gibt bei uns keine taktischen Vorgaben, dass jemand hierhin oder dorthin passen soll. Wir haben talentierte Spieler auf dem Eis, die frei entscheiden.

Was ist drin mit den Eisbären in dieser Saison?

Ich denke, wir können ein Top-Sechs-Team sein. Aber die Saison ist erst zur Hälfte vorbei. Keiner will Playdowns spielen, manche Teams hinter uns können noch explodieren. Wir wollen konstant bleiben und einen Platz in der Tabelle klettern. Das halte ich für realistisch.

Was ist Ihr größter Weihnachtswunsch? Und was wünschen Sie den Huskies?

Mir und meiner Familie wünsche ich Gesundheit. Das ist das Wichtigste. Den Huskies wünsche ich den Aufstieg. Das war schon das Ziel, als ich in Kassel gespielt habe und das wir 2021 leider knapp verpassten. Es würde mich für sie und ihre tollen Fans sehr freuen.

Zur Person

Corey Trivino (32) wurde in Toronto (Kanada) geboren, wo er auch mit dem Eishockeyspielen anfing. 2008 wurde er von NHL-Team New York Islanders in der zweiten Runde des Drafts ausgewählt, zu einem Einsatz in der besten Liga der Welt kam es aber nicht. Nach einigen Jahren in den USA folgte 2015 der Wechsel nach Europa. Nach Stationen in Russland, Tschechien, Kasachstan und Österreich kam Trivino 2018 zu den Kassel Huskies, wo er bis 2022 blieb. Seine Frau Tatyana hat er 2019 in Kassel geheiratet.

Von Björn Friedrichs

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