Als Eishockeymanager von Vityaz Podolsk nach Kassel

Ex-Husky Varitsky im Interview: „Teamgeist ist unsere Stärke“

1995, zweimal Igor Varitsky: Im Huskies-Trikot (rechts) gegen Michael Rumrich von den Kölner Haien und bei der Präsentation. Archivfotos:  Fischer, Herzog

Kassel/Podolsk. Sie kommen mit Eishockey-Weltstars, die drei KHL-Teams beim Wingas-Cup ab kommenden Dienstag.

Vityaz Podolsk aber kommt auch mit einem alten Bekannten nach Kassel: Manager Igor Varitsky spielte 1995 einige Monate für die Huskies. Zum Wiedersehen führten wir ein Interview mit dem Russen:

Herr Varitsky, vor 22 Jahren mussten sie Kassel verlassen schon vor dem Ende ihres Vertrages. Die Zeit war kurz, aber an was erinnern Sie sich?

Varitsky: Kassel ist eine tolle Eishockeystadt mit großartigen Fans, hat wunderbare Parks und eben den Herkules.

Als Sie ein Husky wurden, war Ross Yates der Trainer. Schon bald aber kam Uli Egen, danach Hans Zach. War der Trainer ausschlaggabend für ihren raschen Wechsel nach Hannover?

Varitsky: Beide Trainer mochten einfaches Eishockey mit weiten Schlägen aus der dichten Abwehr und Hinterherrennen. Das ist nicht mein Spiel des sowjetischen Eishockeys mit feinen Kombinationen und gutem Passspiel. Als dann zu Greg Johnston, Mike Millar und mir noch Torwart Pavel Cagas geholt wurde, war ein Ausländer zuviel an Bord. Das war ich. In Hannover kam ich rasch unter, und obwohl der Club Pleite war und gute Spieler verlor haben wir noch die Playoffs erreicht. Ich kam auf 23 Punkte in 22 Spielen.

Haben Sie Wegbegleiter von einst wiedergesehen oder noch heute Kontakt nach Kassel?

Varitsky: Bis heute habe ich Kontakt zu Sascha Engel. Ich habe ihn zuletzt während der Weltmeisterschaft in Köln getroffen, er arbeitet als Betreuer für das deutsche Nationalteam. Er ist ein toller Mensch, auf den man sich jederzeit verlassen kann. Er hat meiner Familie und mir anfangs in Kassel auch unheimlich geholfen.

Nun also ihr Wiedersehen in Kassel, wenn auch nur für ein paar Tage. Sind sie erstmals zurück in Deutschland? Was erwarten Sie hier?

Varitsky: 2009 war ich zuletzt in Kassel, damals haben wir mit einem Gazprom-Team gegen Huskies-Allstars gespielt und gewonnen (12:2). Dann gab es noch eine Stippvisite nur für einen Tag. Aber jetzt werde ich mehr Zeit haben für einen Spaziergang durch die Stadt und werde die Muße haben, in Erinnerungen zu schwelgen.

Umgekehrt: Was können die Eishockey-Fans hier von ihrem Team Vityaz erwarten?

Varitsky: Wir bereiten die neue Saison vor. Es wird sehr schwer für uns, aber ich hoffe, unsere Spielweise wird den Kasseler Fans gefallen.

Wie spielt Vityaz, wer sind die Spitzenspieler?

Varitsky: Unsere Mannschaft spielt modernes Eishockey. Wir haben eine eingespielte Truppe, einzelne Spieler möchte wir deshalb nicht herausstellen. Unsere Stärke ist der Teamgeist.

Wie lange ist ihr Team schon auf dem Eis?

Varitsky: Die Punktrunde beginnt sehr früh - schon am 23. August mit einem Spiel gegen Dynamo Moskau. Deshalb haben wir bereits Anfang Juli mit dem Eistraining begonnen. Wir haben bereits ein langes Trainingslager in Italien hinter uns, an dessen Ende wir vier Freundschaftsspiele absolviert haben.

Welchen Anreiz und Wert hat dieses Turnier für Ihre Mannschaft - sportlich und finanziell durch Sponsor Wingas?

Varitsky: Dieses Turnier ist sehr wichtig für uns zur Vorbereitung auf die Meisterschaft. Riga und Bratislava sind unsere direkten Konkurrenten in der West-Staffel der KHL. Uns ist deshalb sehr daran gelegen, schon vor dem Saisonstart gegen diese Teams zu spielen. Und natürlich hoffe ich, dass die Huskies gut vorbereitet ins Turnier gehen und ein starker Gegner sein werden. Ich wünsche dem Team und den tollen Fans übrigens, dass Kassel bald in die DEL zurückkehrt.

Was wird ihr Team in den drei Kasseler Spielen besonders trainieren, gibt es Schwerpunkte?

Varitsky: Wir haben viele neue Spieler, deshalb werden wir verschiedene Zusammensetzungen der Blöcke ebenso testen wie taktische Marschrouten. All das, was zur normalen Vorbereitung eben gehört.

Wer sind die stärksten Gegner, wer ist ihr Favorit auf den Wingas-Cup?

Varitsky: Auf diese Frage möchte ich keine Prognose abgeben. Die Spiele werden die Antwort geben.

Werden ihre Spieler Zeit bekommen, sich die Stadt und die Documenta anzusehen?

Varitsky: Wer haben drei Spiele an drei Tagen. Da bleibt leider nur sehr wenig freie Zeit für die Spieler und mich persönlich. Deshalb ist es eher unwahrscheinlich, dass wir uns die Documenta oder Sehenswürdigkeiten anschauen können. Leider.

Zur Person

Igor Varitsky (46) startete seine Karriere 1988 bei Traktor Tscheljabinsk. Der flinke Außenstürmer spielte im russische Nationalteam bei der WM 1993 in München, wo gegen Schweden (3:1) der Titel geholt wurde, und 1994 bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer. 1995 kam er zu den Kassel Huskies, für die er in 21 Spielen sechs Treffer erzielte und vier vorbereitete. Nach einem Trainerwechsel - für Ross Yates kam erst Uli Egen, dann Hans Zach - wurde Varitsky Ende November dann im Tausch gegen Toni Krinner an den EC Hannover abgegeben. Zurück in Russland (Magnitogorsk) spielte er bis 2008 auch für Cherepovets, Tscheljabinsk, Ufa und Ekaterinenburg. 2008 wurde er Co-Trainer bei Vityaz Tschechow, war eine Saison Manager in Tscheljabinsk und ist das nun seit 2013 bei Vityaz Podolsk. Varitsky ist verheiratet mit Tatiana, hat zwei Töchter Yuliya und Victoria sowie seit neun Monaten eine Enkeltochter - Varvara. (sam) Foto: nh

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