Sie nutzen Klubs und Spielern, sind aber ein sehr komplexes Thema

Förderlizenzen im Eishockey: Alles andere als Einbahnstraße

Pendler zwischen den Eishockey-Welten: Torwart Mirko Pantkowski kann auch Dank einer Förderlizenz in Mannheim, Kassel und Hannover spielen – in drei verschiedenen Ligen. Archivfoto:  Fischer

Kassel. Die Fans in der Kasseler Eissporthalle rieben sich verwundert die Augen: Am vergangenen Freitag mussten die Huskies ohne drei Spieler gegen Freiburg antreten.

Dennoch gewannen sie glanzvoll 6:1. Zugleich aber spielten die Adler Mannheim in der DEL gegen Iserlohn (2:5) mit vier Kasselern: Kevin Maginot sowie Phil Hungerecker, Yannik Valenti und Lukas Koziol, die die vierte Sturmreihe bildeten.

Die Frage kam prompt: Ist der Spieleraustausch zwischen beiden Klubs über die Förderlizenzregelung (in die Valenti als Adler-Nachwuchsspieler nicht hineinfällt) etwa eine Einbahnstraße zu Lasten der Huskies?

„Nein, überhaupt nicht“, sagt Teal Fowler, Manager der Adler. „Angesichts unserer vielen Verletzten waren wir in einer Ausnahmesituation mit nur acht Stürmern. Da haben wir um Hilfe gebeten und sind froh, dass wir sie aus Kassel bekommen haben.“ Das betont Fowler, „denn dass eine Kooperation so reibungslos funktioniert - in beide Richtungen - ist nicht selbstverständlich.“

Für Huskies-Trainer Rico Rossi indes war sofort klar, „dass wir Mannheim helfen und ein guter Partner sind. In der umgekehrten Situation würden die Adler genauso handeln.“ Dabei ist klar, „dass dies nicht über einen längeren Zeitraum möglich ist“. Das Pech der Kasseler war, dass der von Oberligist Hannover eingeplante Mark Ledlin, ebenfalls per Förderlizenz (FL), kurzfristig erkrankt absagen musste. Sonst, so Rossi, hätten die Huskies mit elf Stürmern vier Reihen bilden können.

Hier Erklärungen zum komplexen Thema der Kooperation: 

So profitieren die Adler Mannheim

„Unsere Jungs werden in Kassel prima ausgebildet, bei den Huskies bekommen sie Spielpraxis und können so den Sprung in die DEL eines Tages leichter schaffen“, erklärt Teal Fowler. Auf das Urteil von Rico Rossi und Co. kann er sich stets verlassen, der Austausch sei rege, die Spieler immer im Fokus und kurzfristig verfügbar.

So profitieren die Kassel Huskies

Pantkowski, Rogl, Maginot und Lambacher sind es jetzt, in der Vergangenheit waren es auch Carter Proft, Jens Meilleur, Dorian Saeftel, Florian Proske, Lennart Palausch und der Kölner Daniel Schmölz, die als Leihgaben in Kassel spielten - und erfolgreich waren. Junge Leute, die Tempo und frisches Blut ins Team bringen - und Kassel wenig kosten. Denn: „Den Großteil ihrer Gehälter bezahlen wir aus Mannheim“, sagt Teal Fowler. „Und wir hoffen natürlich, das sich das langfristig für uns auszahlt.“

So profitieren die Eishockey-Spieler in der DEL und DEL2

Für junge Leute zählt vor allem eines: Spielpraxis. Denn auf der Bank lernen sie nichts. Drei Beispiele, wie Förderlizenzen Perspektiven schaffen: Phil Hungerecker kam vor einem Jahr aus Hannover, für ihn waren die Huskies das Sprungbrett ins Mannheimer DEL-Team. Florian Kraus ging den gleichen Weg und ist nun Stammspieler in Kassel. Mirko Pantkowski ist hier auf dem Sprung zur Nummer eins, nachdem er 2016/17 in Mannheim, Kassel und Hannover in drei Spielklassen aktiv war, statt als Nummer zwei in Mannheim zu versauern und nicht voranzukommen.

Förderlizenz-Spieler: Wer wird von wem an wen verliehen?

Von Mannheim an Kassel:

ohne Förderlizenz: 

Alex Lambacher

Mirko Pantkowski

mit Förderlizenz (FL): 

Phil Hungerecker

John Rogl

Kevin Maginot

Von Kassel an Mannheim: 

Lukas Koziol (FL)

Von Kassel an Hannover:

Mirko Pantkowski (FL)

Florian Kraus (FL)

Von Hannover an Kassel

Mark Ledlin (FL)

Von Kassel an Braunlage 

Leon Hungerecker (FL)

Nils Bergk (FL)

Nico Schnell (FL)

Lasse Bödefeld (FL)

Tim Lucca Krüger (FL)

Louis Trattner (FL)

Bastian Schirrmacher (FL)

Noch offen: Patrick Klöpper (derzeit Kassel), Yannik Valenti (Mannheim und Jungadler - Gespräche laufen, auch zur Prüfung, ob eine FL bei DNL-Spielern möglich ist.)

Hintergrund: So funktioniert das Förderlizenz-System

„Wir sind stolz und froh, dass dieses Drei-Wege-System zwischen Mannheim, Kassel und Hannover nach nordamerikanischem Vorbild endlich funktioniert“, sagt Rico Rossi - „zum Nutzen aller Klubs und der Spieler.“ 2004 in Heilbronn hat er gemeinsam mit Marcus Kuhl in Mannheim die ersten Schritte einer solchen Kooperation unternommen. „Mit elf Förderlizenz-Spielern aus Mannheim wie Sachar Blank, Frank Mauer, Danny aus den Birken und Philipp Schlager wurden wir dann auf Anhieb Oberliga-Meister“, berichtet Rossi.

In Kassel nun hat er Zugriff auf maximal fünf Mannheimer Talente - und nicht immer werden die Adler eigene Ausfälle mit diesem Quintett kompensieren müssen. Phil Hungerecker, John Rogl und Kevin Maginot haben Förderlizenzen, Alex Lambacher und Mirko Pantkowski werden den Huskies trotz Vertrages mit Mannheim überlassen. Lambacher kann als Italiener keine Förderlizenz erhalten. Er soll aber im Visier der Adler bleiben, ebenso wie „Pante“. Im Gegensatz zur Vergangenheit sind nun aber keine Drei-Wege-Förderlizenzen mehr möglich. Also ist Torwart Pantkowski ein Mannheimer, der den Huskies überlassen wird und dank FL auch zwischen Kassel und Oberligist Hannover pendeln kann.

Bei den Indians steht Mark Ledlin unter Vertrag, er kann dank FL in Kassel Zweitliga-Luft schnuppern. Sich weiterentwickeln will auch ein Kasseler Septett: Weil aber der Sprung von den Young Huskies in der DNL2 in die zweite Liga zu groß ist, wurden diese Nordhessen zu den Harzer Falken per FL in die Oberliga nach Braunlage verliehen - bleibt aber für die Huskies im Visier und immer mal auch im Kasseler Training.

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