Nicole Hertrich - die Frau an der Pfeife

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Schiedsrichterin Nicole Hertrich

Kassel. Sie ist gerade mal 1,64 Meter groß, ruhig und zurückhaltend. Entspannt sitzt Nicole Hertrich anderthalb Stunden vor dem ersten Bully zwischen den Kassel Huskies und den Saale Bulls aus Halle am Sonntagabend in der Umkleidekabine.

Ein Eishockey-Spiel wie so viele andere steht an. Und doch ist es ein besonderes. Denn die 36-Jährige ist die erste Frau, die als Hauptschiedsrichterin ein Oberliga-Spiel der Männer in Kassel leiten wird. Einzig Nicole Kompalla war in den 80er-Jahren mal als Assistentin in der Eissporthalle im Einsatz. Gleich nun tanzen die Assistenten Dennis Nimako und Patrick Leven und die Teams nach Hertrichs Pfeife. Nervös ist sie nicht, verrät aber: „Die Kulisse ist schon beeindruckend. Vor 4000, 5000 Zuschauern pfeifen wir ja nicht alle Tage. Ein Spiel wie dieses ist deshalb ein Highlight.“

In der Weststaffel ist sie eine alte Bekannte. Die begeisterte Wakeboarderin leitet häufig Partien in Duisburg und Dortmund, pfeift seit 2006 international. Ihr bisheriger Höhepunkt: das Spiel um Platz drei im Frauen-Eishockey bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver vor 18 000 Zuschauern. Die Bilanzbuchhalterin ist eine von nur zehn Frauen, die beim Deutschen Eishockey-Bund als Schiedsrichterinnen tätig sind.

„Ich bin als Stürmerin im Eishockey groß geworden, habe immer mit Jungs gespielt. Daher hatte ich auch nie Berührungsängste“, sagt Hertrich. Nachdem sie mit Bergkamen Deutsche Meisterin geworden war, brachte sie eine Kollegin auf die Idee, Schiedsrichterin zu werden. „Ausgerechnet ich, die immer die meisten Strafzeiten hatte“, erzählt sie und lacht. Seit 2004 ist Hertrich, die in Herdecke lebt, nun Unparteiische.

Keine Probleme mit Männern

Probleme mit den Männern gebe es keine. Für ihre Assistenten ist sie die, die das Sagen hat, die Spieler auf dem Eis respektieren sie. Die üblichen Sprüche der Zuschauer, die bei ihrem Anblick schon mal lautstark fragen, „Warum steht die nicht hinterm Herd?“, überhört sie einfach. „Ich lache drüber“, sagt sie. Was zählt, ist die Leistung auf dem Eis. Und die stimmt an diesem Abend. Das Spiel verläuft fair, sie hat alles im Griff. Und bekommt am Ende das Lob, das sie am meisten freut. Von Spielern und Fans. „Wenn die am Ende zu mir kommen und sagen, ich habe gut gepfiffen, dann bin ich zufrieden.“ (mis)

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