Das letzte Spiel neben dem verletzten Stürmer

Das Huskies-Aus mit Corey Trivino: So erlebte der verletzte Stürmer das letzte Spiel

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Fanschal statt Eishockey-Ausrüstung: Nach einer Schulterverletzung ist Husky Corey Trivino in den Pre-Playoffs zum Zuschauen gezwungen.

Corey Trivino hatte doppelt Pech: Erst verletzte sich der Stürmer der Kassel Huskies, dann musste er das Aus seines Klubs in den Pre-Playoffs der DEL2 mitansehen. Wir haben ihn begleitet. 

Verfahren. Der Start ins letzte Pre-Playoff-Spiel zwischen den Kassel Huskies und den Eispiraten Crimmitschau, er passt irgendwie auch ein bisschen zu Corey Trivinos derzeitiger Lage. Sein jüngerer Bruder Jason (21) hat die falsche Abfahrt genommen, die beiden kommen verspätet an der Eissporthalle an.

Verfahren ist aber auch irgendwie Corey Trivinos persönliche Situation. Eine Schulterverletzung hat für ihn die Saison bereits am 17. Februar vorzeitig beendet. „Jetzt bin ich Superfan“, erklärt der 29-Jährige, der ja eigentlich Stürmer ist. Statt Eishockeyausrüstung und Trikot trägt er nun Jeans und Fanschal. Immerhin: Das Lachen hat er wiedergefunden. „Auch wenn ich natürlich viel lieber unten auf dem Eis stehen würde. Zuschauer zu sein, ist schon verdammt hart.“ Aus dem Kabinengang verschwinden die Spieler hinaus aufs Eis. „Heute ist es wie Spiel sieben in den Playoffs.“

Die Trivinos suchen einen freien Platz auf der Tribüne. Anders als sonst sitzt der Kanadier diesmal nicht direkt hinter der Kasseler Spielerbank, sondern etwas höher. In Gesellschaft von Bruder Jason, daneben die Familie von Neil Manning. Dem Auswärtsblock mit trommelnden Crimmitschauern ist Corey Trivino dabei näher als dem Heuboden.

Die Partie beginnt. Und damit auch die Verwandlung des zuvor noch so gelassenen Corey Trivino in einen mitfiebernden Fan. Einen, der eigentlich kaum sprechen muss und trotzdem fast alles sagt. Mal wippt das rechte, mal das linke Knie. Mal leidet er mit einem „uh“, mal freut er sich mit „oh“. Als Jace Hennig zum 1:0 trifft, ballt er die Faust, klatscht sich mit Jason ab. Die Anspannung legt sich. Später gesellt sich zu den „Uhs“ und „Ohs“ auch mal ein „Oh boy“, das frei übersetzt so viel bedeutet „Ach du lieber Gott“. In der Pause vertraut Trivino auf die richtigen Worte von Coach Tim Kehler. „Er ist ein sehr guter, motivierender Redner.“

Die Partie nimmt an Fahrt auf. Und auch Trivinos Pulsschlag. Kommentar nach der Hälfte des zweiten Drittels: „Es sind erst zehn Minuten vorbei. Es fühlt sich an wie eine Stunde.“ Und das Spiel? „Die Jungs geben alles, das sieht man. Aber würden wir den Zwischenstand ausblenden und nur auf Grundlage des Spiels urteilen, dann müsste es 2:2 stehen.“ Als Vincent Schlenker dann zum 1:1 trifft, flucht er trotzdem. Damit geht es in die zweite Pause.

Er weiß: „Die ganze harte Arbeit, die ganze Saison reduziert sich jetzt auf ein einziges Drittel.“ Besser für sein Nervenkostüm aber wird es nicht. Im Gegenteil. Die Minuten verstreichen. Crimmitschau drückt. Und trifft. 23 Sekunden vor dem Ende. Schweigen auf den Rängen, Schweigen bei Trivino.

So hört sich Fassungslosigkeit an. Nun ist auch für Trivinos Mitspieler die Saison beendet.

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