Als 20-Jähriger war er erstmals in Kassel

Huskies-Boss Joe Gibbs wird heute 60 - ein Fachmann mit Herz und Humor

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Sternstunde: Joe Gibbs am 22. April 2016 mit dem DEL2-Meisterpokal nach dem 5:2 im vierten Finalspiel gegen Bietigheim. 

Kassel. Er ist das Gesicht der Kassel Huskies. Heute feiert Joe Gibbs, der Geschäftsführer des Eishockey-Zweitligisten und Eigentümer der Eissporthalle, seinen 60. Geburtstag. 

Er war 20, als er das erste Mal nach Kassel kam. Als Mittelstürmer mit kugelrundem, glattem Helm. Ein junger kanadischer Heißsporn, kein Riese, aber flink, listig und ungemein treffsicher. Zwei Tore steuerte Europa-Neuling Joe Gibbs am 24. Oktober 1980 zum 8:2-Sieg seines WSV Braunlage beim Eishockey-Oberligisten ESG Kassel bei.

Knapp 20 Jahre später war der Kanadier 1999 erneut in der Eissporthalle. Als er seinen Dienst als Manager des von Hans Zach trainierten nordhessischen DEL-Teams antrat, wurde daraus eine Erfolgsgeschichte - mit Unterbrechungen. Und auch Gibbs selbst ahnte damals nicht, dass er in Kassel seine zweite Heimat finden und hier heute seinen 60. Geburtstag feiern würde. Als Gesicht und Chef der Huskies, als Geschäftsführer und Eigentümer auch der Eissporthalle.

„Er war ein Knipser damals, ein Stürmer, der aus allen Lagen sofort sehr platziert geschossen hat und folgerichtig zweimal Torschütenkönig war“, beschreibt Matthias Kolodziejczak den jungen Joe Gibbs. Der heutige Vorsitzende der Eishockey-Jugend, der am Samstag 58 wird, kennt Gibbs seit 40 Jahren, war damals ein Mitspieler in seiner Heimat Braunlage. „Damals habe ich mit einem falschen Pass als Matt Zdunek gespielt, weil ich erst 17 war“, erzählt Kolo. Gibbs habe ihn als Spieler damals beeindruckt, „und Weihnachten haben wir ihn zu uns in die Familie geholt, damit er im fremden Land nicht allein sein musste“.

Im Gegensatz zu Gibbs kam Kolodziejczak später als Spieler nach Kassel. „Aber genau wie ich Harzer ist auch Joe dann hier hängen geblieben. Er ist ein absoluter Eishockey-Fachmann mit einem großen Netzwerk.“

Erfolgsduo: Manager Gibbs 1999 und Trainer Hans Zach (links). Dreimal in Folge wurde das DEL-Halbfinale erreicht. 

Davon haben die Huskies intensiv profitiert. Auf Anhieb erreichte 1999/2000 die von Trainer Zach und Manager Gibbs zusammengestellte Mannschaft das DEL-Halbfinale gegen die München Barons (0:3 Spiele), das gelang auch 2001 (München/1:3) und 2002 (Mannheim/0:3).

Seine erste Kasseler Ära, die laut Gibbs 1999 auf Empfehlung von Hans Zach und Franz Reindl begonnen hatte, endete aber 2005 mit dem sportlichen Abstieg gegen Wolfsburg (2:3). Weil die Niedersachsen keine Lizenz bekamen, durften die Huskies aber noch ein Jahr im Oberhaus mitmischen. Dann kam der K.o. gegen Duisburg (1:4).

2014 aber kehrte der Kanadier zurück nach Kassel. Die Huskies waren nach drei Jahren in Regional- und Oberliga eben in die DEL2 aufgestiegen. Und starteten durch - mit einer Toronto-Connection. Mit Trainer Rico Rossi wurde der Neuling sensationell Hauptrunden-Dritter und scheiterte im Viertelfinale an Landshut (1:4). 2016 folgte dann die Sensation mit dem Titelgewinn.

Danach aber ging es wieder bergab. Die Männer-Freundschaft mit Trainer Rossi zerbrach daran. Erst im vergangenen Sommer und nach einer personellen Runderneuerung gelang mit Trainer Tim Kehler die sportliche Trendwende bis hin zu Hauptrunden-Platz zwei.

Und der Mensch? Viele Weggefährten erleben Joe Gibbs als sensibel, empfindsam und herzlich, aber auch schon mal impulsiv und reizbar. Bei allem Misstrauen gegenüber anderen schlägt sein Herz auch für Benachteiligte und Ausgegrenzte. Immer wieder erinnert sein Auftreten an Eissporthallen-Begründer Simon Kimm, seinen väterlichen Mentor. Und natürlich ist da auch Joe Gibbs’ Humor. „1980 damals habe ich nicht Vollgas gegeben. Sonst wäre es zweistellig geworden für die Kasseler“, sagt er.

Das Altern nimmt er leicht, „man ist so alt, wie man sich fühlt“. Seit 40 Jahren hat er seine runden Geburtstage alle in Deutschland gefeiert. Nun in Kaufungen, „da ist schon lange unser Zuhause“.

Zur Person

Joseph „Joe“ Gibbs, *19.3.1960 Spieler: 1979 kam er mit 19 aus seiner Heimat Toronto (Kanada) nach Deutschland. Der Mittelstürmer spielte für die Oberligisten WSV Braunlage (1980 - 82), TuS Geretsried (82/83), HC Zweibrücken (83/84) und ERC Rödermark (84 - 86), für den er unter anderem in 28 Spielen auf 60 Tore und 63 Vorlagen kam. 

Funktionär: Nach einem Studium von Immobilienwirtschaft in der Heimat arbeitete Gibbs 1995/96 als Manager des ESV Kaufbeuren, von 1999 bis 2005 als Geschäftsführer der Kassel Huskies, die 2000, 01 und 02 im DEL-Halbfinale standen. 2006/07 war er Geschäftsführer von Vizemeister Nürnberg Ice Tigers, einige Jahre Europa-Scout der Anaheim Ducks und der Toronto Maple Leafs, einmal Teammanager der deutschen Nationalmannschaft beim Weltcup, außerdem kurzzeitig Referent für das Medikament Sinupret und eine Saison lang Marketingleiter der Düsseldorfer EG. 2008 gründete er eine Agentur für Sportmarketing, mit der Gibbs zwischenzeitlich auch die Vermarktung des Fußballklubs KSV Hessen Kassel übernahm. Seit 2014 ist er wieder Huskies-Geschäftsführer, seit 2017 alleiniger Eigentümer und Halleninhaber. 2015 war er DEL2-Manager des Jahres. 

Familie: Seit 1991 ist Gibbs verheiratet mit Katherine, er ist Vater einer Tochter und zweifacher Großvater. Das Paar lebt in Kaufungen. 2003 erhielt Gibbs zusätzlich zum kanadischen auch einen deutschen Pass.

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