"Kehler ist unser Wunschkandidat" 

Playoffs ohne die Kassel Huskies: Was falsch lief und wie es weitergeht 

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Zwei, die auch in der kommenden Saison die Huskies gestalten könnten: Geschäftsführer Joe Gibbs (links) und Trainer Tim Kehler.

Die Playoffs der DEL2 finden in diesen Tagen erstmals seit dem Aufstieg ohne die Kassel Huskies statt. Im Interview spricht Geschäftsführer Joe Gibbs über die Saison und darüber, wie es weitergeht.

Herr Gibbs, ist die erste Enttäuschung verklungen?

Nein. Wir haben unsere Ziele nicht erreicht. Das zu verdauen, wird noch dauern.

Ziele nicht erreicht, ist das Stichwort: Es ist die zweite Saison in Folge, in der die Huskies ihr Ziel nicht erreicht haben. Wo sehen Sie die Gründe?

Wir haben nicht die richtige Mannschaft zusammengebracht. Dafür muss ich die Verantwortung übernehmen. In der Saison 2017/18 war es etwas Anderes, da waren wir lange auf Platz drei und haben am Ende unter unseren Verhältnissen gespielt. Aber in diesem Jahr haben wir nie die Platzierung erreicht, die wir uns vorgenommen haben.

Hätte die Mannschaft mehr gekonnt?

Ja. Aber von Beginn an war der Wurm drin. Wir haben alles versucht: Mit Trainerwechseln, mit Spielerwechseln. Aber ist es nie gerade gelaufen für uns.

Schon vor einem Jahr sagten sie, dem Team hätten Führungsspieler gefehlt. War das nun wieder so?

Es war jetzt deutlicher als damals. Wir haben Spieler verloren, deren Abgang wir nicht gut kompensiert haben. Zum Beispiel Markus Keller. Er war ein Führungsspieler, ebenso wie Braden Pimm, auch wenn er etwas leiser war. Aber auch sein Wort hatte Gewicht. In dem Bereich hatten wir in dieser Saison ein Defizit.

Die Huskies haben 31 Spieler eingesetzt, acht Ausländer, drei Trainer: Was muss sich ändern, damit mehr Ruhe reinkommt?

Wir haben frühzeitig etwas mit dem Trainer und den Ausländern verändert. Aber wir hätten in dieser Situation besser spielen müssen. Natürlich bringen Wechsel Unruhe mit sich, sollten aber auch eigentlich für einen Push sorgen. Das war nicht dauerhaft der Fall. Aber ich denke, mit Trivino und Sylvestre haben wir zwei Verstärkungen geholt und am Ende mit Jerry Kuhn einen guten Mann im Tor.

Wie groß muss der personelle Umbruch jetzt sein?

Zuerst müssen wir die Trainerfrage abschließend beantworten. Dann muss der Trainer sagen, welche Spieler und -typen er haben möchte.

Wird Tim Kehler der Trainer bleiben?

Er ist unser Wunschkandidat, wir sind mit ihm Gespräch.

Wer wird die Mannschaft zusammenstellen?

Es ist immer eine Zusammenarbeit von allen Verantwortlichen. Die Planungen und Gespräche laufen.

Wie läuft das Projekt Kasseler Jungs weiter? Für einige wird es schwieriger, andere sind sehr jung.

Wir haben es ja schon dieses Jahr fortgesetzt mit Schirmacher, Krüger und Bödefeld. Sie hatten viel mehr Eiszeit als erwartet. Auch wenn er kein Kasseler ist: Leon Hungerecker hatte 25 Spiele.

Werden Sie darauf aufbauen?

Ja. Das ist unsere Philosophie, das Modell werden wir fortsetzen. Wir haben es auch in den letzten fünf Jahren schon sehr ernst genommen, viele junge Spieler eingesetzt. Natürlich ist die Qualität entscheidend, aber wenn die gleich ist, werden wir immer einen Kasseler bevorzugen.

Die Kooperationen mit Mannheim und Wolfsburg haben nicht geklappt. Steigen Sie da jetzt aus?

Die Kooperation ist an sich eine sehr gute Sache. Mit Wolfsburg ist es aus vielerlei Gründen unglücklich gelaufen, auch weil die Grizzlys mit großen Verletzungssorgen zu kämpfen hatten. Ich glaube aber an dieses System. Wenn ein Spieler bei uns Praxis und Ausbildung bekommt und als besserer Spieler in die DEL geht, ist das positiv. Es muss nur klappen und passen. Und in diesem Jahr hat es nicht gut geklappt. Für nächstes Jahr ist alles offen. Wir werden mit den Wolfsburgern sprechen. Sie sind unsere erste Wahl. Aber wir müssen auch da besprechen, was gut und was schlecht gelaufen ist.

Die Stimmung rund um die Huskies war nicht mehr die Beste: Wie wollen Sie den Umschwung schaffen?

Wir waren eines der schwächsten Heimteams, auch wenn wir am Ende viel besser gespielt haben. Aber es gab Phasen, in denen das Team zuhause lange nicht gewonnen und auch nicht die Leistung gebracht hat, die unsere Fans und wir erwartet haben. Wenn wir keinen Erfolg haben, kommen weniger Zuschauer. Wir haben den Fans zu wenig geboten. Und die beste Attraktion ist Erfolg. Unsere Fans sind extrem loyal, einmalig. 300, 400 waren in Crimmitschau da, haben dem Team Energie gegeben. Das war toll. Erfolg ist das Erste. In der Halle haben wir viel getan in Sachen Sauberkeit und neuen Angeboten beim Essen. Das ist gut angenommen worden. Aber wir müssen noch mehr machen, und das werden wir versuchen zu tun.

Die Playoffs verpasst, im Schnitt rund 100 Zuschauer weniger bei den Heimspielen: Müssen Sie finanziell nun enger planen?

Nein. Wir planen die Saison immer ohne Playoffs und müssen das Budget jetzt nicht kürzen. Aber natürlich hoffen wir, dass wieder mehr Besucher kommen.

Wie verhalten sich die Sponsoren in diesen nicht einfachen Tagen?

Natürlich sind die enttäuscht, aber auch genauso loyal wie unsere Fans. Für uns ist es sehr wichtig, dass wir auf diese treuen Partner bauen können - unser Hauptsponsor sei da als erster genannt. Wir hatten von fünf Spielzeiten vier gute - und unsere Sponsoren bleiben nicht weg, wenn es ein Jahr mal nicht so gut läuft. Darüber sind wir glücklich..

In zwei Jahren geht es um den Aufstieg. Müssen die Planungen jetzt schon auf 2021 ausgerichtet werden?

Ja. Wir bauen jetzt schon für 2021 auf und müssen den Grundstein legen für die Saison 2020/21 – aber wir wollen und brauchen auch in der kommenden Saison schon eine schlagkräftige Mannschaft.

Zur Person

Joseph „Joe“ Gibbs (59) stammt aus Toronto/Kanada und kam 1979 als Eishockey-Mittelstürmer nach Deutschland. Von 1999 bis 2005 und seit 2014 arbeitet er als Geschäftsführer der Kassel Huskies. Nach der Saison 2014/15 wurde er als DEL2-Manager des Jahres ausgezeichnet. Er ist seit 1991 verheiratet mit Katherine, Vater einer Tochter und zweifacher Großvater. Er lebt in Kaufungen.

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