250.000 Euro könnten am Saisonende fehlen

Zuschauer- und Sponsorenrückgang: Huskies droht ein dickes Minus

Er wurde geholt, weil durch die Verletzung von Stürmer Danny Albrecht etwas Luft im Spieleretat war: Kassels Austin Wycisk (rechts) hier im Spiel gegen Duisburgs Dominik Lascheit. Foto: Fischer/Archiv
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Er wurde geholt, weil durch die Verletzung von Stürmer Danny Albrecht etwas Luft im Spieleretat war: Kassels Austin Wycisk (rechts) hier im Spiel gegen Duisburgs Dominik Lascheit.

Kassel. Wenn die Huskies sich am Mittwoch um 19 Uhr im Autohaus Hessenkassel zum Neujahrsempfang treffen, dann stimmt die sportliche Zwischenbilanz, und auch der Ausblick verheißt die erhoffte Zweitliga-Perspektive. Auf dem wirtschaftlichen Sektor aber hat Stefan Traut eine schlechte Nachricht parat.

 „Wenn es in den nächsten Wochen so weiterläuft, dann können am Saisonende 250 000 Euro fehlen“, sagte der Geschäftsführer des Eishockey-Oberligisten und der Kasseler Eissporthallen-Betriebsgesellschaft (KEBG) auf HNA-Anfrage.

Neue Spieler dank Sponsoren

Ein Finanzloch befürchten, aber neue Spieler holen: Auch die Huskies geben Geld aus: Austin Wycisk kam, Marc-Philipp Haaf, nun Ryan Gaucher. Weitere Verstärkungen oder Ergänzungen, sollen folgen. Denn, so Traut: „Wenn der sportliche Erfolg ausbleibt, dann kommen ja noch weniger Leute.“

Aber wie geht das angesichts eines Lochs in der Kasse? „Wycisk konnten wir holen, weil Danny Albrecht nach seiner schweren Verletzung nicht mehr von uns, sondern von der Berufsgenossenschaft bezahlt wird. Gaucher wird teilweise extern von treuen Sponsoren bezahlt, die schon eine Schippe draufgelegt haben und uns auch helfen wollen, noch ein, zwei Leute zu holen“, sagt Traut.

Niemand brauche sich derzeit ernsthafte Sorgen zu machen, dass die Saison nicht zuende gespielt werden könne, so Traut. „Aber: Wir brauchen frisches Geld durch höhere Zuschauerzahlen oder zusätzliches Engagement der Sponsoren. Sonst ist das nicht zu stemmen.“ Deshalb formuliert Traut nun das, was Huskies-Chefs seit Jahrzehnten sagen: „Wenn diese Region das Eishockey auf hohem Niveau haben möchte, dann muss sie nun zeigen, dass sie sich das leisten will und kann.“

Ursache des Lochs in der Kalkulation seien deutliche Mindereinnahmen bei Zuschauern und Sponsoren. Der aktuelle Zuschauerschnitt liege bei den bezahlten Eintrittskarten („das ist etwas anderes als die Anzahl der Menschen, die in der Halle sind“) nur bei 1600. „Dabei hatten wir angesichts des wenig attraktiven Spielplans ohnehin nur mit 2000 Zuschauern kalkuliert.“

Noch härter treffen die Huskies die Mindereinnahmen beim Sponsoring. Etwa 120 000 Euro fehlen im Budget, so Traut, nachdem die Topsponsoren Castrol und Ratio sich zurückgezogen hätten. „Partner, die uns verbunden waren und uns vielleicht künftig wieder verbunden sein werden, denen ich aber natürlich keine Mahnbescheide schreiben kann“, sagt der Geschäftsführer.

Zu den Schwächen auf der Einnahmeseite kommen unerwartete Ausgabensteigerungen. Nicht im sportlichen Bereich. Da sei mit dem Trainingsbeginn im Herbst und dem zunächst kleinen Kader sparsam gewirtschaftet worden. „Schon jetzt aber haben wir allein 60 000 Euro ausgeben müssen für Reparaturarbeiten an der Halle“, sagt Traut. Und verweist einmal mehr darauf, keinen anderen Verein zu kennen, den allein die Sportstätte mit Mieten und Energie rund 850 000 Euro pro Saison koste. „Frankfurt kommt mit 45 000 Euro hin. Also haben sie gegenüber uns einen Vorteil von 805 000 Euro. Und dafür bekommt man einige gute Spieler.“

Aktualisiert um 8.47 Uhr. 

Was als Frage bleibt: Im Frühjahr hatten die Huskies die finanziell stärksten Playoffs der Kasseler Eishockey-Geschichte. Sechsmal volles Haus gegen Frankfurt und Bad Nauheim. 40 000 Zuschauer. Bei einer Platzkalkulation von 14 Euro ergibt das 560 000 Euro. Brutto. Mehr geht kaum. Doch wo ist das Geld geblieben? Trauts Begründung: „Es wurde benötigt, Löcher aus der Haupt- und Endrunde zu stopfen. In der Runde mit Nord- und Ostklubs kamen nur 2700 Zuschauer im Schnitt statt kalkuliert 3000.“ (sam)

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie in der HNA-Mittwochsausgabe.

Das müssen Frankfurt und Crimmitschau bezahlen

Frankfurt, Bad Nauheim, Crimmitschau, Hannover, Landshut und dem SC Riessersee - bei sechs Ober- und Zweitligisten haben wir die Stadionbetreiber nach den Kosten für die Klubs gefragt. Nur zwei nannten Zahlen. Aber die bestätigen Stefan Trauts Behauptung, dass kein Team mehr berappen muss für die Nutzung der Eishalle.

Frankfurt: Für die pro Saison von mehr als 500 000 Sportlern und Zuschauern frequentierte Eissporthalle am Ratsweg erhebt die Stadt Frankfurt einen dreistelligen Betrag von den Löwen für die einzelnen Spiele, die Trainingszeiten und die Nutzung der Parkflächen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von einem Jahr, der Mietzins ist gestaffelt nach Ligazugehörigkeit. Bauunterhaltung und Nebenkosten auch für die Energie trägt die Stadt. Crimmitschau: Der DEL-2-Verein zahlt eine feste Jahresmiete für eine bestimmte Anzahl Wochenstunden von knapp 80 000 Euro pro Saison.

 Enthalten ist eine Grundpauschale für Nebenkosten. Sollte die am Jahresende überschritten sein, folgt eine Nachzahlung. Die Verantwortung für die Instandhaltung des Stadions liegt bei der Stadt. Die Laufzeit des Vertrages beträgt insgesamt drei Jahre.

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