Stadt beheimatet drei Bundesligisten

Huskies gegen Bietigheim Steelers: Gegner kommt aus Stadt des Spitzensports

Seit zwei Jahren in Betrieb: Die Egetrans-Arena in Bietigheim, in der Eishockey und Handball gespielt wird. Foto: dpa

Kassel. Die Kassel Huskies treffen am Freitag in der Eissporthalle ab 19.30 Uhr auf die Bietigheim Steelers, den Spitzenreiter der DEL 2. Die Gäste kommen aus einer kleineren Stadt in Baden-Württemberg, die aber viel Spitzensport bietet. Wir gehen der Frage nach: Warum ist das so?

Volker Schoch hat eine einfache Antwort auf die Frage, warum seine Stadt im Sport so groß rauskommt: „Das liegt an der Landluft“, findet der Geschäftsführer des Eishockey-Zweitligisten Bietigheim Steelers. Er sagt dies im Scherz, aber warum nicht? 43 000 Einwohner auf viel Fläche, keine Großstadt in Sicht. Da scheint die von Landluft angereicherte heile Welt so nah.

Trotzdem liegt der Erfolg dieses Ortes in Sachen Sport tiefer begründet. Das weiß auch Schoch, der auf die Stadt verweist: „Sie hat sich auf die Fahnen geschrieben, Sportstadt sein zu wollen.“ Also unterstützt sie die Vereine. Es gibt zwei Hallenbäder, eine Vielzahl von Sportanlagen und eine moderne Arena mit 4500 Plätzen, in der das Eishockeyteam zu Hause ist. Bei Bedarf wird die Halle umfunktioniert. Dann ist sie auch Heimstätte der Handballer. Die SG BBM Bietigheim stellt sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen einen Erstligisten. Das gibt es sonst nur in Berlin und Göppingen.

Die Arena ist seit zwei Jahren in Betrieb. Während in Städten wie Kassel jahrelang über eine Multifunktionshalle diskutiert wird, ist dort für 19 Millionen Euro ein Neubau entstanden, den die Stadtwerke realisiert haben - eine hundertprozentige Tochter der Stadt.

Geldsorgen kennen sie nicht wirklich im Landkreis Ludwigsburg. Dazu passt die Aussage der Stadtsprecherin Anette Hochmuth, die von einem guten finanziellen Polster spricht und berichtet, dass die Stadt seit mehr als zehn Jahren schuldenfrei ist. Der Spitzensport poliert das Image auf. Viele städtische Betriebe sind als Sponsor ebenso aktiv wie heimische Firmen, zu denen viele Autozulieferer zählen. Trotzdem stößt der Sport selbst hier an Grenzen. „Die Unterstützung ist sehr groß. Aber sie wird nicht mehr“, sagt Volker Schoch vom Eishockey, das auch dank Porsche gewachsen ist. Mittlerweile aber muss der Eishockeyklub ohne den mit Dienstleistungsgesellschaften ansässigen Autohersteller auskommen.

Schoch versichert aber, dass trotz der endlichen Geldtöpfe kein Konkurrenzkampf unter den Spitzenklubs herrscht: „Das ist ein Miteinander. Es gibt keinen Futterneid.“ Die Vereine würden auch eine unterschiedliche Klientel bedienen: Die Jüngeren gehen zum Eishockey, die Älteren zum Handball. Obwohl die Handball-Männer vor dieser Saison in die Bundesliga aufgestiegen sind, hat sich der Zuschauerschnitt beim Eishockey um 400 erhöht. Er liegt nun bei 2700. Die Handballer, Letzter der Bundesliga, rangieren in der Zuschauerstatistik mit einem Schnitt von 3380 Besuchern auf Platz zwölf - noch vor der MT Melsungen.

Timo Schön, Geschäftsführer der SG BBM Bietigheim, bestätigt das gute Auskommen der Spitzenklubs, sieht aber auch ein Problem: Um langfristig Profihandball zu gewährleisten, bedürfe es einer weiteren Halle für den Handball. Trotz sechs handballtauglichen Spielstätten seien die Kapazitäten für das Training erschöpft. Über einen Neubau diskutiert die Stadt gerade. Nichts ist unmöglich in Bietigheim-Bissingen.

Von Florian Hagemann

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