Heute Start ins Playoff-Halbfinale gegen Ravensburg

Teamvergleich von Nauheims Coach Lange: Warum Huskies die Nase vorn haben

Zwei, die auch im Halbfinale zu Hauptdarstellern werden könnten: Ravensburgs Torhüter Jonas Langmann (links) und Huskies-Torjäger Phil Cornet.
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Zwei, die auch im Halbfinale zu Hauptdarstellern werden könnten: Ravensburgs Torhüter Jonas Langmann (links) und Huskies-Torjäger Phil Cornet.

In den DEL2-Playoffs beginnen heute die Halbfinalserien. Die Huskies empfangen zum Auftakt Ravensburg. Unser Experte Harry Lange, Trainer der Roten Teufel Bad Nauheim, nimmt im Teamvergleich die Kontrahenten unter die Lupe.

Eins stellt unser Experte gleich zu Beginn klar: „Die Huskies sind für mich der Favorit, sie sind in allen Mannschaftsteilen besser besetzt“, sagt Harry Lange. Mit seiner Mannschaft brachte er den Kasselern immerhin eine der wenigen Saisonniederlagen bei: 6:5 nach Penaltyschießen hieß es am 12. März unter seiner Federführung im Colonel-Knight-Stadion in der Wetterau. Und: 2013 feierte er mit Bad Nauheim im Playoff-Finale den Zweitliga-Aufstieg ausgerechnet in Kassel. Der gebürtige Österreicher, der auch einen deutschen Pass besitzt, vergleicht die beiden Halbfinalgegner Kassel und Ravensburg.

Die Torhüter: Beide Torhüter der Huskies, Jerry Kuhn und Leon Hungerecker, sind in der Liga top. Natürlich profitieren sie auch von der besseren Verteidigung. Dass Kuhn in den drei Spielen gegen Heilbronn zwölf Gegentore kassiert hat, würde ich nicht überbewerten. Gerade ein Torhüter braucht Routine und die Falken haben eine brutale Offensive und waren im Viertelfinale ein sehr undankbarer Gegner. Jonas Langmann im Tor der Ravensburger hat gerade in der Serie gegen Bad Tölz bewiesen, dass er gut spielen kann. Und Tölz haust du auch nicht alle Tage aus den Playoffs. Was aber passiert, wenn er ausfällt? Insgesamt ist Kassel zwischen den Pfosten besser aufgestellt. Vorteil Kassel

Die Defensive: Das ist das Prunkstück der Huskies. Sie haben mit Abstand die beste Verteidigung der Liga und das Nonplusultra für die zweite Liga. Klar, gibt es mit Troy Rutkowski und Joel Keussen die beiden Top-Verteidiger, aber auch, was Stefan Tramm, Denis Shevyrin, Derek Dinger und Marco Müller spielen, das ist grundsolide, offensiv wie defensiv. Die Towerstars haben mit James Bettauer einen Nummer-Eins-Verteidiger im Powerplay, auch Patrick Seifert spielt überragend. Dazu kommen die soliden Maximilian Kolb und Kilian Keller. Selbst wenn Daniel Stiefenhofer und Mike Card ausfallen, können die Ravensburger das sicher kompensieren. Vorteil Kassel

Die Offensive: Da ist es für mich enger, ähnlich wie bei den Torhütern. Kassel ist breiter besetzt, Tim Kehler und Joe Gibbs haben den Angriff ausgewogen zusammengestellt. Gerade auch die vierte Reihe um Michi Christ macht das überragend. Kehler hat so die Chance, seine vierte Reihe auch mal gegen die Top-Formation des Gegners zu bringen. Das ist unfassbar wichtig. Die Towerstars haben mit Andreas Driendl, Mathieu Pompei und Robbie Czarnik Einzelspieler, von denen jeder den Unterschied machen kann in einer engen Serie oder einem engen Spiel. Vorteil Kassel

Die Trainer: Sie zu vergleichen, das wäre unfair. Tim Kehler ist ein gestandener Coach, der viel erlebt hat, weiß, was er will und wie er mit seinem Team dazu kommt. Marc Vorderbrüggen ist seit der Trennung von Rich Chernomaz Mitte Februar interimsweise im Amt. Er ist ein junger deutscher Trainer, dem ich schon allein deshalb viel Glück wünsche. Er hat zuletzt mit Daniel Heinrizi, der jetzt der Mann im Büro ist, Hilfe bekommen. Auch wenn der Vorteil auf der Hand liegen würde – beide Trainer kann man aufgrund der Situationen, in denen sie sich befinden, nicht vergleichen.

Special Teams: Ravensburg ist in Überzahl top – 27,3 Prozent Erfolgsquote in den Playoffs sprechen für sich, Kassel liegt mit 14,3 Prozent deutlich dahinter. Tim Kehler würde sicher unterschreiben, dass die Playoff-Quote nach oben gehen muss. Aber wenn die Playoff-Quote so bleibt und Kassel aufsteigt, unterschreibt er das sicher auch. Der Vorteil liegt bei Ravensburg. In Unterzahl sind die Towerstars mit 91 Prozent eine echte Haushummer im Vergleich zu Kassels 81,8 Prozent – auch wenn 91 Prozent nicht über eine ganze Saison zu halten wären. Kassel hingegen war die ganze Saison über die Top-Mannschaft in Unterzahl. Deshalb würde ich beide Teams in Unterzahl gleichsetzen. Wenn man aber die Special Teams insgesamt vergleicht, dann sage ich Vorteil Ravensburg

Die Halbfinalserie: Wer mit Bad Tölz den Tabellenzweiten rauswirft, hat das Momentum natürlich auf seiner Seite. Aber Kassel spielt so stabil und hat einmal mehr gegen Heilbronn bewiesen, dass es die knappen, aber auch die ganz klaren Spiele gewinnen kann. Bei den Huskies überhaupt ein Haar in der Suppe zu finden, das ist in dieser Saison unheimlich schwer. Ihr Kader ist der am besten zusammengestellte. Aber Tim musste das eben auch mal erst ans Laufen bringen. Die Kassel Huskies hätten den Aufstieg verdient. Sie werden sich im Halbfinale durchsetzen. Eine Mannschaft zu sweepen, das ist immer schwer. Deshalb tippe ich auf einen 3:1-Sieg in der Serie.

(Michaela Streuff)

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