Publikumsliebling trainiert wieder mit der Mannschaft

Huskies-Keeper Järvinen: Schritt für Schritt zurück aufs Eis

Beim Elch auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt: Mika Järvinen findet hier ein Stück skandinavische Heimat. Foto: Streuff

Kassel. Die Krücken sind endlich weg. „Gott sei Dank“, sagt Mika Järvinen und grinst. Der Bummel über den Weihnachtsmarkt ist kein Problem. Für ihn aber noch viel wichtiger: Er steht auch wieder auf dem Eis.

Schritt für Schritt hat sich der Torhüter des Eishockey-Zweitligisten Kassel Huskies nach dem Riss des Syndesmosebandes im linken Bein zurückgekämpft. Auch die ersten Trainingseinheiten hat der Publikumsliebling hinter sich. Gewissermaßen ein vorgezogenes, hart erarbeitetes Weihnachtsgeschenk an sich selbst.

Entspannt steht der 26-Jährige nun am Glühweinstand, einen Becher mit alkoholfreiem Kinderpunsch in der Hand, den er gerade auf Finnisch bestellt hat. Die Verkäuferin ist eine Landsfrau. „Ich verstehe Deutsch auch ganz gut, aber ich kann es selbst nicht sprechen. Das ist für uns Finnen so schwer zu lernen“, erklärt er und kommt dann noch einmal auf jenen 31. Oktober zu sprechen, an dem er sich so unglücklich verletzt hatte.

„Was passiert ist, ist passiert. Das war Pech. So etwas kann im Sport halt geschehen“, sagt Järvinen heute über die erste Verletzung seiner gesamten Karriere und über jenen ereignisreichen Tag, der eigentlich ganz im Zeichen seiner Vertragsverlängerung hätte stehen sollen.

Ausbildung als Koch

Doch keine Spur von Ärger oder Frust schwingt in seiner Stimme mit, als er beim Bummel über den Kasseler Weihnachtsmarkt davon erzählt. Auch nicht, als es um die Wochen geht, die folgten. Mit vielen Behandlungen, Reha und Physiotherapie. Häufig war er zu dieser Zeit auch in einem italienischen Restaurant zu Gast. „Ich muss gestehen: Ich bin zwar gelernter Koch, aber wirklich gut kochen kann ich nicht.“ In der WG sei Mitbewohner und Mitspieler Matthias Bergmann meist derjenige, der den Kochlöffel schwinge, verrät der 26-Jährige.

„Klar fehlen mir meine Familie und meine Freunde. Aber für mich ist die Mannschaft zur Familie geworden“, sagt der Finne. „Es ist erstaunlich, wie schnell und gut wir uns alle verstanden haben. Unser Teamgeist trägt uns durch diese Saison. Das ist der Hauptgrund, warum ich mich hier so wohl fühle und so gern bleiben wollte.“ Seine Bestellung ist im Restaurant übrigens bestens bekannt: „Wieder Spaghetti Carbonara mit doppelt Speck und extra Käse?“, wird er gefragt.

Die Verletzung zwang Järvinen in die Rolle des Zuschauers. Spiele von der Tribüne aus zu verfolgen – eine ganz neue Erfahrung für den Torhüter. „Spiele ich, bin ich nie nervös. Als Zuschauer aber bin ich furchtbar aufgeregt.“ Immerhin: Die veränderte Perspektive vermittelt ihm auch einen anderen Eindruck vom Spiel. „Auch das hilft mir, gestärkt zurückzukommen“, sagt er.

Vorfreude auf Rückkehr

Ihm ist anzumerken, wie sehr er sich auf das erste Pflichtspiel freut. „Das wird sicherlich total emotional. Vielleicht der emotionalste Moment meiner Karriere.“ Denn die Fans, dass dürfte sicher sein, werden ihrer wiedergenesenen Nummer eins dann einen herzlichen Empfang bereiten. „Wie schnell ich hier die Zuneigung der Anhänger erfahren habe, hat mich schon überrascht. Aber das ist etwas, das meinen Job so angenehm macht“, sagt Järvinen. Er zahlt es auf seine Weise zurück, schreibt während der Heimspiele fleißig Autogramme. „Ich freue mich, wenn die Fans mich ansprechen“, sagt er.

Weil Mutter Marsa, Vater Kari, Bruder Niko (22) und Schwester Essi (20) über die Feiertage nicht nach Kassel kommen können, ist Järvinen zu Gast bei seiner Vermieterin.

„Geschenke sind mir gar nicht so wichtig“, sagt er und grinst. Aber einen Weihnachtswunsch, den hat er doch: „Bald wieder so fit zu sein, dass ich endlich wieder spielen kann.“ Mitte Januar könnte es so weit sein.

Von Michaela Streuff

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