Was weckt ihren Kampfgeist?

Huskies: Leidenschaft, Charakterstärke, nordhessische Luft

Das Maskottchen und das Motto: Herkules war mit dieser Tafel nach dem Spiel unterwegs. Foto: Diekmann

Kassel. Denkwürdig, unglaublich, verrückt: Trainer, Spieler, Zuschauer - alle waren sich einig in der Beurteilung eines Eishockey-Spiels, das es so nicht alle Tage gibt.

Mit dem 6:4-Erfolg nach 0:4-Rückstand gegen DEL2-Schlusslicht Heilbronner Falken sind die Kassel Huskies einmal mehr ihrem Ruf als Aufholjäger gerecht geworden. „Huskies geben niemals auf“ - dieses Motto steht für Kassels Eishockeyspieler seit vielen Jahren. Doch was macht ihn aus, diesen besonderen Kampfgeist? Diesen Willen, selbst bei jedem Rückstand weiterzukämpfen. Wir haben nachgefragt. Über die Aufholjäger aus Kassel sagt ....

... der Cheftrainer

Rico Rossi war mächtig stolz nach dem Spiel gegen Heilbronn. Er sagt: „Diese Mannschaft hat nie aufgegeben. Die Spieler haben immer an sich geglaubt.“ Überrascht aber war Rossi nicht, denn: „Das ist die Philosophie der Huskies. Es ist meine Philosophie sowie die von Joe Gibbs. Wir wollen charakterstarke Spieler, keine Egoisten. Darauf achten wir bei der Zusammenstellung der Mannschaft. Danach suchen wir die Spieler aus.“ Deshalb sei er auch nach dem 0:3 im ersten Drittel ruhig geblieben: „Ich weiß, dass die Jungs unser Konzept weitergehen.“

... der Kapitän

Überrascht sei er schon gewesen, als es auf einmal 0:4 gestanden habe, bekennt Kapitän Manuel Klinge. „Doch wichtig ist, dass du nicht aufgibst.“ Dieser Wille, das sei schon immer eine Eigenschaft der Huskies-Teams gewesen, deren Teil er in den vergangenen Jahren war. „Ich bin jedes Jahr aufs Neue überrascht. Wir haben wieder ein Team mit einer super Einstellung“, betont Klinge. „Ohne Zusammenhalt und starken Teamgeist gewinnst du nichts. Wenn es in der Kabine nicht läuft, ist jeder Aufwand auf dem Eis umsonst.“ Gegen Heilbronn kam noch ein anderer Faktor hinzu: „Wir hatten zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass wir raus sind aus dem Spiel. Was willst du machen? Den Kopf in den Sand stecken? Hart arbeiten, das geht immer.“

Und woher kommt nun dieser ganz besondere Geist der Huskies? Der Kapitän überlegt, lacht und sagt dann: „Vielleicht liegt es an der guten nordhessischen Luft.“

... der Fan

„Huskies geben niemals auf“ - dieser Spruch ist auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal Kassels im deutschen Eishockey“, sagt Sven Breiter, der Fanbeauftragte der Huskies, „die Fans singen das seit mindestens zehn, zwölf Jahren. Seit wann genau kann ich gar nicht sagen.“ Schon zu besten DEL-Zeiten habe es diese Spiele gegeben, in denen die Huskies nach einem 1:4 noch als Sieger das Eis verlassen hätten. „Kampf und Leidenschaft, das hatten sie schon immer. Man hat als Fan immer gesehen: Sie wollen es noch reißen.“ ... die Statistik der Saison

Ein 0:4 noch zu drehen, das ist einmalig in dieser Saison. Aber: Aus einem 0:3 machten die Huskies am 13. November noch ein 4:3 nach Penaltys. Es war eine Aufholjagd, die doppelt süß war, denn sie gelang ausgerechnet gegen den Erzrivalen aus Frankfurt. Erst am vergangenen Freitag siegten die Huskies in Rosenheim noch 4:3 nach einem 1:3-Rückstand. Gleiches gelang in Kaufbeuren: Aus 0:2 wurde ein 3:2. Beide Erfolge gelangen schließlich ebenfalls nach Penaltys.

SIE STEHEN FÜR KASSELER KAMPFKRAFT

Michael Christ 

Alter: 26

In Kassel: seit 2007

Spiele: 343

Einmal Husky, immer Husky: Der Kasseler Junge wurde 1989 geboren, kam in die Schule, als die Schlittenhunde die neu gegründete DEL aufmischten. Trainer Hans Zach, Greg Evtushevski, Mike Millar, Peter Kwasigroch - das waren die Helden seiner Jugend. Kämpfer vor dem Herren allesamt. Und genau so spielt auch der Michi: Rackerer, Wühler, einer, der die anderen mitreißt. 

Daniel Kreutzer 

Alter: 36

In Kassel: 1998 bis 2002

Spiele: 243

Kam aus Düsseldorf, ging zurück zur DEG und ist dort als Rekordspieler noch immer eine DEL-Ikone. Die Rückennummer 23 des Lieblingsschülers von Hans Zach stand und steht bis heute für unglaubliche Laufbereitschaft, bedingungslosen Kampfgeist, knallharte Checks. Aufgeben? Gibt’s nicht. Bildete mit Tino Boos, Nikki Mondt und Thomas Dolak das Quartett der jungen Wilden.

Andreas Loth 

Alter: 43

In Kassel: 1999 bis 2004

Spiele: 289

Charmant, fröhlich, bodenständig, zurückhaltend: Andi Loth galt als der perfekte Schwiegersohn. Auch auf dem Eis war der Allgäuer aus Schongau ein Gentleman - und dennoch im Willen durchzuhalten gnadenlos gegen sich selbst und die Gegenspieler. Nie unfair, nie überhart, aber immer mit 100 Prozent. Dauerläufer, sich nie zu schade für die Drecksarbeit. DER Teamplayer.

Greg Evtushevski 

Alter: 50

In Kassel: 1995 - 2000

Spiele: 225

Waren die Kasseler froh, den gebürtigen Kanadier endlich im eigenen Team zu haben! Ein Kämpfer vor dem Herren, mit allen Wassern gewaschen, listig, schlitzohrig, bissig. War auf dem Eis immer da, wo es brannte. Einer, der starke Gegner neutralisierte, der sie zur Verzweiflung trieb, weil er lästig war, provokativ und unerbittlich. 1,75 m klein, war Shevi doch einer der Größten. Foto: privat

Peter Kwasigroch 

Alter: 53

In Kassel: 1994 bis 1997

Spiele: 165

Die Arbeitsbiene aus dem polnischen „Ruhrgebiet“: Der Piotr stand für harte Maloche, wie sie in Bergbau und Schwerindustrie Oberschlesiens angesagt war. Kein Zentimeter des Eises blieb unbeackert, keinem Rivalen ließ er Zeit für Puckannahme und Passspiel. „Kwasi“ war der Wirbelwind im Kasseler Angriff, die Pferdelunge. Einer, der vorn wie hinten unverwüstlich fürs Team rackerte.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.