Stürmer verzaubert mit seinen Toren 

Husky Sebastien Sylvestre: Der mit dem Puck tanzt

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So losgelöst jubelt der Doppelpacker: Huskies-Angreifer Sebastien Sylvestre läuft nach dem 1:1 auf seine Mannschaft zu. 

Er ist der Mann für die besonderen Treffer beim Eishockey-Zweitligisten Kassel Huskies: Sebastien Sylvestre. Der Mittelstürmer hat uns das Geheimnis seiner Zaubertore verraten. 

In der Tanzschule war er nicht. Auch wenn diese Vermutung naheliegt. Das Gefühl für Bewegung und musikalische Rhythmen aber, das haben ihm seine Eltern in die Wiege gelegt. Und die Liebe zum Tanzen entdeckte er später über seine Schwester. „Die war nämlich in der Tanzschule“, sagt Sebastien Sylvestre. „Mit einem Tänzer bin ich noch nie verglichen worden. Danke für das Kompliment.“

Dabei liegt dieser Vergleich auf der Hand. Denn mit solcher Eleganz, mit solch einem Maß an Raffinesse bewegt sich kein anderer Spieler der Kassel Huskies durch die gegnerischen Abwehrreihen. Überhaupt gibt’s in der DEL2 nur wenige andere, die einen ähnlichen Spielstil pflegen wie der 25 Jahre alte Franko-Kanadier. „Schlange haben sie mich häufiger genannt“, erklärt er und grinst. „Weil ich so schwer zu fassen bin.“ Oder aber schlicht „Sly“. Wie Sylvester Stallone, Filmdarsteller der Kultfigur Rambo. Allerdings haben Sylvestre und Stallone fast nichts gemeinsam. „Ich mag seine Filme, das ja. Aber er ist der harte Kerl, der durch die Wand geht. Ich laufe lieber um meine Gegenüber herum.“

Für die Huskies ist „Sly“ ein Glücksfall. Nicht nur, weil er am Sonntag mit zwei Treffern großen Anteil am 4:2-Erfolg gegen Meister Bietigheim hatte. Schon am Freitag hatte er die Deggendorfer Abwehr vernascht und das entscheidende 3:2 besorgt. Trainer Tim Kehler ist deshalb voll des Lobes: „Slys Auftritt war beispielhaft an diesem Wochenende. Gerade für ein Team, das bekannt dafür ist, Probleme im Torabschluss zu haben, ist er wichtig. Er hat die richtigen Wege in den Schlüsselmomenten gefunden.“

Der Mittelstürmer kam aus einer schwierigen Situation im Dezember vom kroatischen Klub Zagreb aus der Alpenliga nach Kassel. Hätte er schon von Saisonbeginn an im blau-weißen Dress Punkte gesammelt, würde er jetzt wohl zu den Topscorern der Liga gehören. Doch auch so spricht seine Quote für sich. In 19 Spielen hat Sylvestre 20 Punkte (13 Tore, sieben Vorlagen) erzielt. Zum Vergleich: Liga-Topscorer Roope Ranta führt die Liga-Wertung mit 69 Punkten (28 Tore, 41 Vorlagen) in 43 Spielen an. Huskies-Goldhelm Richie Mueller liegt bei 40 Punkten aus 44 Spielen (21 Tore, 19 Vorlagen).

Woher also hat Sylvestre dieses besondere Puckgefühl? „Zauberei ist das nicht. Es ist eine Frage von Intuition und Reaktion“, erklärt er. „Es ist weder ein Talent noch eine Frage von Glück. Ich habe es mir erarbeitet.“ Inspiration bekomme er auch durch die Stürmer, die in der NHL mit Tänzen durch Abwehrreihen und überraschende Torabschlüsse für Furore sorgen.

Kassel Huskies: Spielplan für die Saison 2018/2019

Sinnbildlich für das, was Sylvestre kann, stehen beide Tore vom Sonntagabend. Der Treffer, der zum 1:1 führte – hinter dem steckte ein Plan, den der Schütze so erklärt: „Ich wusste, wenn ich einen Schuss ein-, zweimal antäusche, fallen die Gegenspieler darauf herein und machen die Mitte frei.“ Und genau das taten sie. Beim zweiten Tor, dem zum vorentscheidenden 3:2, war die Ausgangslage etwas anders. „Ich hatte schon in unserer eigenen Zone volles Tempo, die Verteidiger sind nicht mehr hinterhergekommen. Dann habe ich den Puck noch kurz beruhigt, weil er ziemlich gehüpft ist“, erklärt er. Und dann machte er es ganz so, wie er es sich von NHL-Stürmern abgeguckt hat: die Scheibe halbhoch über dem Schoner des Torhüters versenken. Nicht nur die Fans auf dem Heuboden feierten ihn danach mit Sylvestre-Sprechchören.

„Auf dem Eis kommt mein wahres Ich hervor. Ich fühle mich hier richtig wohl“, sagt er. So wohl, dass er auch in der kommenden Saison ein Husky bleiben wird? Das ist die einzige Frage, auf die der Kanadier ausweichend antwortet: „Das weiß ich noch nicht. Es ist noch zu früh“, sagt er. „Erst einmal hoffe ich, dass die Saison mit den Huskies noch lange dauert.“

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