Protest der Fans

12:05 Minuten vor leeren Rängen

Dann waren sie wieder da: Die Huskies-Fans kehrten nach zwölf Minuten und fünf Sekunden wieder zurück und unterstützen ihre Mannschaft.

Kassel. Kurz vor dem ersten Bully, als das „You’ll never walk alone“ lief, da war noch alles ganz normal in Kassels Eishalle beim letzten Heimspiel des Jahres.

Der Heuboden war prall gefüllt, die Fans der Kassel Huskies schwenkten ihre Schals und Fahnen. Als die Partie gegen den EHC Dortmund lief, da aber war alles etwas anders als sonst. Es blieb still in der Halle. Jedes Kratzen der Kufen auf dem Eis war zu hören, jedes Knallen des Pucks gegen die Bande.

Erst waren sie weg: Die Huskies-Fans haben ihrem Unmut Luft gemacht und den Heuboden verlassen. Fotos:  Schachtschneider

Beim 10:2 (4:0, 4:1, 2:1)-Erfolg der Gastgeber, der ihnen wieder die Tabellenspitze in der Eishockey-Oberliga einbrachte, hatten die blau-weißen Fans wie angekündigt mit dem ersten Bully die Halle verlassen. Für symbolische zwölf Minuten und fünf Sekunden war der Großteil der 4435 Zuschauer dem Aufruf zahlreicher Fanklubs gefolgt. Nicht nur der Heuboden, auch die meisten Sitzplatzbesucher und sogar die Anhänger der Gäste kehrten der Partie den Rücken und machten sich auf den Weg nach draußen. Höchstens 700 Besucher blieben auf ihren Plätzen.

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„Wir haben die Schnauze voll“, hatte Sven Breiter, Hallensprecher und Fan-Beauftragter in Personalunion, zuvor unter dem Beifall der Fans erklärt. Und gesagt: „Uns geht es allein um das Kasseler Eishockey. Um nichts anderes.“ Die Fanklubs reagierten mit ihrer Aktion auf die schlechten Nachrichten um verspätete Zahlungen, ausbleibende Sponsorengelder sowie das Wirrwarr um die Zukunft der Halle. Begleitet wurde sie von einem offenen Brief, in dem vehement der Erhalt des Kasseler Profi-Eishockeys gefordert wurde.

Als sich die Plätze ab der 13. Minute wieder füllten, da war die sportliche Entscheidung schon gefallen. Die klar favorisierten Gastgeber hatten drei Treffer durch Alex Heinrich, Michi Christ und Kyle Doyle vorgelegt. Da war bereits klar, dass die ersatzgeschwächten Gäste - Dortmund hatte nur Torhüter und 14 Feldspieler zur Verfügung - ohne Chance sein würden. Bis zum ersten miterlebten Tor mussten die zurückkehrenden Anhänger aber warten. Erst drei Sekunden vor der Pause ließ Doyle mit einem Überzahltreffer die Halle geschlossen jubeln.

Im Mitteldrittel wurde der Kasseler im Dortmunder Tor, Steve Themm, dann richtig warm geschossen. Zwischen der 26. und 31. Minute erzielten die Huskies weitere vier Tore. Einer feierte dabei Premiere: Danny Albrecht, Neuzugang der Huskies aus Frankfurt, erzielte mit dem 5:0 im zweiten Spiel seinen ersten Treffer für Kassel, später war er zudem bei einen Unterzahlkonter zum 10:1 erfolgreich. Eines der beiden Gästetore erzielte Marc Haaf, neben den Themm-Brüdern dritter Kasseler bei Dortmund.

Am klaren Erfolg änderte das selbstverständlich nichts. Und nach dem letzten Heimspiel des Jahres wissen die Huskies jetzt, wie es ist, ohne Fans spielen zu müssen. Sie wissen aber auch, wie es sich anfühlt, mit den Fans im Rücken die Tabellenspitze zu erobern.

SR: Hoppe (Frankfurt), Z: 4435, Tore: 1:0 (2:54) A. Heinrich (Valenti, Christ), 2:0 (9:53) Christ (A. Heinrich, Klinge), 3:0 (11:05) Doyle (Snetsinger, Reiss), 4:0 (19:57) Doyle (Snetsinger- 5:3), 5:0 (25:37) Albrecht (Snetsinger, Doyle - 5:4), 6:0 (26:34) Kostyrev (Kreuzer), 7:0 (28:50) Sikora (Valenti, Klinge), 8:0 (30:58) Kostyrev (Engel), 8:1 (35:31) Haaf (Panek, Peck), 9:1 (47:27) Christ (Klinge), 10:1 (50:29) Albrecht (Kostyrev - 4:5), 10:2 (54:32) Peck (Haaf), Strafminuten Kassel 12 - Dortmund 12.

Von Frank Ziemke

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