Zwischen Fegefeuer und Freudentanz

Kassel Huskies: Richie Mueller im emotionalen Wechselbad

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Ob’s am guten Dehnen liegt? Richie Mueller ist der schnellste Schlittschuhläufer - mindestens in der DEL2.

In Frankfurt hatten sie verloren und Richie Mueller wurde ausgepfiffen. Am Sonntag führte ausgerechnet er die Kassel Huskies mit drei Treffern zu einem souveränen 6:2-Sieg gegen die Tölzer Löwen.

Sein Wochenende zwischen Fegefeuer und Freudentanz.

Huskies-Trainer Rico Rossi ist froh, „dass wir die schlimmen sechs Minuten vom Freitag so schnell aus dem Kopf bekommen haben“. Sein Tölzer Pendant und einstiger Trainerlehrgang-Gefährte Markus Berwanger hofft am Sonntagabend, dass seine Löwen ihren Pleitenfrust am Montag bei einem Oktoberfest-Besuch in München fortspülen können. Denn sein Eishockeyteam war beim 2:6 in Kassel „überhaupt nicht bereit und hat nichts von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“.

Doch sprachlos sind die beiden Coaches, als sie auf Richie Mueller angesprochen werden. „Was soll ich sagen? Toll!“ Für Rico Rossi ist der glanzvolle Auftritt des Dreifach-Torschützen, der zum 1;0, 2:0 und 4:0 trifft, natürlich keine Überraschung. Auch für „Rakete Richie“ selbst nicht. „Drei Tore in einem Spiel habe ich immer mal erzielt, in der letzten Saison sogar zweimal“, sagt der 36-jährige Kasseler und lächelt.

Wo andere abheben und in Endlos-Jubel verfallen würden, bleibt der Routinier gelassen. Selbst die Ehrenrunde mit Freudentanz nach der tollen Heimpremiere im neuen Team absolviert er im Eiltempo, genießt sichtlich die Ovationen der Fans und spielt mit ihrer Geduld bei Laola. Sind sie doch Balsam auf die Seele und Trost – 23 Stunden nach einem Tiefpunkt in seiner langen und erfolgreichen Karriere.

Vom Sechs-Minuten-Debakel in Frankfurt, ausgerechnet dort, spricht Mueller. Von der Rückfahrt in tiefster Enttäuschung nach einer bitteren Derbypleite, „in der die Löwen nur von ihrem perfekten Überzahlspiel gelebt haben“. Von der Videoanalyse am Samstag berichtet Richie, davon, „dass wir gegen die Tölzer bewiesen haben, dass wir nicht viel ändern mussten“. Und er gesteht die Anspannung ein vor dem ersten Punktspiel im Huskies-Trikot in eigener Halle, dem x-ten Neubeginn in seinem Sportlerleben. Doch die schnellen Tore, sein Doppelschlag in Überzahl, „das hat alle Sorgen weggefegt und uns in die Karten gespielt. Und wir hätten nach den ersten 20 Minuten auch höher führen können als 2:0“, sagt Mueller.

Auf die Pfiffe der Frankfurt-Fans war er vorbereitet

Nicht sprechen möchte er dagegen über seinen Gang durchs Fegefeuer zu Beginn seines emotionalen Wochenend-Wechselbades. Auf die Pfiffe der Frankfurter Fans nach seinem Wechsel nach Nordhessen war er vorbereitet. Der verbale Rundumschlag aber von Löwen-Boss Stefan Krämer, der ihn in einer Boulevard-Zeitung als „verdammten Lügner“ betitelt hatte, war ein Schlag ins Kontor. „Die Zeitung hatte ich gesehen. War eine gute Motivation fürs Spiel“, sagt Richie Mueller. Und für einen kurzen Moment nur verschwindet das Lächeln in seinem Gewicht. Mehr sagt er nicht zu diesem Thema. „Denn heute können wir uns alle zusammen freuen.“

Hintergrund: Iserlohn war noch schneller beim Doppelschlag Die beiden Tore der Huskies Sam Povorozniouk (20:51) und Richie Mueller (20:56) gegen Bad Tölz in nur fünf Sekunden sind im Kasseler Eishockey ein Rekord. Laut „huskywiki“ erzielte auch Fred Daubertshäuser am 7. Januar 1976 gegen Zweibrücken zwei Treffer in nur fünf Sekunden. Michi Christ gelang ein Doppelschlag binnen neun Sekunden beim 6:0 in Herford am 19. November 2011. Die deutsche Bestmarke einer Tordoublette in nur vier Sekunden stellten die Iserlohn Roosters am 23. März 2015 gegen Ingolstadt auf. 

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