„Das wird ein Genuss für die Fans“

Interview: Ex-Husky Mika Järvinen über Duelle beim Wingas-Cup und Eishockey in der KHL

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Hat den Durchblick in Sachen Eishockey in Russland: Der ehemalige Huskies-Torhüter Mika Järvinen. 

Kassel. Vom 8. bis 10. August steigt eine Premiere in der Kasseler Eissporthalle: Beim ersten Wingas-Cup treffen die Huskies auf HK Slovan Bratislava (Slowakei), Dinamo Riga (Lettland) und HK Vityaz (Russland) aus der Kontinentalen Hockey-Liga KHL.

Einer, der die russische Top-Liga auch mit Teams aus China, Finnland, Kasachstan und Weißrussland kennt, ist Mika Järvinen. Der finnische Torhüter kam 2013 aus Khabarovsk zu den Huskies. Seit 2015 spielt der ehemalige Kasseler Publikumsliebling in der höchsten finnischen Liga für Vaasa. Im Interview spricht der 28-Jährige darüber, worauf sich seine ehemaligen Mitspieler einstellen müssen.

Herr Järvinen, was erwartet die Huskies gegen die KHL-Klubs?

Järvinen: Die KHL-Teams haben viel Talent in ihren Reihen. Die Klubs sind reich und können sich gute Spieler leisten. Es ist nicht einfach, Teil dieser Manschaften zu werden. Aber die Huskies brauchen sich natürlich auch nicht zu verstecken.

Das klingt aber eher, als ob den Kasselern eine Lehrstunde droht.

Järvinen: Sagen wir mal so: Es werden harte, aber gute Spiele. Einfach wird es sicherlich nicht. Aber das Turnier findet in Kassel statt - und da haben die Huskies die eigenen Fans im Rücken.

Allerdings sind die Huskies dann gerade einmal anderthalb Wochen zusammen.

Järvinen: Das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt und sicherlich ein Nachteil für die Huskies. In der KHL läuft die Vorbereitung ja schon seit Anfang Juli. Aber wie gesagt: Helfen können die eigenen Anhänger mit ihrer Anfeuerung.

Auf was dürfen sich die Fans denn freuen?

Järvinen: Auf technisch starke Teams. Auf intensives Eishockey. Sicherlich viele Strafen und viele, viele Tore.

Viele Strafen - das heißt, es geht richtig zur Sache?

Järvinen: Ja, davon gehe ich aus. Schon in der Vorbereitung arbeiten die KHL-Teams darauf hin, hart auf den Mann zu gehen, Zweikämpfe anzunehmen. Den deutschen Teams fehlt diese Präzision und Härte nach erst einer gemeinsamen Woche auf dem Eis vielleicht noch. Sie kassieren deshalb vielleicht eher ein paar unfreiwillige Strafen. Denn es dauert ja ein Weilchen, bis sich ein Team eingespielt und gefunden hat.

Ähneln oder unterscheiden sich die Eishockey-Stile eher, die in Russland und Deutschland gespielt werden?

Järvinen: Als ich in Deutschland war, stand das Tore schießen im Vordergrund. In der KHL geht es eher darum, gut und sicher zu verteidigen. Das ist ein großer Unterschied zwischen den Ligen.

In der KHL tummeln sich viele ehemalige NHL-Stars wie Maxim Afinogenow und Alexej Semjonow. Wie ist es, gegen solche Topleute zu spielen?

Järvinen: Großartig und eine richtige Herausforderung. Diese Spieler gehören zu den besten ihres Fachs und wissen genau, was sie tun müssen, um ein Spiel zu gewinnen. Für die Zuschauer ist es ein Genuss, solche Akteure live zu erleben. Sie werden sehen, warum diese Spieler im Ruf stehen, zu den Besten der Welt zu gehören. Und die Huskies können aus diesen Duellen viel lernen.

Lähmen oder spornen solche Aufeinandertreffen eher an?

Järvinen: Es ist eine Motivation gegen solche Spieler aufs Eis zu gehen. Ich glaube nicht, dass die Huskies vor Respekt gelähmt sein werden. Es dürfte mehr Ansporn sein, zu zeigen, was in ihnen steckt.

Was macht den Reiz KHL aus?

Järvinen: Wenn du es in der NHL nicht schaffst, ist die KHL die nächste Adresse. Wenn ich noch einmal ins Ausland wechseln würde, wären für mich Deutschland, Österreich, Schweden, die Schweiz und Russland die Optionen. Die KHL ist die zweitbeste Liga der Welt. Und natürlich kann man dort auch gutes Geld verdienen. Wenn ich auf meine Laufbahn blicke, kann ich wohl sagen, dass ich in Khabarovsk am meisten verdient habe.

War das der Grund, warum Sie sich 2013 für die KHL entschieden haben?

Järvinen: Nein. Das Angebot kam, und ich habe nicht lange überlegt. Ich wollte herausfinden, ob ich gut genug bin, es dort zu schaffen.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit in der KHL?

Järvinen: Die Reisen waren ziemlich lang. Wir hatten oft ganz reguläre Linienflüge über Moskau und keine direkten Charterverbindungen. Das dauerte Stunden. Wir waren ständig müde. Das war schon verrückt. Dazu die Zeitverschiebung. Sechs, sieben Stunden Differenz zu Moskau haben die Reiserei auch nicht einfacher gemacht. Im Gegenteil.

Sie haben eine Saison in der KHL gespielt. Wie fällt rückblickend Ihr Fazit aus?

Järvinen: Ich hatte ein Jahr, das okay war. Es war nicht mein bestes, aber auch nicht mein schlechtestes. Als ich dann vertragslos war, kam das Angebot aus Kassel. Zunächst hieß es ja, es würde nur ein Torhüter für drei Wochen gebraucht. Aber ich mochte das Team, die Stadt, den Klub und deshalb bin ich dann die ganze Saison geblieben. Ich bin froh, die Erfahrung in Kassel gemacht zu haben. In der DEL2 wird gutes Eishockey gespielt mit vielen Toren, viele Zuschauer verfolgen die Spiele. Das ist nicht selbstverständlich und macht einfach sehr viel Spaß.

Zur Person

Mika Järvinen (28) steht seit Sommer 2015 beim finnischen Erstligisten Vaasa unter Vertrag. 2013/14 spielte er für den russischen Klub Amur Khabarovsk in der KHL, 2014 kam er zu den Huskies in die DEL 2. Aufgrund einer Verletzung absolvierte er nur 29 Spiele für die Blau-Weißen. Er grillt und schaut gern Serien, macht viel Sport. Der gelernte Koch lebt mit seiner Freundin zusammen.

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