Interview mit Ex-Husky Tobias Abstreiter über die Heim-WM

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Könnte laut Tobias Abstreiter die Überraschung im deutschen Team werden: Nationalstürmer Yasin Ehliz, der bei den Nürnberg Ice Tigers unter Vertrag steht.

Kassel. Langsam wird es ernst für „Käpt’n Tobi“ und die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft. Der langjährige Stürmer der Kassel Huskies gehört als Co-Trainer zum Stab um Bundestrainer Marco Sturm.

Er steht damit auch in der Verantwortung, wenn Deutschland am Freitag (20.15 Uhr/Sport1) gegen die USA in die WM startet. Im Interview spricht der 46-Jährige über das Turnier.

Herr Abstreiter, wie groß ist die Euphorie im Nationalteam vor dem ersten Bully bei der WM im eigenen Land?

Tobias Abstreiter: Groß natürlich. Es freuen sich alle, dass es endlich losgeht. Jeder ist heiß, topmotivert. Vor eigenem Publikum zu beginnen, wird doppelter Ansporn sein. Ich habe 2001 die Ehre gehabt, eine WM in Deutschland zu erleben. Die Fans haben uns durch das Turnier getragen, wir sind als Aufsteiger bis ins Viertelfinale gekommen. Es herrschte eine unglaubliche Euphorie. Die kann es jetzt wieder geben.

Die Erwartungshaltung ist hoch. Bei der letzten WM im eigenen Land, 2010, wurde Deutschland Vierter. 

Abstreiter: Das war der größte Erfolg. Aber das kann keine Messlatte, kein Richtwert bei diesem Turnier sein. Unser erstes Ziel ist es, das Viertelfinale zu erreichen und die Klasse zu sichern.

Gleich zu Beginn geht es gegen drei Eishockey-Großmächte: USA, Schweden und Russland. 

Abstreiter: Das sind super Teams. Als Spieler habe ich gegen die Top-Nationen lieber zu Beginn gespielt. Da bekommst du die Intensität, die Härte gleich mit und kannst dich ans Tempo des Turniers gewöhnen und diese Erfahrungen positiv mitnehmen in die folgenden Partien. Aber natürlich wollen wir versuchen, den ein oder anderen Favoriten zu ärgern.

USA, Schweden, Russland – gegen wen könntest das am ehesten klappen? 

Abstreiter: Ich tippe mal auf die USA. Die haben wir im vergangenen Jahr auch schon einmal geschlagen. Deshalb rechnen wir uns da durchaus Chancen aus.

Apropos USA: Ihre Mannschaft ist top-besetzt, fast alle NHL-Stars sind dabei. 

Abstreiter: Ja, das waren wir bei der WM im vergangenen Jahr ebenso. Aber auf der Mittelstürmer-Position fehlen uns diesmal der verletzte Marcel Goc und Leon Draisaitl, der mit Edmonton noch in den Playoffs spielt. Alle in der Mannschaft müssen mit anpacken und sich nicht auf die Leistungsträger verlassen, sondern es ihnen so leicht wie möglich machen. Wir können nur als Team bestehen.

Wer hat denn das Zeug dazu, zur Überraschung des deutschen Teams zu werden? 

Abstreiter: Dominik Tiffels hat in der Vorbereitung überrascht und kann das auch im Turnier tun. Ich traue auch Konrad Abeltshauser, Dominik Kahun oder Yasin Ehliz zu, dem Spiel unserer Mannschaft ihren Stempel aufzudrücken. Abgesehen davon können Draisaitl und Torhüter Philipp Grubauer ja noch zu uns stoßen, sollten sie mit ihren Teams in den NHL-Playoffs scheitern.

Welche Aufgaben übernehmen Sie im Trainerteam? 

Abstreiter: Ich kümmere mich um das Unterzahlspiel, Geoff Ward, der zweite Assistent, um das Powerplay. Wir sind ein eingespieltes Team, wie der ganze Trainerstab insgesamt. Wir werden auch gemeinsam während des Turniers etwas unternehmen, sofern es die Zeit zulässt. Die Zusammenarbeit klappt hervorragend. Auch mit Marco Sturm.

Was ist der Bundestrainer denn für ein Typ? 

Abstreiter: Seine aktive Zeit liegt ja noch nicht so lange zurück, er kennt selbst noch die Sprache der Spieler und hat eine gute Kommunikation zu ihnen. Er weiß die richtigen Knöpfe zu drücken, und wenn ihm etwas nicht passt, dann sagt er das gerade heraus.

Zeitgleich mit der WM rückt auch wieder die Diskussion über den nicht vorhandenen Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL2 in den Fokus. Was denken Sie darüber? 

Abstreiter: Ich bin über die aktuellen Details nicht im Bilde. 2016 aber hat Bremerhaven als Neuling in der DEL überrascht. Es ist immer schön, wenn frisches Blut in die Liga kommt. Es wäre gut, wenn das in nächster Zeit wieder möglich wird.

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