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Italienischer Torwarttrainer lobt Kassels Jerry Kuhn – Huskies heute bei Füchsen

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Von: Björn Friedrichs

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Seit Jahren ein starker Rückhalt: Jerry Kuhn, Torhüter der Kassel Huskies, arbeitet seit diesem Sommer zusätzlich mit einem italienischen Torwarttrainer zusammen. Heute sind die Huskies bei den Lausitzer Füchsen zu Gast.
Seit Jahren ein starker Rückhalt: Jerry Kuhn, Torhüter der Kassel Huskies, arbeitet seit diesem Sommer zusätzlich mit einem italienischen Torwarttrainer zusammen. Heute sind die Huskies bei den Lausitzer Füchsen zu Gast. © Andreas Fischer, privat/nh

Jerry Kuhn, Torwart der Kassel Huskies, arbeitet mit dem italienischen Torwarttrainer Daniel Goller zusammen. Der traut dabei nicht auf die gängigen Statistiken.

Daniel Goller ist Eishockey-Torwarttrainer. Er geht mit Goalies auf Trainingsweisen ein, coacht sie in Privateinheiten, macht Videoanalysen, geht Fehler durch. Und er setzt ein besonderes Werkzeug ein, das noch nicht allzu verbreitet ist.

Davon profitieren soll auch einer der Torhüter, mit denen er zusammenarbeitet: Jerry Kuhn. Der 36 Jahre alte Schlussmann der Kassel Huskies, der mit seiner Mannschaft in der DEL 2 heute ab 19.30 Uhr bei den Lausitzer Füchsen zu Gast ist, bekommt von dem Südtiroler ein Extralob.

Kuhn und Goller arbeiten eng zusammen

„Jerry ist ein erfahrener Mann, ein klasse Torwart“, sagt Goller. Seit Sommer arbeiten der 40-Jährige und Kuhn zusammen: „Da haben wir uns beim Deutschen Eishockey-Bund persönlich kennengelernt, Jerry hat ja den C-Trainerschein gemacht. Ich kannte ihn zwar schon vorher, weil ich gegen ihn gecoacht habe, aber im Sommer hat er mich gefragt, ob wir zusammenarbeiten können.“

Gesagt, getan. Seitdem stehen die beiden im engen Austausch – Kuhn, der DEL-2-Torwart, und Goller, der selbst in der zweiten italienischen Liga spielte, seit 15 Jahren als Trainer tätig ist und aktuell elf Torhüter betreut. „Wir arbeiten sehr eng zusammen – und das ziemlich erfolgreich. Wenn man sich sein Spiel anschaut, sieht man, dass er sich noch mal weiterentwickelt hat“, sagt Goller, der seinen Anteil daran aber nicht zu hoch hängen möchte: „Wir haben nur Kleinigkeiten angepasst, bei ihm musste man nicht viel rumschrauben.“

Das besondere Werkzeug stammt aus Schweden

Der Mann aus Brixen in Südtirol hat sich sein Fachwissen in Nordamerika angeeignet. Mehr als ein Jahrzehnt arbeitete er mit dem italokanadischen NHL-Torwarttrainer Jim Corsi zusammen und inzwischen auch mit Eric Raymond, tätig bei den Montreal Canadiens.

Daniel Goller (rechts) ist Eishockey-Torwarttrainer. Das Foto zeigt ihn mit Eric Raymond, Torwarttrainer der Montreal Canadiens.
Daniel Goller (rechts) ist Eishockey-Torwarttrainer. Das Foto zeigt ihn mit Eric Raymond, Torwarttrainer der Montreal Canadiens. © Privat

Das eingangs erwähnte besondere Werkzeug aber stammt aus Schweden. Es handelt sich um einen statistischen Wert, anhand dessen eine Torhüterleistung besser zu bewerten sein soll als bloß anhand der Fangquote. „Gegen Bad Nauheim hat Jerry bei nur 19 Schüssen drei Tore kassiert, bei denen er kaum etwas machen kann. Kriegt man wenig Schüsse auf das Tor, sieht die Fangquote dann gleich schlecht aus, obwohl man alles gehalten hat, was zu halten war“, sagt Goller und ergänzt: „Statistiken lügen leider manchmal, vor allem wenn sie nicht professionell erfasst werden.“

Das System bringt nur etwas, wenn man ehrlich ist

Deshalb wendet er neben der Fangquote zusätzlich ein System an, das noch in der Ausarbeitung ist, von vielen Klubs in der schwedischen SHL aber bereits genutzt wird. Hierbei wird jeder Schuss, den ein Torhüter in einem Spiel aufs Gehäuse bekommt, einzeln per Punktevergabe bewertet – von eins (für ein leicht kassiertes Tor) bis fünf (für eine starke Parade). „Dann werden die Punkte zusammengezählt und durch die Anzahl der Schüsse geteilt.

Ein Wert unter 3,49 ist eher schwach, zwischen 3,5 und 3,78 durchschnittlich. Alles darüber ist gut“, erklärt Goller. Das System bringe aber nur etwas, wenn man ehrlich ist: „Ist man das nicht, macht man sich selbst etwas vor. Ich bewerte meine Jungs sehr kritisch, nur dann ist es ein effektiver Wert.“

Kuhn steht in der laufenden Saison bei einer Fangquote von insgesamt 92,4 Prozent

Kuhn hatte gegen Bad Nauheim eine Fangquote von 84,22 Prozent – ein eher schwacher Wert für den 36-Jährigen, der in der laufenden Saison insgesamt bei 92,4 Prozent steht. Wendet man aber das schwedische Punktsystem an, landete der 36-Jährige laut Goller bei 4,0 Punkten und einer tadellosen Leistung. Überhaupt kann der Trainer, der sich für seine Schützlinge in jedem Spiel maximal zwei Gegentore und eine Fangquote von mindestens 91,5 Prozent wünscht, nicht verstehen, warum man Zweifel daran haben könnte, Kuhn sei kein geeigneter Aufstiegstorwart: „Es haben viele noch nicht verstanden, auf was für einem Niveau er hält. Er hat einen großen Erfahrungsschatz, er kennt die Liga in- und auswendig. Das kann man nicht kaufen.“

Bei den Spielen in Bayreuth und Crimmitschau habe der Torwart zuletzt gezeigt, wie stark er sei. Und auch bei den nächsten Aufgaben wie heute in Weißwasser peilt Kuhn neben einer guten Fangquote sicher auch wieder einen guten Punktwert nach schwedischem Vorbild an. (Björn Friedrichs)

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