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Huskies-Geschäftsführer Joe Gibbs: „Ja, es war eine enttäuschende Saison“

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Von: Frank Ziemke, Björn Friedrichs

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Die Huskies Brett Cameron (links) und Dieter Orendorz nach dem Aus gegen Bad Nauheim.
Die Huskies Brett Cameron (links) und Dieter Orendorz nach dem Aus gegen Bad Nauheim. © Dieter Schachtschneider

Die Saison ist für die Kassel Huskies gelaufen. Im Interview zum Abschluss der Spielzeit haben wir mit Geschäftsführer Joe Gibbs gesprochen.

Kassel – Die Saison ist für die Eishockeyspieler der Kassel Huskies enttäuschend früh vorbei. Das Viertelfinal-Aus gegen Nauheim hat Spuren hinterlassen. Auch bei Joe Gibbs. „Es war eine enttäuschende Saison“, sagt der Geschäftsführer im Interview.

Ist die erste Enttäuschung über das Aus verflogen?

Nein. Wir haben eine Mannschaft zusammengebracht, mit der wir um die Meisterschaft spielen wollten. Unser Ziel haben wir nicht erreicht. Das ist enttäuschend. Wenn ich beteiligt bin, will ich immer um Titel spielen. Wenn man sich die Qualität in unserem Kader anschaut, ist klar, dass wir das wollte.

Dann kann das Fazit ja nur lauten, dass es eine enttäuschende Saison war.

Ja, es war eine enttäuschende Saison. Viele Faktoren haben mitgespielt, aber wir waren nicht die einzige Mannschaft mit Problemen. Wir waren sehr gut mit Corona ausgekommen die letzten zwei Jahre, aber irgendwie hat es uns dann doch erwischt. Trotzdem: Wir haben mehr erwartet von unseren Spielern, die Leistung war aber nicht da. Das müssen und werden wir intensiv analysieren.

Es gab vor der Saison mehrere Dinge, die sich negativ ausgewirkt haben. Auch der Patzer bei der DEL-Bewerbung, bei dem viele Fans sagen, die Mannschaft sei deshalb weniger motiviert...

Da bin ich anderer Meinung. Die Mentalität eines Spielers muss sein, die Meisterschaft als Ziel zu haben. Es gab auch Zeiten, in denen es keinen Aufstieg gab und wir trotzdem um den Titel gespielt haben. Jeder, der Profi ist, spielt darum, Meister zu werden. Das war unser Ziel, das wusste jeder Spieler. Von ihnen hat auch niemand angeführt, dass deshalb seine Leistung nicht gut war. Bei einigen sind die Statistiken aber deutlich schwächer ausgefallen, der Einsatz hat nicht gepasst.

Womit ist der Leistungseinbruch zu erklären?

Wenn man keine gute Saison gespielt hat, kann man viele Gründe suchen. Die Entschuldigungen sind aber irgendwann weg, dann muss man in den Spiegel schauen. Der lügt nicht. Ich als Sportler würde eher gucken, wie ich mich verbessern kann.

Wie sehen Sie im Nachgang den Trainerwechsel?

Wir müssen bei so einer Entscheidung vieles abwägen. Wir haben zu Saisonbeginn genauso gespielt wie zum Ende der Playoffs letztes Jahr. Die Ergebnisse waren schlecht. Wir haben durchgehalten, wieder gut gespielt – wenn auch nicht auf dem Level einer Meister-Mannschaft. Dann kam Corona. Wir haben Tim Kehler und dem Team noch eine Chance gegeben. Es war dann der Zeitpunkt, etwas zu machen. Die Ergebnisse danach zeigen, dass die Entscheidung richtig war. Ich möchte aber betonen: Ich schätze Tim sehr. Er hat uns letzte Saison in das entscheidende Finalspiel gebracht, das darf man nicht vergessen.

Wer wird jetzt Trainer?

Das ist nach wie vor offen. Corey Neilson hat bislang einen sehr guten Job gemacht, er ist natürlich ein Kandidat. Wir haben da mehrere Möglichkeiten, die wir uns genau anschauen werden.

Läuft die Kaderplanung unabhängig vom Trainer?

Der Kader wird geformt von Manuel Klinge und mir. Das ist unsere Entscheidung. Den Trainer beziehen wir immer ein. Er muss ja mit den Spielern arbeiten. Es geht bei der Suche auch um den Charakter, wir schauen nicht nur auf Statistiken. Spieler müssen nach Kassel passen. Der Trainer hat die Möglichkeit, seine Meinung zu sagen. Er baut aber nicht die Mannschaft.

War der Kader dieses Jahr nicht gut zusammengestellt?

Wir haben einen Großteil des Teams behalten. Es kommt dann auch immer darauf an, wie die Mannschaft spielt. Es haben da aber mehrere Faktoren mitgespielt. Die Saison hatte Höhen und Tiefen – warum die Mannschaft im letzten Spiel den Einsatz nicht zeigen konnte, da sind noch Fragen offen.

Warum standen ungewohnt viele Verteidiger und dafür weniger Stürmer im Kader?

Gute, solide Verteidiger zu finden, ist immer schwer. Oli Granz war das Jahr vorher immer Stürmer und Abwehrspieler, er ist eine Art Rückversicherung, wenn ein Angreifer fehlt. Mit Denis Shevyrin ist es auch so, er ist gelernter Stürmer, bei uns aber meist Verteidiger gewesen. Diese Flexibilität ist gut. Auf dem Papier sah der Kader vielleicht unausgewogen aus, aber das war er nicht.

Wie groß wird denn der Umbruch jetzt ausfallen?

Der Kader wird sich in den nächsten zwei Wochen erst mal ganz genau angeschaut. Aber es wird – wie jedes Jahr – einige Wechsel geben.

Kann der Wandel überhaupt groß ausfallen? Es gibt ja sicher Spieler, die einen Vertrag haben.

Wenn wir der Ansicht sind, dass es bei dem einen oder anderen Spieler nicht passt, dann müssen wir mit ihm sprechen. Aber es ist nicht unsere Intention, Spieler mit Verträgen wegzugeben.

Es gibt Gerüchte um Mirko Pantkowski oder Yannik Valenti. Wie viele Kasseler kann man im Kader der Huskies erwarten?

Wir wollen so viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs wie möglich, das muss aber alles passen. Die genannten Namen sind immer interessant für uns, sie haben aber auch bestehende Verträge.

Wie ist die Kooperation mit Iserlohn gelaufen?

Wir sind zufrieden mit der Zusammenarbeit. Iserlohn hat ja auch lange um den Verbleib in der DEL kämpfen müssen. Deshalb gab es da noch keine Gespräche. Sie werden jetzt sicher auch erst mal ein bis zwei Wochen Pause brauchen. Das ist ein Prozess, die erste Phase ist aber gut gelaufen.

Wie geht es mit Jerry Kuhn weiter?

Der Fall war nicht akzeptabel. Das weiß Jerry, er hat sich öffentlich entschuldigt. Wir stehen aber hinter ihm und wollen zukünftig weiter mit Jerry als Torwart arbeiten.

Als Nummer eins?

Wir planen auf dieser Position immer mit einem gesunden Wettbewerb. Da liegt es dann an den Goalies, ob sie an eins oder zwei spielen.

Wer soll die Posten von Führungsfiguren, wie es Derek Dinger und Michi Christ waren, übernehmen?

Natürlich haben uns die beiden in der Kabine gefehlt, aber sie sind auch jetzt wertvolle Teile unserer Organisation. Die Entscheidung haben ja beide auch selbst getroffen. Da muss dann der nächste kommen und die Lücke füllen. Es gibt Anführer bei uns, die müssen auch nicht immer laut oder erfahren sein.

Wie lange bleiben Sie ein Husky?

Kassel ist die Heimat von mir und meiner Frau. Ich möchte in absehbarer Zukunft noch bei den Huskies bleiben. Irgendwann wird es eine Entscheidung geben, dass jemand anderes übernimmt. Wir bauen das Management weiter auf. Ich bin langfristig mit den Huskies verbunden.

Was sind nun die Ziele der Huskies für die nächste Saison?

Ich wünsche mir, dass wir es gesundheitlich hinbekommen, wieder viele Fans in die Halle holen zu können. Unser Ziel ist klar: erst die Playoffs, dann die Meisterschaft und der Aufstieg. Ein Schritt nach dem anderen. Das wird schwer, aber ganz klar: Der Aufstieg ist unser Ziel.

Letzte Frage: Gönnen Sie als Kasseler Frankfurt jetzt den Titel?

Natürlich! Nicht weil es dann für uns einen Konkurrenten weniger gibt, sondern weil es ein gutes Zeichen für die DEL-2-Klubs ist, dass der Aufstieg auch gewollt wird.

Zur Person

Joseph „Joe“ Gibbs (61), kam 1979 aus Toronto (Kanada) nach Braunlage, spielte dort und bei weiteren Stationen Eishockey. Nach einem Studium der Immobilienwirtschaft war er beim ESV Kaufbeuren, den Kassel Huskies, in Nürnberg und beim KSV Hessen tätig. Seit 2014 ist er wieder Huskies-Geschäftsführer, seit 2017 alleiniger Eigentümer und Inhaber der Eissporthalle. Gibbs ist verheiratet mit Katherine, hat eine Tochter und zwei Enkelkinder.

Von Frank Ziemke Und Björn Friedrichs

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