Blick auf 2019

Jahresrückblick-Interview mit Nicole Ellermann von den Huskies: „Ein ganz neues Miteinander“

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Mittendrin statt nur dabei: Nicole Ellermann mit (von links) Michi Christ, Alex Heinrich und Derek Dinger sowie (vorn) Austin Carroll. 

Frauen in der Umkleidekabine einer Eishockeymannschaft? Über Jahrzehnte undenkbar! Inzwischen aber ist neben Physiotherapeutin Kathrin Tepel auch Nicole Ellermann bei den Huskies eine feste Größe. Im Interview berichtet sie über ihr Kasseler Eishockeyjahr (fast) allein unter Männern.

Seit wann dürfen Frauen in die Huskies-Kabine?

Seit 1999 bei Hans Zach. Zunächst gelegentlich nach den Spielen, aber nur in den Physioraum. Später habe ich einen Glassplitter in einem Fuß bei ihm entdeckt und entfernt, das hat das Eis geschmolzen.

Was ist ihre Aufgabe als Medizinische Assistentin?

Gemeinsam mit Ärzten und Physios die Erstversorgung in der Kabine bei Platzwunden und Verletzungen allgemein. Materialbeschaffung. Die Koordination zwischen Spielern, Physios und Ärzten, die Vermittlung von Terminen. Wir sind rund um die Uhr da.

Sind Sie aber auch Seelsorgerin für die Spieler oder für deren Frauen?

Auf jeden Fall. Das sind wir alle. Auch als Anlaufstelle für Neuzugänge, wenn es um das Einleben und Wohlfühlen geht. Auch für die Frauen haben wir ein offenes Ohr und die Kinder, wenn es beispielsweise um Kindergärten und Atteste geht.

Auf dem Eis präsentieren sich Spieler gern als harte Burschen. Und sonst?

Bei Verletzungen und Wunden sind sie wirklich härter als andere Sportler. Aber auch da gibt es Unterschiede. Manche haben immer etwas, andere lassen sich nie etwas anmerken. Außerhalb der Eishalle sind sie dann eher normal. Wie Männer so sind.

Und keiner war in all den Jahren dabei, der ihr Herz erobert hat?

Hmmm.... Doch. Aber es ist schon lange her. Einer hat mein Herz erobert und es mit seinem Weggang gebrochen. Bis heute haben wir losen, aber guten Kontakt.

Wie reagieren Männer auf eine einzelne Frau in der Kabine, gibt es peinliche Momente?

Nein, aber viele lustige. Dann fliegen lockere Sprüche hin und her. Vieles wird zur Routine und wir sind alle erwachsen. Nacktheit ist im Sport nicht außergewöhnlich.

Zum Sport: Anfang des Jahres lief es nicht. Wie haben Sie die schwachen Spiele, den frühen K.o. und die Spieler erlebt?

Die Stimmung war am Boden und ohne Gelassenheit, ganz anders als früher. Es hat gebrodelt, es gab Grüppchen und Vorwürfe untereinander, kaum ein Miteinander mehr. Und es gab keine Höhepunkte oder Siege, die die Stimmung ins Positive hätten kippen lassen können.

Der Tod von Simon Kimm, das stille Aus für Rico Rossi – welche Tiefpunkte haben Sie wahrgenommen?

Wir hatten zu Rico immer einen guten Draht. Auch wenn sein Abschied absehbar war, so war ich am Ende dann doch traurig. Denn als Team waren wir gut zusammengewachsen.

Aber seit dem Sommer geht es steil aufwärts. Wer und was hat sich verändert?

Die Menschen, die Typen. Bei den ersten Untersuchungen und bei den ersten Treffen war schon neue Lockerheit spürbar. Auch wenn das Sommertraining hart war und schwer wie immer, so gab es doch mehr Teamgeist, viel frischen Wind und gute Laune in der Kabine. Schweiß und Spaß – ich erlebe ein ganz anderes Miteinander.

Welche Ereignisse oder Randgeschichten haben Sie am meisten berührt?

Es ist immer blöd, wenn langjährige Spieler Abschied nehmen wie zuletzt Jens Meilleur, zu denen eine besondere Verbindung gewachsen war. Das ist das Schwierigste in meinem Job. Ich hoffe jetzt, dass Jungs wie Marco Müller noch lange bleiben. Und natürlich sind schwere Verletzungen hart, wenn wir fast hilflos sind. So wie bei Bietigheims Max Lukes, den wir bis ins Krankenhaus begleitet haben.

Von Tag zu Tag im Laufe einer Saison riecht die Ausrüstung der Spieler strenger. Wie kommen Sie mit diesem „Duft“ klar?

Nur mit ganz viel Desinfektionsmittel. Immerhin: Nach dem Duschen riechen zumindest die Spieler gut.

Eines müssen Sie aber noch verraten: Wer hat das beste Sixpack, wer den knackigsten Po bei den Huskies?

Die Ärzte! (lacht) Im Ernst? Also aus meiner Sicht sind in einem ziemlich attraktiven Team optisch Alex Karachun und Michi Christ sowie die beiden Müllers das Top-Quartett. Es wird Zeit für einen neuen heißen Kalender...

Und, am Ende ihr Tipp: Wie weit kommen die Huskies diesmal?

Gegenfrage: Wann beginnt die Finalserie?

Zur Person

Nicole Ellermann (40): Geboren in Emden, aufgewachsen in Haueda, Schulabschluss in Hofgeismar, dann Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in Liebenau. 1998 Wechsel in die Orthopädische Praxisklinik Baunatal zu den Huskies-Teamärzten Rolf Raetzer und Hans Schafdecker. Dort koordiniert die Praxisleiterin inzwischen auch die Betreuung von Fuß- und Handballteams aus Baunatal und Fritzlar. Ellermann ist ledig, als Schwimmerin der TSG Hofgeismar (bis zu einem Handbruch) startete sie auch bei Hessenmeisterschaften. Hobbys: Schimmen, Thaiboxen.

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