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Die Huskies vor Spiel sieben gegen Bad Nauheim: „Jetzt kann alles passieren“

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Von: Björn Friedrichs

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An ihm war am Sonntag kein Vorbeikommen: Jonas Neffin, Torhüter der Kassel Huskies, vereitelt hier eine Chance von Bad Nauheims Taylor Vause. Rechts beobachtet Joel Keussen die Situation.
An ihm war am Sonntag kein Vorbeikommen: Jonas Neffin, Torhüter der Kassel Huskies, vereitelt hier eine Chance von Bad Nauheims Taylor Vause. Rechts beobachtet Joel Keussen die Situation. © Jan-Malte Diekmann/JMD-Photographie

Heute fällt die Entscheidung: Die Kassel Huskies empfangen Bad Nauheim zum siebten Viertelfinalspiel. Wir haben mit Jonas Neffin, Denis Shevyrin und Corey Trivino gesprochen.

Bad Nauheim/Kassel – Was für eine starke Reaktion am Sonntag: Die Kassel Huskies schlagen in Bad Nauheim zurück, zerlegen die Roten Teufel im zweiten Drittel und holen sich dank des 5:0 (1:0, 4:0, 0:0)-Erfolgs das siebte Spiel vor eigenem Publikum.

Einer, der am Sonntag glänzte und auf den es auch heute wieder ankommt, ist Torwart Jonas Neffin. Der 21-Jährige rückte für den gesperrten Jerry Kuhn ins Gehäuse und bewies Nervenstärke. „Ich habe mich sehr drauf gefreut, es war ja für mich das erste Playoff-Spiel meiner Karriere. Wir wollten alles reinhauen, auch für Jerry. Jeder hat echt Bock auf dieses Spiel gehabt“, sagt Neffin.

33 Schüsse wehrte er – teils spektakulär – ab, sicherte seinem Team in der einen oder anderen brenzligen Situation den Vorsprung. „Das Spiel war definitiv ein Karrierehöhepunkt für mich. Es war ja auch mein erster Shutout in der DEL 2.“ Anerkennung gab es auch von Kapitän Denis Shevyrin: „Riesenlob an Jonas. Wir als Team haben vollstes Vertrauen in ihn.“

Im ersten Drittel, das Bad Nauheim überlegen begann, traf Corey Trivino in Überzahl zum 1:0 (19.). Für den Kanadier war es der erste Treffer nach seiner langwierigen Verletzung, von der er Ende Februar zurückgekehrt war. „Es war ein langer Weg bis zur Rückkehr. Ich habe dem Team immer helfen wollen, auch ohne ein Tor zu schießen. Ich habe immer gehofft, dass mir irgendwann ein Treffer gelingt – jetzt ist es ausgerechnet im letzten Moment passiert“, sagt Trivino lachend. Und weil es so schön war, legte er sein zweites Tor zum 3:0 gleich nach (29.). „Corey ist wieder in richtig guter Form“, weiß auch Shevyrin um den Wert seines Mitspielers.

Corey Trivino von den Kassel Huskies traf am Sonntag erstmals nach seiner Verletzung.
Corey Trivino von den Kassel Huskies traf am Sonntag erstmals nach seiner Verletzung. © Fischer, Andreas

Davor und danach traf jeweils Brett Cameron (26./33.). Den Schlusspunkt setzte Shevyrin selbst, der wieder im Angriff eingesetzt wurde. „Es ist eine Umstellung, aber auch eine Frage der Einstellung. In den Playoffs darf keiner sein Ego voranstellen“, sagt Shevyrin. In der 38. Minute hatte er zu einem starken Solo samt Rückhandschuss angesetzt. Alle fünf Tore gingen somit auf das Konto einer Sturmreihe.

„Wir sind zusammengerückt, haben in dieser Do-or-die-Situation leidenschaftlich gespielt und uns in Schüsse geworfen. Jetzt stehen beide Teams mit dem Rücken zur Wand, jetzt kann alles passieren“, sagt Trivino. „Der Sieg war schön für das Selbstvertrauen, ist jetzt aber abgehakt. Heute werden wieder dieselben Dinge entscheidend sein wie auch schon in den Spielen zuvor: gute Special Teams, wenige eigene Fehler, den Gegner selbst zu Fehlern zwingen“, sagt Shevyrin. Er feiert heute übrigens seinen 27. Geburtstag. „Es gibt nichts Schöneres als ein Spiel sieben und ein Derby zum Geburtstag – und dann auch noch gegen meinen Bruder Mark“, so Shevyrin.

Denis Shevyrin, Kapitän der Kassel Huskies, kam zuletzt abwechselnd in Angriff und Abwehr zum Einsatz.
Denis Shevyrin, Kapitän der Kassel Huskies, kam zuletzt abwechselnd in Angriff und Abwehr zum Einsatz. © Fischer, Andreas

Ein weiterer Faktor wird sicher auch wieder Neffin sein. Der Youngster im Kasten ließ sich auch von der Kulisse in der Wetterau nicht aus der Ruhe bringen: „Ich mag es, vor lauten Fans zu spielen. Das gibt einen extra Schub“, sagt der Torwart. Den erhofft sich Neffin, der als Förderlizenzler von DEL-Klub Iserlohn nach Kassel verliehen ist, auch heute. „Es sind sowohl Vorfreude als auch Nervosität da. Wenn man nervös ist, zeigt das aber auch, dass man bereit ist.“

Siegen oder Fliegen - ein Blick in die Vergangenheit

Entscheidungsspiele in den Playoffs gab es schon einige in der Geschichte der Kassel Huskies. Ein Rückblick auf Partien, die besonders in Erinnerung geblieben sind.

- 1993, Playoff-Viertelfinale der 2. Bundesliga, 6:7 n.V. gegen Weißwasser: Das erste Entscheidungsspiel in der Kasseler Eishockey-Historie. In der Aufstiegsrunde verliert der ECK Spiel fünf dramatisch nach Verlängerung. Nach 1:3- und 3:5-Rückstand geht Kassel in Führung, zwei Minuten vor Schluss fällt das 6:6 durch Hubert Hahn. Er trifft auch in der Overtime für Weißwasser.

- 2000, DEL-Viertelfinale, 7:2 gegen Mannheim: Die Huskies stehen nach einem Erfolg sowie zwei Pleiten in der Best-of-five-Serie mit dem Rücken zur Wand – und fahren dann zwei Kantersiege ein. Auf ein 7:1 in Mannheim folgt ein 7:2 in Kassel. In beiden Spielen treffen je sieben unterschiedliche Akteure.

- 2003, DEL-Viertelfinale, 1:5 gegen Köln: Das erste Mal Spiel sieben für die Huskies. Nach einem Auswärtssieg zum Auftakt gleichen die Huskies die Serie gegen favorisierte Haie noch zweimal aus. Bei Spiel sieben sind sie dann aber chancenlos.

- 2005, DEL-Playdowns, 2:3 gegen Wolfsburg: Die Huskies haben Matchpuck, verlieren in der Abstiegsrunde dann aber erst zuhause und auch Spiel sieben in Wolfsburg. Die Huskies bleiben dennoch erstklassig, Wolfsburg bekommt keine Lizenz.

- 2008, Zweitliga-Finale 3:2 n.V. gegen Landshut: Der Aufstieg nach einem nervenzehrenden Spiel. Drew Bannister schießt die Huskies in der Verlängerung zum Sieg und lässt die Eissporthalle beben.

- 2013, Oberliga-Playoffs, erst Sieg gegen Frankfurt, dann Niederlage gegen Bad Nauheim: Gegen die Löwen Frankfurt gewinnen die Huskies das fünfte Spiel mit 2:1 nach Verlängerung. Im Finale gegen Bad Nauheim ziehen sie dann aber den Kürzeren. Die Roten Teufel gewinnen Spiel fünf in Kassel mit 3:2 nach Verlängerung.

- 2021, DEL-2-Finale, 2:5 gegen Bietigheim: Die Huskies verlieren das Finale nach 2:0-Serienführung. Im entscheidenden Spiel dreht Bietigheim zum dritten Mal einen Rückstand und steigt auf.

Weitere entscheidende Spiele der Huskies in Playoffs:

1994: Zweitliga-Halbfinale, 3:1 in Spiel fünf gegen den EHC Nürnberg

1996: DEL-Viertelfinale, 1:3 in Spiel fünf gegen Preußen Devils Berlin

2019: DEL-2-Pre-Playoffs 1:2 in Spiel drei gegen Crimmitschau

Mehr Infos, Berichte und Statistiken: huskywiki.de

Von Björn Friedrichs

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