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Geschäftsführer Gibbs sieht viele Faktoren: „Schwierige Zeit“

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Von: Björn Friedrichs

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Stephan Tramm sorgte mit seinem sehenswerten Treffer für einen kurzen Hoffnungsschimmer bei den Kassel Huskies.
Stephan Tramm sorgte mit seinem sehenswerten Treffer für einen kurzen Hoffnungsschimmer bei den Kassel Huskies. © Fischer, Andreas

Der Auftritt vom Samstag hallte lange nach: Die Kassel Huskies präsentierten sich beim 1:7 in Kaufbeuren in schwacher Verfassung. So äußert sich Geschäftsführer Joe Gibbs über die Gründe.

Kassel/Kaufbeuren – „Das Ergebnis ist für uns natürlich nicht zufriedenstellend. Es ist aber Fakt, dass momentan viele Aspekte eine Rolle spielen. Man darf da nicht nur auf die Tagesform schauen, sondern muss die gesamte Situation im Blick haben.“ Das sagt Joe Gibbs, Geschäftsführer der Kassel Huskies, nach der 1:7 (0:3, 0:1, 1:3)-Pleite des Eishockey-Zweitligisten beim ESV Kaufbeuren. Neben der schwachen Leistung sorgte vor allem der undisziplinierte Auftritt mit zig Strafzeiten für viele Fragezeichen. Das sind die Baustellen.

Corona und die Belastung

Das darf man auch nach Ergebnissen wie am Samstag nicht wegwischen. Die Huskies pendeln seit Wochen nur noch zwischen Eishalle, Bus und Bett. Mehr als ein Dutzend Spieler kommt aus einer ungewissen Coronaerkrankung. Freizeit gibt es so gut wie keine.

„Die großen Schwankungen beruhen darauf und haben Einfluss auf die Situation, dies ist ja auch nicht nur bei unserem Team zu sehen. Das ist momentan eine sehr schwierige Zeit für uns“, sagt Gibbs.

Die Personallage

Torwart Jerry Kuhn kehrte zurück, mit Lukas Laub, Fabian Ribnitzky, Tim Lucca Krüger, Jake Weidner und Corey Trivino fehlte aber weiter einige Feldspieler. „Die Gesundheit hat höchste Priorität. Die Spieler können ja auch nicht einfach wieder zurück auf das Eis“, sagt Gibbs.

Das erste Drittel

Misslang in Kaufbeuren erneut. Dass es nur 0:3 stand, war einzig Kuhn zu verdanken, der drei Alleingänge zunichte machte. In den vergangenen fünf Partien ging Kassel im ersten Abschnitt nie in Führung, zwei Tore und zwölf Gegentore gab es in diesen fünf ersten Dritteln zu notieren. In der Saison sind es 30 eigene und 43 Gegentore. In keinem anderen Drittel haben die Huskies eine Negativbilanz. Ein Comeback wie zuletzt gegen Heilbronn gelang diesmal nicht.

Abwehr und Angriff

Die Huskies kriegen die Konteranfälligkeit nicht in den Griff, viele Leistungsträger sind im Formtief, wirken überspielt – wohl auch der Belastung und Corona geschuldet.

Vorne wirkt vieles nicht eingespielt. Wie auch ohne Training? Ein Tor wurde den Huskies in Kaufbeuren zu Unrecht aberkannt, schön war das 1:4 nach starkem Solo von Stephan Tramm. „So wie wir die letzten Spiele gespielt haben, wird es schwer. Wir müssen den Rhythmus finden, auch für die Playoffs. Nur dann können wir unser volles Potenzial zeigen, wozu unser Kader absolut in der Lage ist“, sagt Gibbs.

Die Special Teams

Das in den letzten zwei Spielen fünfmal erfolgreiche Powerplay fand in Kaufbeuren kaum statt. Und im sonst so starken Unterzahlspiel kassierten die Huskies gegen Kaufbeuren – drittschwächstes Überzahl-Team der Liga – gleich vier Tore. Bei der Masse an Strafzeiten war das aber auch kein Wunder.

Die Strafzeiten

504 Strafminuten kassierten die Huskies in dieser Saison – Ligahöchstwert. Am Samstag ließen sie sich leicht provozieren. Zu Beginn des zweiten Drittels bekam Kapitän Denis Shevyrin eine Matchstrafe aufgebrummt, nachdem er Max Oswald einen Stockcheck ins Gesicht verpasst hatte – als Folge für einen Kniecheck.

„Denis muss die Provokation wegstecken und es anders lösen, aber ich stehe voll hinter ihm. Oswald riskiert mit dieser Aktion die Karriere des Gegenspielers. Warum wird sich die Situation von den Schiedsrichtern nicht auf Video angeschaut?“, ärgerte sich Gibbs. Shevyrin wurde gestern von der DEL 2 für zwei Spiele gesperrt. „Wir brauchen gerade in dieser Phase jeden Spieler“, so Gibbs.

Die Trainerfrage

Auch bei den Fans der Kassel Huskies sorgte der Auftritt in Kaufbeuren für viel Frust. Neben den Spielern bekam Trainer Tim Kehler in den Sozialen Medien viel Kritik ab. Viele – nicht alle – Anhänger forderten gar eine sofortige Entlassung.

„Wir treffen solche Entscheidungen im besten Interesse für Team und Organisation. Wir müssen die Situation nüchtern bewerten und dann eine Entscheidung treffen“, sagt Geschäftsführer Joe Gibbs. Man habe auch im Oktober eine Situation gehabt, die alle Beteiligten nicht zufriedengestellt habe. Aus dieser hatte sich die Mannschaft mit Kehler herausgekämpft.

Ob ein neuer Trainer bei dem aktuellen Programm überhaupt etwas ändern könnte, ist sehr fraglich. Zeit für Umstellungen und Training ist momentan kaum gegeben.

Heute in Weißwasser

Heute geht es für die Huskies bei den Lausitzer Füchsen weiter. Weißwasser ist Vorletzter, benötigt ebenfalls jeden Punkt, um sich für die Playdowns das Heimrecht zu sichern. Dass die Füchse noch die Pre-Playoffs erreichen, scheint angesichts des Rückstands auf Rang zehn unwahrscheinlich. Bei dem Team um die zahlreichen Ex-Huskies Leon Hungerecker, Eric Valentin, Clarke Breitkreuz, Toni Ritter, Steve Hanusch und Richie Mueller sorgen da vor allem zwei Akteure für Hoffnung: die Kanadier Hunter Garlent und Peter Quenneville. Beide gehören mit je 68 Scorerpunkten zu den besten Spielern der Liga.

Ob sich die Personalsituation bei den Huskies entspannt, ist fraglich. Denis Shevyrin ist gesperrt, Jonas Neffin dürfte noch fehlen, auch ein Einsatz für Lukas Laub, Fabian Ribnitzky und Tim Lucca Krüger komme laut Pressesprecher Jason Schade wohl zu früh.

Die Mittelstürmer Jake Weidner und Corey Trivino trainieren schon seit einer Weile wieder individuell auf dem Eis. Bei ihnen hängt ein Einsatz davon ab, ob und wann sie sich bereit fühlen. „In der aktuellen Situation ohne richtiges Teamtraining konnten sie sich aber noch nicht richtig erproben“ sagt Schade.

Dass es bei den Huskies mannschaftsintern nicht stimmt, scheint nicht der Fall. Stürmer Hans Detsch teilte am Sonntag ein Bild bei Instagram, schrieb darunter „Zusammenhalt ist alles! #kopfhoch #weitergehts“. Vielen Mitspielern gefiel der Beitrag, einige kommentierten zustimmend.

Von Björn Friedrichs

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