Interview: Huskies-Trainer Rico Rossi über das Saison-Aus

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Zufrieden mit der Saison: Huskies-Trainer Rico Rossi.

Kassel. Nach der Niederlage gegen die Löwen Frankfurt ist für die Huskies die Eishockey-Saison 2016/17 in der DEL 2 beendet. Kassels Trainer Rico Rossi hat trotzdem alle Hände voll zu tun.

Im Interview spricht der 51-Jährige über die Niederlage, Wehmut und Kaderplanungen.

Herr Rossi, es ist Sommerpause. Haben Sie sich schon daran gewöhnt? 

Rico Rossi: Nein. Sie ist immer schön, kommt aber immer zu früh. Wir müssen trotzdem anerkennen, dass Frankfurt besser war. Aber das ist jetzt abgehakt. Es hat keine Auswirkungen auf die Zukunftsplanungen.

Wie haben Sie die vergangenen Tage verbracht? 

Rossi: Ich war viel unterwegs, war spazieren und habe versucht, den Kopf freizubekommen.

Was hat gegen Frankfurt gefehlt? 

Rossi: Zwei Faktoren haben eine große Rolle gespielt: Frankfurt hat eine sehr starke Saison gespielt. Unser Problem war, dass wir Schwierigkeiten hatten, Tore zu schießen. Das haben wir manchmal während der Saison gesehen, vor allem aber jetzt im Halbfinale.

Wie fällt Ihr Saisonfazit aus auf einer Skala von 1 bis 10? 

Rossi: Sieben bis acht. Wir waren die ganze Saison oben an der Spitze dabei. Wir waren im Viertelfinale sehr gut, aber sind im Halbfinale auf einen Gegner getroffen, der besser war und einen bemerkenswerten Lauf hatte. Im vergangenen Jahr hat bei uns alles gepasst, in dieser Saison nicht.

Rückblickend betrachtet: War die Meisterschaft eine Bürde? 

Rossi: Ich würde es nicht als Bürde sehen. Es sollte ein Ansporn sein, die Meisterschaft wieder zu gewinnen. Aber das ist kein Selbstläufer. Nicht umsonst hat bislang keine Mannschaft zweimal in Folge den Titel geholt. Unser Anspruch als Klub war es, wieder um den Titel mitzuspielen, das haben wir gemacht.

Sprechen wir über die Mannschaft: Wer hat Ihre Erwartungen erfüllt, wer nicht? 

Rossi: Das ist eine schwierige Frage. Weil jeder Spieler nur so erfolgreich sein kann, wie es der Nebenmann zulässt. Wenn jeder seine Top-Saison hat, hat das gesamte Team eine Top-Saison. Leider war das nicht in der gesamten Mannschaft der Fall. Wir hatten weniger Momente, in denen alles funktioniert hat, als im vergangenen Jahr.

Jamie MacQueen war am Freitag in Kassel. Sind Sie da wehmütig geworden?

Rossi: Wehmütig nicht, ich war eher stolz. Stolz, weil er zeigt, dass Joe Gibbs und ich unseren Plan richtig vorantreiben. Wir suchen Typen wie Jamie, bei denen es nicht nur sportlich, sondern auch menschlich passt. Jamie ist gern zurückgekommen, weil er sich mit dem Klub identifiziert.

Aber ein Torjäger wie er hat den Huskies gefehlt. 

Rossi: Über unsere Ausländer lässt sich sagen: Es ist schwer, Spieler eins zu eins zu ersetzen. Wenn du neue Akteure verpflichtest, ist es immer Glückssache. Im ersten Jahr hatten wir den Topscorer und besten Torhüter mit Mike Collins und Mika Järvinen, im vergangenen Jahr Jamie MacQueen und Mike Little. Du kannst bei der Verpflichtung neuer Ausländer nicht jedes Jahr im Lotto gewinnen. Wir können einen Jack Downing nicht mit MacQueen vergleichen, auch wenn er unser Top-Torjäger ist. Er hat die meisten Tore geschossen.

Aber wenn wir die komplette Serie vergleichen: Ihre Topleute waren besser als unsere. Und dann kannst du auch keine Serie gewinnen.

Wie muss der Kader verändert werden? 

Rossi: Unser Plan ist es, fünf bis acht neue Spieler zu holen. Wir haben in dieser Woche die Abschlussgespräche mit unseren Spielern. Über Details spreche ich in der Öffentlichkeit deshalb nicht. Klar ist: Wir müssen unsere Defensive verbessern. Wir haben zwar gut gestanden in der Verteidigung, aber es war zu wenig Bewegung im Spiel nach vorn. Wir brauchen mehr Spieler, die den Puck bewegen, so wie Alex Heinrich oder Kevin Maginot. Sollte es mit dem Aufstieg etwas werden, was ich sehr hoffe, dann ist es unser Ziel, 2018/19 eine eingespielte Mannschaft zu haben.

Wie sieht es mit jungen Spielern aus? 

Rossi: Wir planen eine Reserve von fünf, sechs jungen Spielern aus dem Kasseler Nachwuchs wie etwa Tim-Lucca Krüger, Nico Schnell und Louis Trattner und vielleicht auch von außerhalb aufzubauen, die zwischen uns und unserem Kooperationspartner wechseln können, um sich weiterzuentwickeln.

Jetzt sprechen wir über die Spieler, dabei ist noch gar nicht klar, wie Ihre Zukunft aussieht. Bleibt Rico Rossi Huskies-Trainer? 

Rossi: Das wird sich bald entscheiden. Ich will bleiben, Joe will, dass ich bleibe. Aber unterschrieben ist noch nichts. Ich habe geholfen, hier etwas aufzubauen, klar, dass ich gern weiter dabei sein will, um zu sehen, wohin die Reise geht.

Eine besondere Reise war es in dieser Saison mit den Fans. 

Rossi: Ja, das hätte ich auch noch angesprochen. Wir haben die besten Fans der Liga. Nicht nur, weil wir neben Frankfurt die besten Zuschauerzahlen haben. Unsere Fans sind keine Event-Fans. Sie leben für den Verein. Das erklärt auch, warum sie manchmal so kritisch sind. Sie machen sich eben viele Gedanken. Sie waren die ganze Saison über großartig. Vor allem aber am Freitag. Das war fantastisch.

Alle bisherigen Ergebnisse der Playoffs und Playdowns in der DEL2 haben wir in einem separaten Artikel zusammengefasst.

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