Julian Meyer sattelte um

Erst Spieler, jetzt Schiedsrichter: So verändert sich der Blickwinkel

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Konzentriert und mit klaren Gesten: So agiert Julian Meyer auf dem Eis als Unparteiischer. 

Julian Meyer spielte in Kassel für mehrere Eishockeymannschaften. Eine Saison lang war er parallel auch Schiedsrichter. Schließlich entschied er sich für eine Karriere als Schiri.

Es besteht Redebedarf. Denn das Bully muss wiederholt werden. Ein junger Weißwasseraner aber will das nicht so recht akzeptieren. Julian Meyer hält kurz inne, erklärt. Der Spieler nickt schließlich und geht in die Hocke, der Referee wirft den Puck ein, das Bully wird gespielt – weiter geht’s.

„Klare Kommunikation ist ganz wichtig“, erklärt Meyer später einen wichtigen Aspekt seiner Arbeit auf dem Eis. Denn der 31-Jährige besitzt die Lizenz, um Eishockeyspiele zu leiten. Etwa wie dieses, das gerade läuft, zwischen der U20 der Eishockey-Jugend Kassel (EJK) und den Gästen aus Weißwasser, der Jugend der Lausitzer Füchse.

Meyer tauschte vor sechs Jahren den Schläger für die Schiri-Pfeife

Vor sechs Jahren tauschte der Torhüter das blau-weiße Kasseler Trikot und Schläger gegen den schwarz-weiß gestreiften Zebradress und die Schiedsrichter-Pfeife.

Zunächst war er Linesman, also als Schiedsrichter-Assistent im Einsatz. Im dritten Jahr nun ist er Hauptschiedsrichter. Meist in Hessen, manchmal auch in Nordrhein-Westfalen. Wie zu seiner aktiven Zeit als Keeper gehören auch die Wochenenden dem Eishockey. Meyer ist dabei einer von insgesamt neun Unparteiischen, die für die EJK Partien leiten. Auch wenn Kasseler Teams dabei sind, und er viele Spieler persönlich kennt: „Ich bin natürlich neutral.“

Der richtige Ton im Umgang mit den Akteuren, dazu Ruhe, Übersicht und Vertrauen auf das eigene Wissen und die gut 220 Regeln, die im offiziellen Regelbuch des Weltverbandes IIHF stehen – das sind die Zutaten für seinen Job als Unparteiischer.

Meyer hat viele Jahre für die Teams der EJK gespielt

Meyer hat viele Jahre für die Teams der EJK gespielt, gehörte etwa 2010/11 zur Huskies-Mannschaft, die nach dem DEL-Aus in der Hessenliga für Aufbruchstimmung sorgte. Ein Jahr lang war er parallel Spieler und Schiedsrichter – danach entschied er sich für eine Laufbahn als Referee. „Ich wollte dem Sport verbunden bleiben“, erklärt er seinen Seitenwechsel.

An die veränderte Perspektive hatte er sich schnell gewöhnt. „Als Schiedsrichter hast du einen ganz anderen Blickwinkel aufs Geschehen. Du siehst das Spiel noch einmal komplett anders als als Spieler“, sagt Meyer.

Und doch profitiert er von seiner eigenen aktiven Zeit – und das nicht nur beim Schlittschuhlaufen. „Du kannst dich viel besser in Situationen hineinversetzen.“

Doch nicht immer helfen eigene Erfahrungen. Denn auch der ehemalige Torhüter weiß: „Du kannst es nicht allen Recht machen – egal in welcher Sportart. Du musst dir ein dickes Fell zulegen.“

Meyer: Über Schiedsrichter wird oft gemeckert

Das brauchte er beispielsweise, als er mal ein Regionalligaspiel in Lauterbach leitete. Vor 500, 600 Zuschauern. „Da bin ich bedroht und beschimpft worden. Die Gemüter waren richtig erhitzt“, blickt er auf einen unschönen Höhepunkt zurück. Ein weiterer: ein DNL-Derby zwischen Frankfurt und Bad Nauheim mit unrühmlichen 140 Strafminuten. „Da habe ich schon nach dem ersten Drittel das Bedürfnis verspürt, mich umzuziehen.“ Machte er natürlich nicht.

Solche Erlebnisse aber sind die Ausnahmen. Gemeckert wird allerdings häufig über Schiedsrichter. Das weiß auch der 31-Jährige. „Die kennen die Regeln nicht richtig. Dann denke ich mir: Leitet doch selbst mal ein Spiel.“

Trotz all dieser Erlebnisse: „Ich bin sehr gern Schiedsrichter, es macht einfach Spaß“, sagt Meyer. Auch wenn hin und wieder mal Redebedarf besteht. Vielleicht ja auch heute Abend wieder – wenn der 31-Jährige die Hessenligapartie der 89ers gegen die Ice Devils aus Bad Nauheim leitet.

Von Michaela Streuff

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