Ein Reise mit einem unerwarteten Ende

Corona-Schock für Kassel Huskies am Bodensee: 1000 Kilometer und doch kein Spiel

Die Kassel Huskies stehen im Endspiel der DEL2-Playoffs. 
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Die Kassel Huskies stehen im Endspiel der DEL2-Playoffs. 

Die Kassel Huskies stehen im Playoff-Finale der zweiten Deutschen Eishockey-Liga - ohne am Sonntag überhaupt gespielt zu haben. Ein Wochenende auf den Spuren der Huskies.

Kassel - Die Kassel Huskies stehen im Endspiel der DEL2-Playoffs. Bei Halbfinal-Gegner Ravensburg gab es einen Coronafall. Das für Sonntag angesetzte Duell wurde 5:0 für Kassel gewertet, die Serie 3:1 gewonnen.

Den ersten Matchball zum Erreichen des Endspiels hatten sich die Kassel Huskies am Freitag erspielt – durch das 7:3 gegen die Ravensburg Towerstars im dritten Duell der Playoff-Halbfinalserie der DEL2. Das für Sonntag angesetzte Spiel vier der Eishockey-Profis wurde aber nicht mehr ausgetragen. Zwei Stunden vor dem ersten Bully musste die Partie abgesagt werden. Nach Anordnung des Gesundheitsamtes Ravensburg befindet sich die komplette Mannschaft sowie der Mitarbeiterstab der Towerstars in Isolation.

„Durch die Quarantäne-Maßnahme können die Oberschwaben keine spielfähige Mannschaft stellen. Gemäß Paragraf 10 (9) der Spielordnung wertet die Ligagesellschaft das Playoff-Spiel mit 5:0 für die Kassel Huskies“, hieß es in der Mitteilung der Liga. Rene Rudorisch, Chef der DEL2, sagte: „Es hat einen positiven PCR-Test gegeben, die zuständige Gesundheitsbehörde trifft die Entscheidung. Die ist zu akzeptieren und unsere Statuten sind entsprechend anzuwenden. Denn natürlich geht es darum, den Rest der Mannschaft zu schützen und den Gegner ebenso.“

Corona-Schock für die Kassel Huskies: Kein Spiel am Sonntag

Am Samstagabend seien Huskies und Towerstars mittels PCR-Tests überprüft worden – die Liga schreibt in den Playoffs Testungen alle drei Tage vor, wobei Rudorisch ergänzt: „Die Huskies testen noch häufiger.“ Bei dieser Testreihe, bei der alle Kasseler negativ waren, wurde aufseiten der Towerstars ein positiver Einzelfall offenkundig.

Bodensee-Panorama: Blick auf die Idylle bei Lindau.

„Das Ergebnis kam am Sonntag gegen 11 Uhr aus dem Labor. Und es war schnell klar: Die Behörde lässt sich nicht auf Sonderregularien ein, sondern setzt die gesamte Mannschaft der Ravensburger in Quarantäne“, sagt Rudorisch. Von der DEL2 aus heiße es: Die Huskies seien gemäß Spielwertung der erste Finalteilnehmer. Und momentan gebe es keine Anzeichen, die dagegen sprechen, so lange im Team der Huskies nichts feststellbar sei.

Kassel Huskies im Playoff-Finale: Ein Reise mit einem unerwarteten Ende

Tausend Kilometer Autobahn, Sommerbeginn am Bodensee, eine Nachricht und eine Eishockeyhalle ohne Spiel – unser seltsames Wochenende auf den Spuren der Huskies:

Am Auestadion

Die Reise beginnt nach dem Abpfiff. Nach 90 Minuten Fußball mit Spielbericht, Liveticker, Radioübertragung beim KSV Hessen. Es ging nicht mehr viel bei den Löwen. Das war zu spüren. Bei den Huskies geht es dafür um sehr viel. Das 7:3 im dritten Halbfinale am Freitagabend, herausgespielt mit vier Toren im letzten Drittel, hat Kassels Eishockeyspielern den ersten Matchball gebracht. Als im Auestadion das Spiel beginnt, sitzen die Huskies im Mannschaftsbus. Viele Fans sind auch da. Als die Reise Richtung Ravensburg startet, stehen sie Spalier, bejubeln die Mannschaft auf dem Weg zum nächsten Schritt. Unsere kleine Reisegruppe folgt dann um kurz nach 16 Uhr.

Am Bodensee

Es ist ein Sommertag in Lindau. Nach der Nacht im Hotel in Ravensburg sind es noch einige Stunden bis zum ersten Bully. Also zieht es uns zum Wasser. Es ist ein fast schon irrealer Tag in der Idylle des Bodensees. Fast schon ein Stück Normalität in der Pandemie. Die Sonne glitzert auf blauem Wasser. Im Hintergrund ragen schneebedeckt die Alpen auf. Menschen flanieren über die Promenaden, am Yachthafen, durch die engen Gassen. Sie liegen am Ufer, auf Wiesen. Maske trägt fast niemand. Aber auf Abstand achten alle.

In der Fußgängerzone

Um 15 Uhr sind wir zurück in Ravensburg. Etwas Essbares finden, bevor es in die Eishalle geht. Das gehört in Coronazeiten mit geschlossen Cafés und Restaurants an einem Sonntag zu den schwereren Aufgaben. Als wir einen Döner in der Hand halten, beginnen die Handys zu klingeln. Die Redaktion. Joe Gibbs. Mit vollen Mündern schauen wir lieber erst einmal in die WhatsApp-Gruppe. Und entgeistert auf das Foto mit der offiziellen Nachricht der DEL2. Spielabsage!

An der Eishalle

Schnell ab zum Auto, ab an die Eishalle. Doch wir sind bereits zu spät. Der Parkplatz ist leer, der Bus mit den Huskies bereits auf der Rückreise. Natürlich ist auch die Halle verschlossen. Wir suchen einen Platz mit etwas Schatten. Planen die Berichterstattung über eine Eishockeyreise ohne Eishockey.

Die Anrufe

Rückruf bei Joe Gibbs. Der Geschäftsführer ist natürlich in Sorge. Kann sich einer seiner Spieler angesteckt haben? Er berichtet aber auch: „Wir haben gestern die PCR-Tests gemacht. Alle waren negativ.“ Ohnehin scheuen die Huskies keine Kosten, um auf der sicheren Seite zu sein. Sie testen alle zwei Tage. Die Liga schreibt nur einen dreitägigen Rhythmus vor. Um 14 Uhr hat Gibbs von der Absage erfahren. Er glaubt, der Teilnahme an den Finalspielen steht nach aktuellem Stand nichts im Weg. Ob er sich über den kampflosen Einzug freut? „Wir sind dabei, das ist das Wichtigste. Wir haben ja auch zwei Siege erspielt. Für Ravensburg tut mir dieses Ende aber leid.“

Pressesprecher Jason Schade war mit der Mannschaft in Ravensburg, als die schlechte Nachricht kam. Er sagt: „Die Stimmung war erst einmal gedämpft.“ Nachdem das Team um 14 Uhr über die Spielabsage informiert worden war, ging es für alle noch einmal zur Eishalle. „Da haben wir die Sachen eingepackt und den Bus beladen, die Vorbereitungen waren ja schon abgeschlossen“, sagt Schade. Direkt im Anschluss ging es dann auf die Heimreise. Richtige Freude über den Finaleinzug sei am Sonntag nicht aufgekommen: „Es ist nicht schön, diesen am Grünen Tisch erreicht zu haben“, sagt Schade.

Für heute Morgen seien bei den Huskies nun die nächsten Tests angesetzt, die Mannschaft solle sich weiter an die Kontaktbeschränkungen halten. „Wir haben jetzt keine Angst, aber es bleibt ein Hintergedanke – auch wenn bei uns alle Tests negativ ausgefallen sind.“

Zuhause

Paul Kranz muss das Hin und Her nicht mitmachen. Besser gesagt: Er kann es nicht mitmachen. Ein steifer Nacken zwingt ihn zum Zuhausebleiben. Er sagt aber: „Ich wäre lieber bei den Jungs gewesen.“ Und Kranz sagt das, obwohl er gestern Geburtstag hatte, 20 geworden ist. Vergessen wurde er nicht: „Die anderen haben mich nach der Absage aus dem Bus angerufen und mir ein Ständchen gesungen. Das war schon klasse“, erzählt er. Wie es nun weitergeht, weiß er noch nicht, Trainer Tim Kehler wolle die Mannschaft zeitnah informieren. Kranz bleibt positiv. „Die Angst, dass Corona auch uns treffen könnte, ist natürlich immer im Hinterkopf. Aber wir müssen an das Gute denken. Wir haben das Finale erreicht.“

Auf der Autobahn

Kurz nach 17 Uhr sitzen wir wieder im Auto. Wieder sind wir auf den Spuren der Huskies. Zweimal jeweils 1000 Kilometer in fünf Tagen. Für eine Auswärtsniederlage am Mittwoch. Und nun für einen Finaleinzug ohne Tore. Ohne Sieg. Für ein Spiel, dessen erstes Bully nie gespielt wurde.

(Frank Ziemke, Maximilian Bülau , Björn Friedrichs und Michaela Streuff)

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