Aus für die Kassel Huskies - Westhelle: "Wir sind tot"

Köln. Aus, Ende, vorbei: Die Kassel Huskies gibt es seit heute faktisch nicht mehr. Die Schlittenhunde hatten auch vor dem Oberlandesgericht Köln keine Chance. Huskies-Geschäftsführer Dr. Fritz Westhelle: "Damit sind wir tot."

Die DEL wird jetzt neue Spielpläne ohne die Huskies machen. DEL-Eishockey wird es mit den Huskies in dieser Saison nicht geben.

Die Kasseler hatten gehofft, dass das Oberlandesgericht zwei Einstweilige Verfügungen bestätigt, nach denen sie hätten spielen dürfen. Das Kölner Gericht stellte aber klar, dass die Verfügungen von Anfang an unzulässig waren. Denn es existierte ein gültiger Schiedsspruch des Sportgerichts der DEL, wonach die Huskies ihre Lizenz verlieren. Dieser Schiedsspruch wurde auch noch vom Oberlandesgericht München bestätigt (wir berichteten). Das Kölner Gericht: "Das OLG München hat Vorrang." Außerdem mischten sich ordentliche Gerichte in korrekte Schiedsprüche der Sportgerichte nicht ein.

Was den Huskies jetzt noch theoretisch bleibt, ist eine Beschwerde beim Bundesgerichtshof gegen das Münchener Urteil. Die will man auch einlegen - allerdings ohne Ausichten, dass der BGH nun einen einstweilgen Rechtsschutz für die Huskies erlässt. Denn: Vom Oberlandesgericht München gibt es noch gar keine Urteilsbegründung. Wann die kommt, steht in den Sternen. Und ohne die Begründung befasst sich der Bundesgerichtshof erst gar nicht mit der Kasseler Beschwerde.

So gibt es seit heute Fakten, die nicht mehr umzustoßen sind. Westhelle hatte schon vorher erklärt, dass er die Waffen strecke, wenn die Huskies in Köln verlieren sollten. Er verließ mit gesenktem Kopf das Gerichtsgebäude. "Glauben Sie, dass noch ein Spieler zum nächsten Match antritt? Ich nicht", sagte ein sichtlich mitgenommener Westhelle.

Eine Aufnahme in die zweite Liga hatten die Huskies nicht beantragt. Möglich, dass die Jugendmannnschaft nun in der Hessenliga antritt.

Die DEL vermeldete am Nachmittag auf ihrer Webseite: "Vor dem Oberlandesgericht Köln haben die Kassel Huskies heute ihren Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen die Lizenzkündigung vom 30.6.2010 zurück genommen. Damit ist die diesbezügliche einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln gegenstandslos und der Lizenzvertrag durch die DEL wirksam gekündigt worden. Die Kassel Huskies sind demnach ab sofort nicht mehr zur Teilnahme am DEL-Spielbetrieb berechtigt.

Die DEL wird nun kurzfristig einen überarbeiteten Spielplan ohne die Kassel Huskies erstellen und mit den Clubs abstimmen. Eine Veröffentlichung ist für den Beginn der kommenden Woche vorgesehen.

Wir weisen aber schon jetzt vorsorglich darauf hin, dass der Saisonstart am 3.9.2010 sowie die ersten Spieltage unverändert bleiben werden."

Stimmen zum Urteil

Gernot Tripcke: "Wir konnten nicht anders. Wir halten seit 13, 14 Jahre an den Grundfesten der DEL fest, da konnten wir für Kassel keine Ausnahme machen. Wir mussten Schaden von der Liga abwenden. Es ist schade um den Standort Kassel und die Fans. Ich betone noch einmal, es ging uns nicht darum, die Huskies loszuwerden, sondern es ging um die Gleichbehandlung aller Vereine. Die Huskies hätten ja auch in der zweiten Liga spielen können. Aber das wollten sie nicht."

Wilfried Fabel, stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der DEL: "Ich bedaure, dass es soweit gekommen ist. Mir tun vor allem die Fans in Kassel leid, aber wir brauchten in der Liga Rechtsssicherheit. Kassel hätte sich einfach sanieren können wie andere Vereine auch, indem sie Gelder von Sponsoren aufgetrieben hätten und ihre Schulden bezahlten. Ich hoffe, dass es in Kassel noch Leute gibt, die die Karre aus dem Dreck ziehen können."

Fabian Dahlem, Sportdirektor der Huskies: "Ich habe das der Mannschaft gerade mitgeteilt. Die gehen jetzt trotzdem bei dem Turnier auf das Eis. Das sind gute Jungs. Wie es mit den Spielern weitergeht, werden wir bald sagen."

Frank-Ludwig Danko, Inolvenzverwalter der Huskies: "Ich werde die neue Situation sofort dem Amtsgericht mitteilen. Wie es mit der Insolvenz dann weitergeht, werden wir sehen. Ansonsten ist das eine Katastrophe für Kassel und die Region."

Die Verhandlung begann mit einem überraschenden Kompromissvorschlag, der allerdings nach kurzer Beratung von der DEL abgelehnt wurde. Er umfasste drei Punkte:

1. Die Huskies spielen weiter in der DEL.

2. Alle Streitigkeiten vor Gericht werden beendet.

3. Die Huskies zahlen zu Beginn der nächsten Saison am 31.8.2011 eine nochmalige Lizenzgebühr in die Kasse der DEL.

Der Kompromiss hätte nach Ansicht des Gerichts den Huskies die Chance geboten, ein Jahr lang Geld zu verdienen und die Sponsoren zu befriedigen.

Das Gericht machte gleichzeitig klar, dass der Streit - auch wenn es ein Urteil des OLG heute gebe - damit nicht zu Ende sei.

Der Bundesgerichtshof würde dem jeweiligen Verlierer Rechtsschutz geben. 

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Die Huskies stimmten dem Kompromissvorschlag des Gerichts zu, die DEL lehnte ihn aber ab. Es gehe nicht darum, von den Huskies Geld zu bekommen. Es gehe darum, dass der sportliche Wettbewerb nicht verzerrt werde. Eine Sanierung eines Vereins durch ein Insolvenzverfahren werde die DEL nicht zulassen.

Die DEL präsentierte einen eigenen Vorschlag: Kassel solle sofort alle ausstehenden Schulden (rund 2 Mio an Berufsgenossenschaft, Krankenkasse und Finanzamt) bezahlen. Darauf ließen sich die Huskies aber nicht ein. Man könne nicht zahlen, weil man nichts habe. Auch Huskies-Eigner Rossing könne die Summe nicht aufbringen.

Der Vorsitzende Richter appellierte an beide Parteien, sich zusammen zu raufen. Es gehe darum, dass Kassel in der Liga mitspiele. Er fragte die DEL, ob sie mit einer Stundung der Schulden der Huskies einverstanden seien. Auch das lehnte die DEL aber ab.

(tho)

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