Nach der abrupten Sommerpause

Husky Kuhn: Familienzeit und Sommertraining

+
Ganz ohne Eishockey geht’s doch nicht: Huskies-Torhüter Jerry Kuhn (links) mit Sohn Brixen (2), Tochter Andi (4) und Ehefrau Amanda.

Wäre alles so gelaufen wie erhofft, dann hätte Jerry Kuhn jetzt mit seinen Kassel Huskies mittendrin gesteckt in den DEL2-Playoffs.

Aber was ist schon normal in diesen Tagen, in denen Corona alles auf den Kopf stellt?

So also sitzt der Torhüter an diesem Nachmittag mit dem Telefonhörer am Ohr in der einen Hand und Dominosteinen in der anderen auf dem Boden seines Wohnzimmers und übt mit Tochter Andi Zahlen. Erklärt geduldig den Unterschied zwischen einer Zwei und einer Vier. Die Vierjährige geht in den Kindergarten – wenn er denn geöffnet hätte. In Pandemie-Zeiten ist schließlich auch der geschlossen. Ehefrau Amanda ist einkaufen – „um mal ein bisschen mehr als das Nötigste im Haus zu haben“, wie Kuhn erklärt.

Mit Eishockey hat derzeit nur Sohn Brixen (2) zu tun. „Er hält gerade Mittagsschlaf – und trägt dabei seine Torhüter-Schoner.“ Nicht mal im Schlaf will sich Kuhn Junior also von dem trennen, was er so gern hat.

Anders als sein Papa. Der hätte natürlich gern Playoffs gespielt, hatte sich mit seinen Huskies viel ausgerechnet. Doch dann kam Corona, das abrupte Saisonende. Und ebenso schlagartig steckt Kuhn nun drin in einem neuen Rhythmus. Und der heißt: Spagat zwischen Familie und Sport. Denn natürlich geht’s für einen Eishockeyprofi nach dem Saisonende weiter. Mit Grundlagentraining für die neue Spielzeit.

Und auch wenn meteorologisch noch nicht einmal der Frühling begonnen hat, klingt das in den Worten des Huskies-Torhüters nun so: „Heute Mittag habe ich mit dem Sommertraining begonnen.“ Gemeinsame Mahlzeiten, Mittagsschläfchen des Sohnes, Spielen mit der Tochter, ein neues Trainingsprogramm – all das sind die Eckpunkte, die nun den Alltag im Hause Kuhn ausmachen. Auch Amanda, die bei Unternehmen in der Region Englisch unterrichtet hat, ist wegen Corona nun daheim.

„Wir sind ohnehin eine Familie, die einen routinierten Ablauf hat“, erklärt Kuhn. Das helfe auch über die Geschehnisse der vergangenen Woche hinweg. Etwa über den Dienstag, als die Playoff-Absage besiegelt wurde. „Klar waren wir alle enttäuscht und total frustriert, wie die Saison geendet ist. Aber letztlich ist es auch eine Entwicklung, die wir nicht beeinflussen können“, sagt der 33-Jährige. Schwer sei auch der plötzliche Abschied vom Kanadier Ben Duffy und dem US-Amerikaner Austin Carroll gewesen, die am Donnerstag zügig die Heimreise antreten mussten. „Mit beiden haben wir viel Zeit verbracht“, sagt Kuhn.

Und so heißt es nun: das Beste aus der neuen Situation machen. Mit seiner Familie in der US-amerikanischen Heimat steht Kuhn in engem Kontakt. „Unsere Eltern sind froh, dass wir hier in Kassel bleiben. Hier ist unser Zuhause. Sie wissen, dass hier alles für unser Wohl getan wird.“ Eine Stippvisite in der alten Heimat sei für Ende Mai, Anfang Juni geplant – um danach wieder in die neue Heimat zurückzukehren. Denn Kuhn und Kassel – das passt, so warm wie der 33-Jährige über das Umfeld und den Standort spricht. Auch wenn sich die Huskies bislang mit Vertragsverlängerungen bedeckt halten.

Natürlich sei er nervös angesichts von Corona, gesteht Kuhn. „Aber wir nehmen alle Vorsichtsmaßnahmen sehr ernst, achten auf all das, was man beachten sollte – von Händewaschen bis Abstand halten.“ Auch wenn es nun nicht mehr um Meisterehren in der DEL2 geht – Kuhn quittiert die neuen Aufgaben mit einem Grinsen: „Die Kinder jetzt den ganzen Tag zu beschäftigen, ist schon eine Herausforderung“, sagt er und lacht. „Aber Eishockey ist nicht mein gesamtes Leben. Ein Vater und Ehemann zu sein ist noch viel wichtiger. Und jetzt bin ich kein Eishockeyspieler mehr, sondern einfach ein ganz normaler Bürger.“ Zumindest bis im August die neue Eishockeysaison beginnen soll. Dann, wenn das Coronavirus hoffentlich bezwungen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.