Eishockey-Playoffs

Huskies gegen Löwen: Anspannung vor dem Duell der Duelle

Sven Valenti verteidigt gegen Lance Monych
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Husky Sven Valenti wird auch heute alles tun, um den Frankfurter Lance Monych auf Distanz zu halten.

Kassel. Die Zeit des Wartens ist endlich vorbei. Um 19.30 Uhr beginnt heute das Playoff-Halbfinale der Eishockey-Oberliga zwischen den Kassel Huskies und den Löwen Frankfurt. Die Anspannung vor dem Duell der Duelle – für die meisten Beteiligten und Anhänger das vorweggenommene Finale – ist greifbar.

„Alle Spieler sind fit und alle sind heiß. Es ist genug geredet worden, es gibt auf beiden Seiten keine Geheimnisse mehr. Höchste Zeit, dass es endlich losgeht“, sagt Huskies-Trainer Uli Egen. Drei Siege müssen her zum Einzug ins Finale , der schon den Aufstieg in die zweite Liga bescheren könnte. Gelegenheit dazu gibt es in der Serie „best of five“ auch am Samstag in Frankfurt (18.30 Uhr), am Montag erneut in Kassel (18.30) sowie - falls nötig - auch noch am 5. (auswärts) und 7. April (daheim).

Egen fordert Geduld ein bei seinen Mannen („bloß nicht übermotiviert sein“), um dem Frankfurter Ansturm zu trotzen, baut auf seine Routiniers und hat die Qual der Wahl. Weil er nur 15 Feldspieler über 23 Jahre einsetzen darf, müssen aus dem Quartett Stefan Heinrich, Jan Loboda, Danny Reiss und Ales Kreuzer drei Mann pausieren.

Der Teamvergleich

Es ist das Duell auf Augenhöhe – und doch gibt’s Unterschiede. Sagt einer, der aus eigener Erfahrung beide Teams sehr gut kennt: Franz Fritzmeier, Trainer des Ligarivalen Füchse Duisburg. Er prophezeit schon vorab: „Eine Serie Kassel gegen Frankfurt zu erleben, wird man so schnell nicht vergessen.“

Torhüter: Es ist das Duell des Kasseler Schlussmannes Benjamin Finkenrath (27) gegen Danijel Kovacic (25) im Löwen-Kasten. Finkenrath gilt als bester Torwart der Liga. Fritzmeier sagt: „Er hat bislang sehr gut gehalten. Wenn er konzentriert ist, kann er die Serie entscheiden.“ Kovacic sei der Herausforderer. „Er muss sich beweisen. Wenn er nicht das gleiche Level erreicht wie Finkenrath, dann wird’s für Frankfurt ganz schwer.“
Urteil: leichter Vorteil für die Huskies – 60:40.

Verteidigung: In den Playoffs, so sagt Fritzmeier, entscheide die Abwehr. „Die Huskies haben mit Sven Valenti den besten Verteidiger der Liga, gerade, weil er auch offensivstark ist.“ Einen leichten Vorteil sieht er in diesem Mannschaftsteil dennoch bei den Frankfurtern um Pascal Schoofs und Ex-Husky Stephan Kreuzmann. „Die Löwen sind tiefer besetzt. Sie haben sechs, sieben Verteidiger, die alle ziemlich kompakt sind und wenig Fehler machen. Im Paket ist Frankfurt einen Tick besser. Aber sie müssen hellwach sein, um die Huskies-Stürmer in Schach zu halten.“
Urteil: leichter Vorteil für die Löwen – 40:60

Angriff: „Kassel hat drei ausgeglichene Reihen, Frankfurt vier“, stellt Fritzmeier fest. Personell also sind die Löwen im Angriff im Vorteil. Im Fokus stehen mehrere Stürmer: Branislav Pohanka, Patrick Schmid, Lanny Gare und Nils Liesegang. Der habe das Potenzial für die DEL, habe das aber noch nie bewiesen. „Die Frage ist, ob und wie Liesegang so eine Serie beeinflussen kann.“

Die Huskies dagegen haben einen, der es kann: Kapitän Manuel Klinge. „Kassel hat mit ihm den weitaus besten Spieler der Liga. Es ist schade für das deutsche Eishockey, dass er nicht in der DEL spielt. Aber gut für die Huskies, dass sie ihn haben“, sagt Fritzmeier. Und ist sich sicher: „Wenn Kassel Meister werden will, muss Klinge der Faktor sein.“
Urteil: kein Vorteil – 50:50

Trainer: Bei den Kollegen belässt es Fritzmeier bei einer Charakterisierung. Mit dem Frankfurter Coach Martin Jiranek ging er in Nürnberg gemeinsam aufs Eis. Als Trainer der Südhessen hat er ihn aber nicht kennengelernt. „Martin ist sehr ruhig und sehr clever. Er war selbst ein starker Überzahlspieler und kennt sich mit Powerplay hervorragend aus.“ Über Huskies-TrainerUli Egen sagt Fritzmeier: „Uli ist ein alter Fuchs. Er weiß genau, was in den Playoffs zu tun ist.“

Prognose: „Es wird ganz knapp. Kassel wird sich in fünf Spielen durchsetzen. Klinge entscheidet die letzte Partie in der Verlängerung“, sagt Franz Fritzmeier. „Das sage ich nicht, weil Sie aus Kassel anrufen. Das ist meine Überzeugung.“

Der Experte

Franz Fritzmeier

Franz Fritzmeier (33) stammt aus Bad Tölz. Seit sieben Jahren lebt er in Duisburg. Nach Stationen unter anderem in Mannheim, Kassel (2001/2002) und Nürnberg, kam der Stürmer 2006 zu den Füchsen ins Revier. 2010 beendete er seine aktive Karriere, danach wurde er Co-Trainer, in der vergangenen Saison Cheftrainer des Oberligisten. Neben dem Eishockey gehört sein Herz dem Fußball. Er ist Fan des FC Bayern. Fritzmeier ist ledig und kinderlos, aber in festen Händen.

Und was macht Frankfurt?

Am Main feiern sie die Dippemess. Und weil Jahrmarkt ist vor der Eissporthalle während der Playoffs, gibt es kaum öffentliche Parkplätze direkt an der Eissporthalle am Ratsweg. Schlecht für die Fans. Dabei gibt es für das Heimspiel der Löwen am Samstag noch reichlich Stehplatz-Karten an der Tageskasse ab 16.30 Uhr.

Rein sportlich gesehen sind sie zuversichtlich, die Frankfurter, denn alle Spieler sind wohl fit. Und doch gibt’s Misstöne. Aus Duisburg. Denn dort wird erzählt, dass Füchse-Torwart Björn Linda für die nächste Saison in Frankfurt angeheuert hat. Derweil reden sie am Main ihren aktuellen Torwart stark. Danijel Kovacic habe sich unter dem neuen Trainer Martin Jiranek enorm gesteigert, spiele nun mit viel, viel mehr Selbstvertrauen.

Und noch ein Gerücht geht um: Kapitän Chris Stanley aus Bad Nauheim soll auch schon einen Vertrag in Frankfurt unterschrieben haben. Offen allerdings ist: Für die Oberliga oder für die zweite Liga? Löwen-Geschäftsführer Stefan Krämer indes freut sich auf die Duelle: „Klar, der Vorteil liegt auf Kasseler Seite mit dem möglichen fünften Heimspiel. Die Serie wird ein Eishockey-Fest. Beide Teams werden beste Werbung für das Eishockey machen. Und: Wir wollen in Kassel gewinnen.“ (sam/mis)

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