Anstoß zum Job

Kassel Huskies: Patenschaften für junge arbeitslose Menschen

Aufs Glatteis begeben sie sich bei ihrem Projekt nicht: Stefan Traut (von links), Geschäftsführer der KEBG, hinterm Tor die Spieler Sven Valenti, Manuel Klinge und Burkhard Walter vom Jobcenter. Im Tor sitzt Alexander Engel mit „Patenkind“ Roberto Chiera. Foto:  Puchta

Kassel. Als Italiener ist Roberto Chiera eingefleischter Fußballfan. Doch jetzt schlägt sein Herz auch für Eishockey. Denn den Kasseler Huskies hat der 20-jährige Hartz-IV-Empfänger seine Ausbildungsstelle zu verdanken.

Chiera ist einer von 24 jungen Arbeitslosen, für die Spieler, Trainer und Manager in einem gemeinsamen Projekt mit dem Kasseler Jobcenter die Patenschaft übernommen haben. Ziel sei, jungen Leuten mit schlechtem, beziehungsweise fehlendem Schulabschluss in regionalen Unternehmen die Chance auf eine Ausbildung oder einen Job zu geben, erklären Burkhard Walter vom Jobcenter und Stefan Traut, Geschäftsführer der Kasseler Eissporthalle Betreibergesellschaft mbH (KEBG), die das Projekt entwickelt haben. „Bully zum Job“ haben sie es in Anlehnung an einen Begriff aus dem Eishockeysport genannt.

Den Anstoß geben in diesem Fall die Paten, die ihre Verbindungen zu Unternehmen nutzen, die den Eishockey-Club sponsern. „Wir haben ein Riesennetzwerk“, sagt Traut. Die Spieler, viele sind selbst Auszubildende, fragten beispielsweise in ihren Betrieben nach Praktikumsplätzen für ihre jeweiligen „Patenkinder“. Inzwischen haben einige der jungen Leute Praktika absolviert, mit der Option auf eine spätere Ausbildung. Zwei wurden sofort als Mitarbeiter eingestellt.

Roberto Chiera, Patensohn von Spieler Alexander Engel, wird im August 2013 bei der Schenker AG in Lohfelden seine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik beginnen. „Mit meinem schlechten Zeugnis hätte ich nie eine Chance bekommen“, sagt er. Daniel Eisenträger, Ausbilder bei der Schenker AG, bestätigt das: „Das wäre bei einer normalen Bewerbung eine Absage gewesen“, sagt er. Doch Engel, Azubi bei Schenker, hatte sich für Roberto eingesetzt. Der schnitt prompt beim Eignungstest sehr gut ab und bekam gleich seinen Ausbildungsvertrag.

Für die Projektteilnehmer – zwei Drittel sind Männer – sollen die Spieler, die neben ihrem Job täglich trainieren, vor allem ein Vorbild sein, erklärt Detlev Ruchhöft, Geschäftsführer des Jobcenters. Mit dem Patenschaftsmodell, das im September startete, betrat das Jobcenter Neuland. Das Projekt läuft noch bis März. „Wir erhoffen uns von den Kontakten zu den Unternehmen vor allem einen nachhaltigen Effekt“, sagt Ruchhöft.

Von Monika Puchta

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