Am Freitag beim Heimspiel gegen Lausitzer Füchse

Dr. Ute Giebhardt zum Regenbogentag bei den Huskies: „Wichtig, dass Menschen ohne Angst leben“

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Bunt soll es zugehen: Dieses Foto entstand beim Christopher Street Day in Frankfurt. 

Der Eishockey-Zweitligist Kassel Huskies will morgen gegen die Lausitzer Füchse nicht nur in der heimischen Eissporthalle ungeschlagen bleiben (19.30 Uhr).

Erstmals in der Geschichte der DEL2 wird es auch einen Regenbogentag geben. Das Regenbogennetzwerk der Stadt Kassel wird sich an diesem Abend präsentieren und mit einem Stand vertreten sein. Es geht um sexuelle Vielfalt, um die Akzeptanz von Homosexualität und eine Aktion gegen Homophobie. Wir haben vorab mit der Koordinatorin Dr. Ute Giebhardt vom Frauenbüro der Stadt Kassel gesprochen.

Das Netzwerk hat keine feste Struktur. Es treffen sich verschiedene Institutionen, zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe. Es ist auch offen für Einzelpersonen. Wir bieten Angebote und einen Austausch für Menschen, die das Thema LSBTI*Q (Lesbisch, Schwul, Bi, Transgeschlechtlich, Intergeschlechtlich, Queer – das Sternchen steht für alle, die sich keiner festen Kategorie zuordnen können oder wollen) betrifft. Betroffene sollen wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Hilfe brauchen. Und wir gehen Aktionen gemeinsam an.

Seit 2010. Davor hieß es „Runder Tisch gegen Homophobie“. Wir haben uns entschieden, dass wir es positiv formulieren wollen, nicht in einer Abwehrhaltung. Es gibt immer wieder Kritik an dem Begriff Homophobie. Das ist keine Krankheit, sondern die Einstellung, etwas gegen Menschen zu haben, die anders leben und lieben.

Warum ist das Thema akut? Warum ist es wichtig, dass man sich einsetzt?

Wenn man für Vielfalt ist, wenn man der Meinung ist, dass jeder so leben sollte, wie er es möchte, dann muss man etwas tun. Ich finde es wichtig, dass Menschen ohne Angst leben können, sich keine Sorgen machen müssen, wenn sie sagen, dass sie lesbisch oder schwul sind. Sie dürfen keinen Anfeindungen ausgesetzt sein. Deswegen ist es wichtig.

Im Sport spielt Körperlichkeit eine andere Rolle. Wenn ich in ein Museum gehe, werde ich nicht in eine Liga eingeteilt nach Frauen und Männern. Selbst im Freizeitsport ist das so. Es gibt bestimmte Bilder von Männlichkeit. Es ist aber so, dass auch Männer ganz verschieden sind, da gibt es keine Schubladen.

Das muss aber nichts heißen. Auch schwule Männer können dem Klischee entsprechend männlich sein. Das gilt es zu akzeptieren. Die Klischees im Kopf sollten da nichts einschränken.

Die Huskies sind auf uns zugekommen. Wir haben uns sehr über die Chance gefreut, dass wir so auf unsere Arbeit hinweisen und aufmerksam machen können.

Klar, aber bislang hat uns da noch niemand angesprochen. Ich glaube, dass es vor allem im Fanbereich viel Arbeit gibt. Damit von den Rängen keine homophoben Äußerungen mehr kommen. Das sind eben nicht nur Sprüche, sondern verletzt Menschen. Und macht es schwerer, sich zu outen.

Ich habe nicht das eine Erlebnis. Jede Aktion macht Spaß. Und jeder, den man davon überzeugt, dass es eine gute Sache ist, wenn es eine Offenheit in der Gesellschaft gibt, ist für mich ein Erfolg.

Die habe ich persönlich nicht gemacht. Das soll aber nicht so klingen, als gebe es deswegen keine Probleme. LGBTIQ* haben es auch heute noch gesellschaftlich oft mit schwierigen Situationen zu tun.

Nein, ich kenne keinen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es – ähnlich wie beim Fußball – eher die Frauen im Eishockey sind, die sich das trauen.

Zur Person: 

Dr. Ute Giebhardt (50) stammt aus Melsungen und lebt seit 1996 in Kassel. Sie leitet seit 2010 das Frauenbüro der Stadt Kassel. Zu ihrem Aufgabengebiet gehört seitdem auch die Koordination des Regenbogennetzwerks. Giebhardt ist verheiratet und hat drei Töchter im Alter von 16, 18 und 21 Jahren.

Im August findet überall auf der Welt, so auch in Kassel, der Christopher Street Day statt. An diesem Tag feiern LGBTIQ* Personen auf Kassels Straßen. Historischer Hintergrund ist der Widerstand der New Yorker Lesben und Schwulen Bewegung, Welcher in der Christopher Street stattfand. 

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