Stürmer beendet Karriere aufgrund beruflicher Perspektive

Husky Richie Mueller geht – und bleibt

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Sein letztes Derby: Richie Mueller am 7. Februar gegen Nauheim. ARCHIVFoto: ANDREAS FISCHER

Nach 16 Profijahren ist Schluss: Richard Mueller beendet bei den Kassel Huskies in der DEL2 seine ebenso lange wie erfolgreiche Karriere als Eishockeyspieler.

Das ist zwei Wochen vor seinem 38. Geburtstag keine Sensation, dennoch kommt Richies Rückzug nun unerwartet. Schließlich präsentierte sich der Deutschkanadier auch in seinen beiden letzten Saisonen bei den Kassel Huskies immer noch als treffsicherer Stürmer.

„Damit hätte ich vor einem Jahr auch nicht gerechnet“, gesteht Mueller. „Aber inzwischen habe ich viel nachgedacht, und mein Entschluss ist über längere Zeit gereift. Es ist an der Zeit jetzt.“ Sind die Knöchelverletzung zuletzt und die Gehirnerschütterung der Grund, dass er aufhören muss? „Nein, solche Sachen können jeden Spieler erwischen, in jedem Alter. Und inzwischen bin ich ja fast wieder schmerzfrei und kann dankbar sein, dass ich so lange fit geblieben bin.“

Nein, es ist eine gute berufliche Chance, die seinen Seitenwechsel forciert. „Ich kann in der Agentur bei Sebastian Müller mitarbeiten. Sie ist spezialisiert auf den Vertrieb von Kinowerbung und die Akquise von Sportsponsoring, betreut auch Profisportler“, erläutert Mueller. „Wenn es gut läuft, dann werden wir noch lange in Nordhessen bleiben.“

Dass Richie mit Ehefrau Erica und Sohn Nathan (6) in Lohfelden wohnen bleibt, stimmt alle in der Familie froh. „Wir werden uns also sicher weiterhin in der Eishalle treffen“, verspricht Richie. „Mein Sohn spielt ja bei der Eishockey-Jugend. Und wenn sie dort mögen, bringe ich mich gern in die Nachwuchsarbeit ein.“

Lernen können die Talente sicher eine Menge von ihm. Flink, schnell und listig, mit filigran-präzisem Abschluss aus dem Handgelenk und perfektem Direktschuss vom linken Bullykreis: So eroberte der Flügelstürmer bei den zehn Stationen allein hierzulande (" Karriere in Zahlen) die Herzen der Fans. Auch in Kassel.

2010: Richie Mueller gehört zum „Phantomteam“.

„Richie war immer zu 100 Prozent ein Profi und ein wichtiger Führungsspieler für unsere Mannschaft“, sagte Huskies-Boss Joe Gibbs. Trainer Tim Kehler gratulierte Mueller zu seiner „unglaublichen Karriere. Er hat Spuren hinterlassen. Für mich war es immer eine Freude ihn zu trainieren – in Frankfurt und natürlich auch in Kassel.“

Dabei lief es für Mueller hier nicht immer rund. Als er das erste Mal bei den Huskies anheuerte, 2010, da wurde es nix mit DEL-Spielen im blau-weißen Trikot. Denn nach langem Rechtsstreit wurden die Kasseler aus wirtschaftlichen Gründen aus dem Oberhaus verbannt. Mueller kam zwar kurzfristig zunächst in Ingolstadt unter, doch es begann eine dreijährige Odyssee.

2018 dann, diesmal war der SC Riessersee als sein Arbeitgeber finanziell am Ende, folgte der zweite Versuch in Kassel. Als Mueller angeblich in Frankfurt im Wort stand, aber das bessere Angebot der Huskies vorzog. Und jetzt - das Ende der Karriere. Freiwillig. Und so sagt er: „Natürlich war das 2010 blöd, weil wir eine richtig starke Truppe waren. Aber insgesamt bin ich froh über die tolle Zeit in Kassel mit vielen Freunden auch abseits des Eises. Auch deshalb bleiben wir ja gern hier.“

In Erinnerung bleiben werden Mueller, der 2004 mit 22 von der Uni Calgary nach Deutschland kam und im Oberligateam der Eisbären Berlin seine ersten Meriten erwarb, also seine letzten kleinen Erfolgserlebnisse – jeweils in Spielen gegen Bayreuth. Das letzte Tor am 10. Januar zum 2:0 beim 4:0-Sieg und die letzte Vorlage (für Mario Scalzo) zum 3:2 beim 3:4 am 21. Februar. Im letzten Spiel seiner Karriere.

Mueller ist damit der fünfte Abgang bei den Huskies nach Heinrich, Karachun, Bettahar und Walters. Als Neuzugänge wurden bisher lediglich Verteidiger Joel Keussen sowie - ebenfalls aus Weißwasser - Clarke Breitkreuz vermeldet. Der spielt wie Mueller Rechtsaußen, ist mit 28 aber zehn Jahre jünger

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