19.30 Uhr geht es los 

Der doppelte Dreierpacker Karachun - Kassel Huskies spielen gegen Bayreuth 

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Er kann sogar fliegen: Husky Alexander Karachun verliert nur selten die Bodenhaftung – hier im Duell mit Kaufbeurens Valentin Gschmeißner.

Nach den letzten Heimerfolgen geht es heute Abend ab 19.30 Uhr in der Eissporthalle in Kassel für die Kassel Huskies wieder um den Sieg. Der Gegner: Bayreuth.

Mit Zahlen hat er es. Nicht nur, weil Alexander Karachun ein Fernstudium der Mathematik mit Nebenfach Betriebswirtschaft begonnen hat. Sondern auch, weil er in der Mannschaft der Kassel Huskies, die ohnehin mit diversen Top-Werten die DEL2 anführt, derzeit der Mann für besondere Zahlen ist. Drei Treffer gegen Heilbronn, drei Treffer gegen Kaufbeuren – ob heute gegen Bayreuth (19.30 Uhr, Eissporthalle) der nächste Streich folgt? Schließlich sind ja – positiv betrachtet – aller guten Dinge drei.

Doch daran verschwendet Karachun keinen Gedanken. Vielmehr scheint er immer noch nicht so ganz glauben zu können, was ihm in den letzten beiden Auftritten in eigener Halle gelungen ist. Denn ein Grinsen schleicht sich auch ein paar Tage später immer noch auf sein Gesicht. „Das passiert ja nicht alle Tage“, sagt Karachun. Dreierpacks kennt er aus der Zeit, als er noch in der fünften Liga für Heilbronns zweite Mannschaft aufs Eis ging und in 19 Spielen 79 Punkte erzielte. „Aber das sind meine ersten beiden Dreierpacks im Profi-Eishockey.“ Klar, dass er deshalb auch für Gesprächsstoff in der Kabine sorgt. „Ich werde schon damit aufgezogen. Aber die Jungs halten mich auf dem Boden.“

Ein Satz, der viel über Karachun und diese Mannschaft sagt, in der er spielt. „Sie ist meine zweite Familie“, erklärt der 24-Jährige, der ein Familienmensch ist und doch viel zu früh einen der wichtigsten Menschen im Leben verloren hat. Papa Viktor, weißrussischer Nationalspieler, der unter anderem für Heilbronn und Augsburg spielte, starb 2004 an Krebs, als Alexander neun Jahre alt war. Sein älterer Sohn trägt ihn trotzdem immer bei sich, und das nicht nur als Startbild auf dem Smartphone. Vom Vater, dem er so ähnlich sieht, hat er die Liebe zum Eishockey geerbt, dazu kommen die sportlichen Gene von Mama Irina, ehemalige Weltmeisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik. „Das hilft“, sagt Karachun junior und grinst wieder.

Dabei ist er auf dem Eis keiner aus der Kategorie „verspielt“, sondern ein klassischer Power Forward. Also ein Stürmer, dessen Spiel von Physis und Kraft lebt. „Er spielt hart, ist aber auch sehr effektiv in der Defensivarbeit. Er kann alle Rollen spielen, auch Powerplay und in Unterzahl“, charakterisiert ihn Trainer Tim Kehler. „Ich freue mich, dass er sich für uns entschieden hat.“

Denn im Sommer wechselte Karachun nach 145 DEL-Spielen und drei Jahren in Wolfsburg in die DEL2 zu den Huskies, die er schon von neun Einsätzen als Förderlizenzler aus dem Vorjahr kannte. Für ihn kein Rückschritt. „Es ist ein Teil meiner Entwicklung. Ich bin keine Aushilfe mehr, sondern fester Teil der Mannschaft. Es ist schön, zu 100 Prozent hier zu sein und mich voll reinzuhängen.“

Das tut er auch abseits des Eises, wo seine Wurzeln zum Tragen kommen. „Weißrussisch kann ich zwar nicht, aber Russisch“, erklärt er. Mit Teamkollege Denis Shevyrin spricht er es, auch mit Tatyana, frisch angetraute Ehefrau von Mitspieler Corey Trivino. Und einigen anderen bringt er seine Muttersprache bei – „Leon Hungerecker ist da ganz weit vorn“, verrät Karachun, der fast schon als Weltenbummler durchgeht.

Geboren im polnischen Danzig, aufgewachsen erst in Deutschland, später im Internat in St. Pölten/Österreich, heute ist Heilbronn seine Heimat – dort, wo sein Vater lange spielte und die Mutter immer noch lebt. „Ich bin halb deutsch, halb weißrussisch“, sagt Karachun, der längst nur noch einen deutschen Pass besitzt. „Beim Oktoberfest habe ich ein komplettes Outfit mit Lederhose getragen, und trotzdem haben mir die Jungs gesagt, ich sehe russisch aus.“ Ein Charakterzug aber weist ihn eindeutig als typisch deutsch aus. „Ich bin Perfektionist.“ Das gilt vor allem für den Sport, der seine Leidenschaft ist. Und das will er auch heute Abend wieder beweisen.

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