Eishockey-Zweitligist steckt in schwieriger Situation

Huskies-Analyse: Es ist zum Verzweifeln

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Alles geht schief: Auch Huskies-Stürmer Sam Povorozniouk verzweifelt an der Situation.   

Die Kassel Huskies stecken in der DEL 2 in einer schwierigen Situation. Eine Analyse zur Lage beim Eishockey-Zweitligisten. 

Es kann ja niemand sagen, sie hätten nichts versucht. Sie haben den Trainer gewechselt. Einen neuen geholt, einen zweiten kurze Zeit später dazu. Sie haben den Dialog mit ihren Fans gesucht. Erste Änderungen am Kader vorgenommen. Der Nutzen ist bisher gleich Null. Beim 2:4 in Deggendorf haben die Huskies die sechste Niederlage in Folge kassiert. Kassels Eishockey-Spieler sind derzeit ein Kandidat für die Playdowns. Es ist zum Verzweifeln. Kein Wunder also, das Geschäftsführer Joe Gibbs sagt: „Das ist die schwierigste Situation seit der Rückkehr in die DEL 2.“

Die Analyse der misslichen Lage ist schwierig. Wenn Gibbs sagt, dass „der Eishockey-Gott derzeit kein Husky ist“, dann ist das kein reiner Ausdruck der Ratlosigkeit. Man kann diesen Huskies ja nicht vorwerfen, sie hätten alles falsch gemacht. Sie haben mit Richie Mueller den Top-Scorer des Vorjahres geholt. Mit Marcel Melichercik einen Torhüter, der lange beobachtet wurde und der in Heilbronn stets Leistung gebracht hatte. Mit Derek Dinger einen Kasseler Jungen, der mit der Erfahrung von fast 500 DEL-Spielen zurück in die Heimat kommt. Und Sam Povorozniuk und Matt Neal, die hatten sich in den Playoffs des Vorjahres als Leistungsträger erwiesen.

Gezündet hat nichts. „Egal, was wir machen, es funktioniert nicht“, ärgert sich Gibbs. In den Scorerlisten sucht man Huskies vergeblich. Das Risiko, eine der Ausländerlizenzen an den Torhüter zu vergeben, zahlte sich nicht aus. Melichercik wirkt komplett verunsichert, was sich auch auf seine Vorderleute auswirkt. Dass der neue Trainer Tim Kehler schon nach seinem ersten Spiel den Torhüter öffentlich kritisiert, spricht Bände. Es scheint mehr als wahrscheinlich, dass die Kasseler auf dieser Position reagieren werden, sobald sich die Chance ergibt.

Wolfsburg ist schlechter als die Huskies

Wer auf die Krise in Kassel schaut, der muss aber auch nach Wolfsburg schauen, zum Kooperationspartner der Huskies. Als Tabellen-13. stehen die Niedersachen in der DEL noch schlechter da als die Nordhessen. In dieser Situation interessiert die Partnerschaft mit Kassel wenig. „Wir waren davon ausgegangen, dass wir immer zumindest zwei Spieler bekommen“, sagt Gibbs. Fakt ist, dass die Huskies zuletzt höchstens einen, mehrfach auch gar keinen Spieler abgestellt bekamen. Weil anders als in den Vorjahren mit Mannheim auch keiner dieser Spieler zum Training in Kassel weilt, besteht die Kooperation derzeit höchstens auf dem Papier. Für Tim Kehler und den Sportlichen Leiter Rico Rossi gehören die Absprachen mit Wolfsburg derzeit sicher zu den schwierigsten Aufgaben.

Womit wir bei Rossi wären. Und dem größten Risiko, mit dem die Huskies in die Saison gegangen sind. Der Coach war praktisch ohne Kredit bei den Fans und bei vielen Sponsoren, sollte zudem ohne Co-Trainer auskommen. „Wir haben geglaubt, dass die Sache eine Chance hat, wenn die Spieler den Weg entschlossen mitgehen“, sagt Gibbs rückblickend. Es ging auch ordentlich los, mit dem Höhepunkt des Sieges in Bietigheim.

Doch mit den ersten Niederlagen brodelte die Stimmung. Gibbs erklärt: „Mittlerweile weiß ich, dass es ein Fehler war, dieses Risiko einzugehen. Ich bin stets loyal, aber auch nicht blind loyal.“ Bobby Carpenter kam. Tim Kehler kam. Die Mannschaft ringt mit einem neuen System. Sie macht weiter Fehler. Sie bricht auseinander beim kleinsten Rückschlag. Der Ertrag des Wechsels: sechs Spiele, sechs Niederlagen. Nein, der Eishockey-Gott ist derzeit wirklich kein Husky.

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