Wahnsinn in letzter Minute

Huskies schießen 2 Tore in Sekunden, verlieren aber dennoch

Kassel. Das war der blanke Wahnsinn. 59 Minuten lang liefen Kassels Eishockeyspieler gegen Bremerhaven vergeblich einem Torerfolg hinterher. Der Meister führte 2:0, steuerte auf einen sicheren Sieg zu.

Die letzte Minute brach an, Torhüter Kai Kristian ging vom Eis zugunsten eines sechsten Feldspielers. Ob das noch etwas bringen würde? Es brachte was. Und wie!

49 Sekunden vor dem Ende erzielte Alex Heinrich den Anschlusstreffer. Und es kam sogar noch besser, noch unglaublicher: Bully am Mittelkreis. Kristian kehrt ins Tor zurück. Dann die Puckeroberung. Kristian läuft wieder vom Eis. Doch die Sekunden rinnen herunter. Bis, ja bis die Scheibe bei Mike Collins landet. Der Stürmer zieht ab, Jens Meilleur ist vielleicht noch mit der Kelle dran, vielleicht auch Manuel Klinge. Egal wie, die Scheibe rauscht ins Tor. Die Uhr zeigt zwei Zehntel Sekunden Spielzeit. Es steht 2:2.

Okay, die Huskies haben ihr Spiel gegen den Titelverteidiger Fischtown Pinguins dann 2:3 (0:0, 0:1, 2:1 - 0:1) nach Penalties verloren. Pavel Dronia sicherte den Gäste-Erfolg im 16. Schuss nach einem Penaltyschießen, das auch eine eigene Geschichte wert gewesen wäre. Die Aufholjagd der letzten Minute aber, die brachte den Gastgebern einen Punkt – und 3500 Zuschauern wieder einmal den Beweis: Huskies geben niemals auf!

Huskies gegen Fischtown Pinguins

Trainer Rico Rossi war dann trotz der Niederlage auch zufrieden: „Diese Mannschaft hört nie auf zu spielen. Sie kämpft bis zur letzten Sekunde. Das ist Charakter.“

Den Charakter, den Willen, dem Meister wieder auf Augenhöhe zu begegnen, den zeigte sie bereits im ersten Drittel. Da hatten die Gastgeber die besseren Chancen. Zweimal zum Beispiel, als Adriano Carciola schön freigespielt wurde, aber an Torhüter Jonas Langmann scheiterte. Und später vor allem beim Pfostenschuss von Carter Proft (16.).

Doch der mäßig in die Saison gestartete Meister wurde stärker, dominierte das Mitteldrittel. Auch die Gäste hatten zunächst Pech mit einem Pfostenschuss (Miller, 28.). Doch der Treffer zum 0:1 durch Steve Slaton (30.) fiel fast zwangsläufig. Die Gastgeber waren angeschlagen. Sie mussten sich in mehreren Unterzahlsituationen eines weiteren Gegentreffers erwehren. Doch sie kamen zurück, starteten furios ins Schlussdrittel. Mike Collins und vor allem Daniel Schmölz, der frei an Langmann scheiterte, hatten in Überzahl die Chance zum Ausgleich (43.). Bei Carciolas Nachschuss (45.) trudelte der Puck knapp am Pfosten vorbei. Die Scheibe wollte einfach nicht über die Linie. Stattdessen fiel höchst unglücklich das 0:2. Bei eigener Überzahl wurde Manuel Klinge als letzter Mann mit einem riskanten Pass in Bedrängnis gebracht, verlor prompt den Puck und Brendan Cook traf. Entscheidendend? Dachten die Zuschauer. Dachte auch Gästetrainer Michael Stewart. „Wir hatten drei Punkte im Sack. Aber dann hat Kassel alles richtig gemacht.“ Und für ein furioses Finale gesorgt – wenn auch ohne Happy End.

Von Frank Ziemke

SR: Yazdi (Neuss).

Z: 3490

Tore: 0:1 (29:38) Slaton (Zuvalev, Cook), 0:2 (54:50) Cook (Dejdar, Martinelli - 4:5), 1:2 (59:11) Heinrich (Meilleur, Klinge - 6:5), 2:2 (59:58) Collins, 2:3 Dronia (Penalty)

Strafminuten: Kassel 12 - Bremerhaven 12.

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