Ein Rückschlag zu viel

Rund um das Derby: Von Gebrüll, einer Wand und dem Ende

Kassel. Ein gellendes Pfeifkonzert. Fäuste, die die Scheiben rund um das Eis bearbeiten. „Hier kommt der ESC“, schallt es aus einer Ecke der Kasseler Eissporthalle.

Wer? Sicher, die Frankfurter betreten auch das Eis. Aber sehen möchte der Großteil hier nur die Kassel Huskies. Playoff-Derby in der DEL2 – das vierte. Und trotzdem noch etwas Besonderes.

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Auch – oder gerade – weil es zuletzt eben nicht nur zwischen den Spielern mal unsauber geworden ist. Diese Serie hat durch den Alleingang eines Hallensprechers noch einmal zusätzliche Brisanz bekommen. Wenn das überhaupt möglich ist. Vor dem ersten Bully gab es rund um die Kasseler Arena vor allem zwei Themen: Markus Keller und den Sweep.

Die Fans sind sich einig, den einen wollen sie, den anderen auf keinen Fall. Huskies-Rückhalt Markus Keller, den wollen sie natürlich. Ulrike Riemenschneider aus Hann. Münden ist sich sicher: „Das war saublöd. Unnötig. Aber das wird unsere Jungs extra motivieren.“ Was sie meint, ist natürlich die Aussage des Frankfurters, der an diesem Abend nicht in der Halle ist. Hausverbot in der Eissporthalle.

Was die Kasseler aber nicht wollen, das ist vom ärgsten Rivalen aus Südhessen mit 0:4 aus diesem Halbfinale befördert zu werden – Sweep heißt das in Fachkreisen. „Ich tippe heute auf einen knappen Sieg für uns“, sagt Stefan Bornscheuer. Dann, ja dann würde es mindestens ein weiteres Spiel in Frankfurt geben. Da wäre der besagte Hallensprecher gesperrt. „Allein deswegen müssen wir es schaffen“, sagt Jason Schade, der an der Abendkasse noch letzte Tickets verkauft. Mit rund 5500 Zuschauern rechnet er.

Als Hallensprecher Sven Breiter die Startformation der Huskies vorliest, da wird ein Name besonders laut gebrüllt – Markus Keller. Eine Gruppe hält Papierstücke mit der Aufschrift „#35“ in die Höhe. Die Huskies sind eine Familie, sie halten zusammen, sie lassen niemanden im Stich.

Und die Krake dankt’s: Keller spielt die Wand, lässt die Frankfurter verzweifeln, wehrt Schuss um Schuss ab. Vorn trifft Manuel Klinge. 1:0 Huskies. Pause.

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Die Gesänge werden derber. Weil das 1:1 fällt. Weil Keller die Scheibe durch die Beine zum 1:2 ins Tor rutscht. Weil die Schiedsrichter mit Entscheidungen den Zorn auf sich ziehen. Dann auch noch das 1:3. War’s das? Aufgeben? Nein! 2:3. Derek DeBlois. Schals drehen sich. 3:3? Videobeweis. 3:3! Klinge! Doch: 3:4, 3:5. Adriano Carciola – 4:5. Was ist denn jetzt hier los?

Ein blauer Chor singt, Braden Pimm trifft. Aber dann – 5:6. Hungerecker. 6:6. Wie viele Rückschläge gibt es eigentlich insgesamt? An diesem Abend auf jeden Fall einen zu viel. Das 6:7 fällt kurz vor Schluss. „Man kann nicht jedes Jahr Meister werden“, hatte Ulrike Riemenschneider vor der Partie gesagt. Leider. Trotzdem: Dieses Spiel war meisterlich. Die Fans waren es. Der Sport war es. Ein würdiger Abschluss einer Saison, die wie war? „Ziemlich gut“, findet Stefan Bornscheuer.

Rubriklistenbild: © Fischer

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