Eishockey

Kassel Huskies vor Heimspiel gegen Tabellenführer Ravensburg: Führungsspieler gesucht

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Im Kraftraum pumpen für viele Tore: Sébastien Sylvestre ist ein Hoffnungsträger für die schwache Offensive der Huskies.

Die Huskies spielen am heutigen Freitag ab 19.30 Uhr gegen den DEL2-Tabellenführer Ravensburg und am Sonntag in Bad Nauheim (18.30 Uhr) - und suchen nach Führungsfiguren.

Das Problem des Kasseler Eishockeyteams: Es fehlen Spieler, die Verantwortung übernehmen, das Team leiten und lenken. Von Festtagsstimmung sind sie bei den Huskies weit entfernt. Vielmehr wird zehn Tage vor Weihnachten der Ton rauer beim Kasseler Eishockey-Zweitligisten angesichts des neuerlichen und peinlichen Rückschlags gegen Dresden. 

Vor dem Heimspiel gegen den souveränen Tabellenführer Ravensburg Towerstars am heutigen Freitag um 19.30 Uhr und dem Hessenderby bei den Roten Teufel des EC Bad Nauheim am Sonntag um 18.30 Uhr jedenfalls hat Tim Kehler die Spieler einmal mehr öffentlich in die Pflicht genommen. „Es gibt die Wortführer im Team. Aber wenn du diese Rolle übernimmst, musst du Worten auch Taten folgen lassen“, mahnt die eine „Trainerhälfte“ an. Nur vermeintliche kluge Sprüche zu klopfen jedenfalls sei zu billig.

Eine Einschätzung, die Rico Rossi teilt. „Tim hat absolut recht“, sagt der Sportliche Leiter und ist ebenfalls enttäuscht vom Auftreten der maßgeblich von ihm zusammengestellten Truppe. Bis auf Torwart Leon Hungerecker (20), Verteidiger Nick Walters (24) und Jace Hennig (23) „haben wir im Stamm überall erfahrene, gestandene Spieler, von denen jeder einzelne mehr bringen und investieren muss fürs Team“. Auch er formuliert zwischen den Zeilen den Vorwurf, dass sich zu viele Akteure hinter Kapitän Alexander Heinrich sowie dessen Assistenten Michi Christ und Richie Mueller verstecken: „Niemand muss ein C oder ein A auf dem Trikot haben, um voranzugehen.“

Wer also sind die Führungsspieler, die Leader in der Schlittenhunde-Meute? Diejenigen, die die Truppe lenken und leiten, an denen sich die Kameraden hochziehen? Marcel Melichercik, der Torwart, hat sich in den letzten Spielen deutlich gesteigert und war endlich der erhoffte Rückhalt. Aber sonst, wer könnte, wer sollte und müsste es sein beim Debüt von Neuzugang Sébastien Sylvestre?

  • Andy Reiss (32), ein Mann mit 546 DEL-Spielen und mit Hannover deutscher Meister 2010, kam im Sommer 2017 – und nur schwer in Tritt nach längerer Pause. Spielte dann starke Playoffs, aber ist nun erneut von einstiger Klasse weit entfernt.
  • Mike Little (31), als Ausländer in der Abwehr gesetzt, hat seit Monaten mit Blessuren zu kämpfen. Spielte ein tolles Halbjahr beim Titelgewinn 2016. In dieser Verfassung wäre er heute Gold wert.
  • Derek Dinger (31) ist als Persönlichkeit eine Säule im Team. Aber er ist und war immer ein Defensivmann, einer, der aufräumt am eigenen Kasten. Damit kann er naturgemäß weniger Impulse geben als offensivere Verteidiger.
  • Adriano Carciola wird in einer Woche 30, auch schon. Startete furios mit sechs Scorerpunkten in den ersten fünf Saisonspielen, hat inzwischen aber in 16 Spielen nur zweimal getroffen. Der flinke Stürmer steht auch für die anderen Kasseler Jungs wie Michi Christ und Alex Heinrich, die ihrer Form hinterherlaufen. „Es ist eine ganz schwierige Situation für uns alle“, sagt Christ, der mit Kampf und bedingungslosem Einsatz einst zum Publikumsliebling wurde. Der Rackerer weiß: „Zu viele Spieler auf einmal, wie ich selbst, können derzeit nicht an frühere gute Leistungen anknüpfen.“
  • Tyler Gron (29) kam vor einem Jahr aus Frankfurt im Tausch gegen Lukas Koziol (22). Steht nun mit 10 Toren und 13 Vorlagen gemeinsam mit Richie Mueller (11 + 12) in der internen Scorerliste vorn und besser da als Löwe Koziol (4 + 16), ist im Ligavergleich aber fernab der Besten.

Vor dem ersten Bully: Nur Walters fehlt

Die Lage: Der schwächste Angriff spielt gegen den stärksten. Aber: Die Kasseler Abwehr hat nur zwei Gegentore mehr kassiert als Ravensburg! Die Huskies sind seit 12. Oktober (Heilbronn/4:2) in sieben Heimspielen sieglos, die Towerstars haben nur eines der letzten fünf Auswärtsspiele verloren.

Das Personal: Den Huskies fehlt an diesem Wochenende noch Nick Walters (Unterkörper-Verletzung). Deshalb ist Mike Little in der Abwehr unverzichtbar. Für Torjäger Sébastien Sylvestre werden somit wohl Povorozniouk, Trivino (Sturm) oder Melichercik (Tor) einen Ausländerplatz freimachen müssen. „Wir haben einige Optionen“, sagt Trainer Tim Kehler, der mit Bobby Carpenter die Aufstellung wohl gehörig verändern wird.

Die bisherigen Spiele: Mit dem 2:6 (3. Oktober) begann die Huskies-Krise. Das 5:3 im Rückspiel war einer der Lichtblicke.

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