„Der Klassenerhalt steht über allem“

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Konzentriert im Training mit der U20: der aus Kassel stammende Torjäger Justin Schütz.

Am 26. Dezember beginnt in Ostrau und Trinec (Tschechien) die Weltmeisterschaft der Eishockey-Junioren. Im deutschen U-20-Team haben die Linksaußen Justin Schütz (19) und Yannik Valenti (19) ebenso eine Kasseler Vergangenheit wie Trainer Tobi Abstreiter. Im Interview äußert sich Schütz zu Erwartungen, Perspektiven und Zielen.

Die Junioren waren oft ein Fahrstuhlteam mit Auf- und Abstiegen. Warum kann es diesmal mit dem Klassenerhalt klappen?

Weil wir ein Team haben, das so stark besetzt ist selten zuvor. Die meisten Jungs sind schon recht erfahren, weil sie eher Chancen bekommen als frühere Generationen. Fast alle spielen wir schon im Profibereich – im Ausland, in der DEL oder in der DEL2.

Ist sogar mehr drin, das Ziel höhergesteckt?

Nein, das wäre vermessen. Der Klassenerhalt steht über allem.

Aber die Deutschen haben Pech mit der schweren Gruppe B, oder?

Ja, absolut. Unsere Gruppengegner wollen und können theoretisch alle um den Titel spielen. Aber auch als Aufsteiger dürfen wir uns nicht verstecken, die anderen spielen auch nur Eishockey. Ich bin gespannt, wie es laufen wird, wir wollen schon versuchen, die Großen zu ärgern. Aber uns ist auch bewusst, dass es auf die Playdowns der Gruppenfünften hinauslaufen kann. Dann müssen wir bereit sein und bekommen am 2, 4. und 5. Januar drei Chancen für zwei Siege.

International im Fokus stehen zwei Verteidiger – Moritz Seider (18/Detroit) und Tim Stützle (17/Mannheim). Wer kann dazukommen?

Auch mein Münchner Mitspieler John-Jason Peterka und Lukas Reichel von den Eisbären Berlin sind aus dem jüngeren Jahrgang 2002 und ganz große Talente. Dann ist da noch Dominik Bokk, der in Rögle in Schweden spielt. Und Taro Jentzsch aus der kanadischen Juniorenliga.

Im Kader steht mit Yannik Valenti (Heilbronn) ein weiterer Kasseler. Sind Sie Zimmergenossen?

Nein, auch wenn wir uns seit 15 Jahren schon kennen. Es ist immer spannend, wenn wir uns treffen. Jeder geht einen anderen Weg, aber mit denselben Zielen. Da gibt es viel zu erzählen. Im Zimmer bin ich mit Taro Jentzsch, den ich aus der Salzburger Zeit gut kenne.

Was erwarten Sie für Ihre eigene Entwicklung?

Ich will zeigen, was ich kann und so gut spielen, wie es nur geht. Aber bei einer WM und in einem Team geht es nicht um individuelle Ziele. München gut repräsentieren, gutes deutsches Eishockey hinbekommen, das ist es.

Können Sie den Sprung ins A-Team der Männer schaffen?

Ich weiß es nicht. Aber natürlich wäre es schön, ein Traum würde wahr. Vielleicht zunächst einmal bei Testspielen in einer WM-Vorbereitung.

Haben Sie als Kasseler einen besonderen Draht zum Ex-Kasseler Tobi Abstreiter? Der ist Ihr U20-Coach und Assistent von Bundestrainer Toni Söderholm, der wiederum Abstreiter nun assistiert.

Zumindest haben wir einen guten Draht miteinander, ich kenne ihn noch aus Kassel. Sein Sohn Leon hat damals mit meinem Bruder Robin in einem Team gespielt.

Abstreiter war von 1998 bis 2006 in Kassel – da waren Sie sechs. Erinnern Sie sich an ihn als Spieler?

Nein, dafür war ich zu jung damals. Das erste Trikot, das wir im Kinderzimmer hängen hatten, war die 10 von Stéphane Robitaille. Deshalb habe ich selbst auch am liebsten die zehn. Ich erinnere mich insbesondere an Manu Klinge natürlich. Und an Drew Bannisters Tor zur Rückkehr in die DEL 2008. Das war sensationell.

In München läuft es gut für Sie mit 35 Spielen in der DEL und Europaliga bei neun Toren und sechs Vorlagen. Wie fördert Sie Trainer Don Jackson?

Don ist ein super Trainer und ein toller Mensch. Er gibt uns Jungen viele Tipps zusätzlich, macht spezielle Videoanalysen mit uns. Er ist einer, der uns wirklich weiter bringt und besser macht.

Dennoch blicken Sie nach Nordamerika in die NHL. Die Florida Panthers haben Sie 2018 in Runde sechs gedraftet. Wie soll es weitergehen?

Natürlich ist die NHL mein Traum, klar. Und das nächste Ziel ist eine weitere Einladung zum Sommertraining. Ich bin schon in München beobachtet worden, und bei der WM werden die Panther sicherlich auch jemanden vor Ort haben. Vielleicht ergibt sich dort ja ein Gespräch. In allen Telefonaten bislang war das Feedback positiv.

Und wenn die Huskies die Rückkehr in die DEL schaffen sollten?

Natürlich würde mich das sehr freuen, für die Kasseler und ihre Fans wäre das super. Aber ganz ehrlich: In München fühle ich mich sehr wohl und komme voran. Vielleicht passt es später irgendwann mal mit einem Wiedersehen, wenn ich wieder nach Hause zurückkehren möchte. Aber jetzt zählt erst einmal nur die WM.

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