Eishockey

„Kasseler Modell ist bei den Huskies nicht am Ende“

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September 2009: Mit sechs Kasseler Jungs starten die Huskies in ihre letzte DEL-Saison. Von links: Michael Christ, Alex Heinrich, Steve Themm, Derek Dinger, Manuel Klinge und Fabio Carciola. Auch Adriano Carciola hatte einen Einsatz. ARCHIVFoto: Hans-Joachim Thienemann;

Huskies-Geschäftsführer Joe Gibbs wil beim Eishockey-Zweitligisten das Kasseler Modell fortsetzen. Aber sogar Talentschmied Milan Mokros sagt: "Der Sprung in die DEL2 ist für die Jungs etwas zu groß." 

VON GERALD SCHAUMBURG

Kassel – Er wiegt schwer, der Abschied von Alex Heinrich. Vor allem menschlich, als Identifikationsfigur und Verkörperung des Kasseler Modells wird die Ausmusterung des Kapitäns Lücken reißen in der Huskies-Eishockeyfamilie. Gespräche mit Michi Christ und Derek Dinger über einen Verbleib beim Eishockey-Zweitligisten laufen, und Geschäftsführer Joe Gibbs beteuert: „Das Kasseler Modell ist keineswegs am Ende, wir wollen auch zukünftig so viele heimische Jungs wie möglich im Team haben.“

Aber: „Das geht natürlich nur dann, wenn auch Kasseler Jungs mit der nötigen sportlichen Klasse da sind. Die stark genug sind, mit uns die große Herausforderung Aufstieg anzugehen und schaffen zu können“, betont Gibbs. Seit jeher, so der Manager, haben die Huskies junge Spieler gefördert. Externe, wie die Hungerecker-Brüder, Lois Spitzner und Stephan Tramm, „die die Chance nutzen und sich in der DEL2 etablieren“, aber auch Kasseler wie Mirko Pantkowski sowie die zuletzt in Duisburg aktiven Lasse Bödefeld, Bastian Schirmacher und Tim Lucca Krüger. „Wir investieren in heimische Talente“, betont Gibbs. Das Füchse-Trio sei in der vergangenen Saison noch als Förderlizenzler von den Huskies finanziert worden. „Und wenn sie noch ein Jahr länger brauchen sollten für den Durchbruch, dann werden wir uns auch darüber unterhalten.“

Derzeit aber werde die Personalplanung für die nächste DEL2-Saison nicht forciert. Gibbs: „Alle Menschen und auch wir Klubs habe ganz andere Sorgen. Außerdem gibt es für alle Klubs viele Unwägbarkeiten auch bei der Zukunft ihrer Sponsoren.“

Milan Mokros Talentförderer

Auch Milan Mokros bedauert das Aus für Alex Heinrich bei den Huskies, schließlich verliert das Kasseler Eishockey mit ihm nach Manuel Klinge ein weiteres Vorbild für die Jugendlichen. Der langjährige Talentschmied der EJK weiß aber auch: Für die jungen Burschen, die in Kassel bleiben und nicht frühzeitig wechselten nach Berlin, wie einst Derek Dinger, nach Mannheim (Mirko Pantkowski, Yannik Valenti, Michi Christ, die Carciola-Brüder) oder nach Köln (Erik Betzold, Jan-Lucca Sennhenn, Moritz Müller) „ist der Sprung sportlich einfach etwas zu groß in die DEL2“.

Ausnahmetalente wie Valenti und Justin Schütz in München überspringen die DEL2 mehr oder weniger. Für die anderen aber sei die Oberliga grundsätzlich besser als Zwischenstation, „weil die Jungs spielen müssen – spielen, spielen, spielen“.

Diesen Weg ist im vergangenen Sommer das Kasseler Trio Bödefeld, Schirmacher, Krüger gegangen, das 2018/19 noch je rund 40 (Kurz-) Einsätze im Zweitliga-Team hatte. „Aber jetzt frage ich mich, ob das Jahr in Duisburg für sie ein verlorenes Jahr war, ob sie dort gut gefördert worden sind“, sagt Mokros aus der Distanz. Tatsächlich konnten die Stürmer Bödefeld (21) mit 0 Toren + 3 Vorlagen in 37 Spielen, Schirmacher (22 / 3 + 5 in 42) und Krüger (22 / 5 + 9 in 44) dort offenbar weder ihre gute Entwicklung fortsetzen, noch DEL2-Niveau bestätigen.

Mokros will nicht einmal über das Trainerduo Uli Egen/Didi Hegen in Duisburg spekulieren. Denn es sei ein grundsätzliches Problem des deutschen Eishockeys, neben dem Egotrip einzelner Coaches, „dass Trainer aus finanziellen Gründen viel zu sehr unter kurzfristigem Erfolgsdruck stehen. Wir alle brauchen mehr Geld und mehr Geduld“, mahnt er an.

Das sei in Kassel nicht anders. „Aber hier kommt noch das Fehlen von Eiszeiten, das Fehlen einer zweiten Eisfläche hinzu. Unter diesen Bedingungen machen Verein und Trainer einen super Job“, sagt Mokros. „Aber: In jedem Verein entwickelt sich der Nachwuchs in Wellen, da ist nicht in jedem Jahrgang ein Manuel Klinge und Alex Heinrich oder Junioren-Nationalspieler wie Schütz, Valenti oder Pantkowski dabei.“ ARCHIVFoto: ANDREAS FISCHER

HINTERGRUND

Was kommt nach aus der Talentschmiede der Eishockey-Jugend Kassel, welche Namen sollten wir uns merken? Einzelne Beispiele:

Timon Langnese (17), Stürmer, zwei Hessenliga-Spiele bei den 89ers, aber 57 Scorerpunkte (23+34) im DNL-Team U20

Dominik Krüger (16), 21+16=37 Scorerpunkte in der U20, sogar 45+57=102 in 21 Spielen U17

Tilo Beutler (16), mit 39+27=66 überragend in der U17, aber auch in der U20 schon stark mit 10+11=21

Außerdem im Blickfeld: Die aus der EJK kommenden DNL1-Torhüter Ennio Albrecht (19/Krefeld), Niklas Lunemann (17/Meister mit Köln) und Nick Neufeld (14/Mannheim).

KASSELER IM TEAM

Zu den DEL-Glanzzeiten waren Kasseler rar im Huskies-Team. Zur Vizemeisterschaft 1997 trugen nur Eduard Zam und Stefan Schaumburg bei. Im ersten DEL2-Jahr 2014/15 waren es 5 Einheimische, danach 5 - 6 - 9 - 7 und zuletzt 3. sam

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