Vor Ort mit dem 1b-Eishockeyteam

100 Kilometer zum Heimspiel

Alles muss mit: Stürmer Sascha Schardt lädt seine Tasche mit der Ausrüstung in den Kleinbus der Eishockeyjugend. Fotos:  Mihr

Lauterbach. Es ist Sonntag. Eishockeyzeit in Kassel. Nicht aber für die 1b-Mannschaft der Huskies.

Der nämlich hat die Kassel Sport- und Entertainment GmbH (KSE) alle verbleibenden Eiszeiten für die Austragung ihrer Heimspiele in der laufenden Hessenliga-Saison gestrichen. Nun ist das Team von Trainer Matthias Kolodziecjzak eine Mannschaft, die auch ihre Heimspiele auswärts austragen muss – im gut 100 Kilometer entfernten Lauterbach im Vogelsbergkreis. Am Sonntagabend hieß der Gegner Bad Nauheim, und das Ergebnis? 25:2 (7:0, 9:0, 9:2) für Kassel.

DIE VORBEREITUNGEN

Es ist kurz vor drei, als Stürmer Sascha Schardt als Erster auf dem Parkplatz an der Kasseler Eissporthalle eintrifft. „Nach der bitteren Entscheidung haben wir nur kurz überlegt, dann aber einstimmig entschieden: Jetzt erst recht.“ Nach und nach treffen seine Mannschaftskollegen ein. „Heute stellt uns die Eishockeyjugend ihre beiden Kleinbusse“, erklärt er. In der letzten Woche war die Mannschaft noch in Privatautos angereist. Alles muss organisiert werden, Lauterbach stellt nur das Eis zur Verfügung.

Jenny Seibel und Tanja Sennhenn begleiten die 1b als Sanitäterinnen, Sascha Oberdieck fährt als Zeitnehmer mit. „Kein Problem für uns“, sind sich die drei einig. „Wir machen das gern.“

EJK-Chefcoach Milan Mokros schaut kurz vorbei, fragt, ob man an die Getränke für die Schiedsrichter gedacht habe. Betreuer Bernd Pressler hat bislang nur den Kasten Bier im Bus verstaut – den will sich die Mannschaft nach dem Sieg auf der Rückfahrt schmecken lassen. Die kurze Diskussion, in welchem Bus das kühle Blonde mitfahren darf, entscheidet Stephane Robitaille für sich.

DIE FAHRT

Um 15.15 Uhr ist Abfahrt. Einen Bus fährt der Trainer persönlich. Wichtig ist der kurze Stopp bei der Bank: Das Eis in Lauterbach muss bar bezahlt werden. Eine gute Stunde später kommen die zwölf Kasseler Spieler im Vogelsberg an. Bei Schardt werden Kindheitserinnerungen wach: „In Lauterbach habe ich schon als kleiner Knirps gespielt, da hatte die Halle nicht mal ein Dach. Manchmal hat es auf die Eisfläche geschneit“, sagt er.

DAS SPIEL

Pünktlich um 18 Uhr geht die Mannschaft aufs Eis: Es dauert nicht mal zwei Minuten, bis Patrick Berendt zum ersten Mal trifft. Christopher Reimnitz, Oliver Wohlrab und Paul Sinizin lassen den Puck in der fünften Minute gleich dreimal im gegnerischen Netz zappeln: Die Partie ist vorentschieden. Nach dem Treffer zum 16:1 macht die Mannschaft die Welle. Genau wie für Wohlrab ist das „Heimspiel“ für Julian Meyer ein Familienausflug: Sein Sohn schaut vom Spielfeldrand zu.

DIE RÜCKKEHR

Knapp acht Stunden nachdem die 1b in Kassel aufgebrochen ist, kommt sie wieder an der Kasseler Eissporthalle an. Dass der dort für 18 Uhr angesetzte öffentliche Lauf ausgefallen ist, zaubert ihnen nur ein müdes Lächeln auf die Lippen. „Uns geht es nur um unseren Sport“, sagt Christopher Reimnitz. „Ich spiele seit 16 Jahren Eishockey. Das gibt man nicht dran, weil man fünfmal nach Lauterbach fahren muss.“ Am Saisonende soll die Meisterschaft stehen. „Vielleicht können wir zum letzten Spiel mit einem großen Bus fahren und dann auch ein paar Fans mitnehmen“, hofft Schardt.

Von Carina Mihr

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