Eishockey

Landshuts Trainer Axel Kammerer: Einer von vier deutschen Exoten

+
Drei Punkte sollen es sein: Der frühere Husky Axel Kammerer, hier auf der Bank des EV Landshut, macht am Sonntag Station in Kassel. Foto: Georg Gerleigner

Am Sonntag um 18.30 Uhr spielen die Huskies gegen den EV Landshut. Dessen Trainer ist Alex Kammerer. Ein Ex-Kasseler und einer von nur vier deutschen Trainern in den 28 Topklubs.

Es sind nur vier. Lediglich vier von 28 Trainern in den beiden deutschen Eishockey-Topligen sind Deutsche. So gesehen ist Axel Kammerer ein Exot. Der Mann aus dem kleinen Reichersbeuern im Isarwinkel mit einer Kasseler Vergangenheit kehrt am Sonntag als Trainer des EV Landshut an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt. Im Interview äußerte er sich über deutsche Exoten im deutschen Eishockey und darüber, wie er ab 18.30 Uhr in der Eissporthalle den neunten Heimsieg der Huskies in Folge verhindern will.

15 Jahre nach ihrem Abschied kehren Sie erstmals nach Kassel zurück – als Gästetrainer. Mit besonderen Erinnerungen?

Natürlich freue ich mich, wir hatten eine tolle Zeit damals mit Trainer Hans Zach. In Kassel gab es die die längsten Autogrammstunden meiner Karriere, die Stimmung in der Halle damals bis ins DEL-Halbfinale war unvergleichlich.

Gibt es noch Verbindungen nach Nordhessen? Ihr Sohn Maxi hat hier die ersten Schritte auf dem Eis unternommen, inzwischen ist er 23 und Nationalspieler.

Nein, da gibt es keine Drähte mehr, es ist zu lange her. Maxi hatte immer mal noch losen Kontakt zu einem Jungen, mit dem er in Niederkaufungen Fußball gespielt hat.

Wie stellen Sie ihr Team auf die Huskies ein?

Damit fange ich erst am Samstag an, nach unserem Heimspiel gegen Heilbronn. Wird ein hartes Wochenende für uns, zumal wir Verteidiger Josh McFadden mit Kreuz- bandriss verloren haben. Wir werden mit vier Ausländern im Angriff versuchen, unser Spiel zu spielen, und wissen, dass wir uns nicht hinten rein stellen dürfen. Dann wird Kassels Druck zu groß.

Wenn Sie die Mannschaften vergleichen: Wer hat welche Vorteile?

Die Huskies sind breit und top besetzt. Mueller, Kirsch, Trivino sind prima Spieler, auch Burns war in der vergangenen Saison in der Oberliga sehr stark. Wir als Aufsteiger brauchen einfach noch Zeit, stabil das höhere Niveau der DEL2 zu erreichen. Der Sprung ist riesig, auch weil wir noch nicht kaltschnäuzig und effizient genug sind im Abschluss. Die Abhängigkeit von Czarnik und Pompei ist noch zu groß. Natürlich wollen wir nicht als Kaninchen vor der Schlange in Kassel auftreten, aber wir werden einen Sahnetag brauchen zum Siegen.

Beim EVL kommen neun Jungs aus Landshut, 21 sind in Deutschland geboren. Bei den Huskies sind es vier und elf. Spiegelt sich das in der Tabelle wider?

Hoffentlich nicht. Allerdings fehlt deutschen Stürmern häufig der letzte Biss, der Scoringtouch. Wir in Landshut sind einerseits überzeugt von unserem Weg mit vielen regionalen Spielern. Dazu gibt es realitisch auch aus finanziellen Gründen derzeit keine Alternative. Aber: Die intensive Jugendarbeit zahlt sich nur noch bedingt aus. Immer wieder verlieren wir super Talente an Mannheim und das Projekt München/Salzburg.

Stichwort Tabelle: Weil die Landshuter Halle renoviert wurde, ist der EVL mit Heimspielen in Verzug. Wie war das sportlich und emotional, wochenlang nur auswärts zu spielen und nur einmal pro Woche?

Das war ganz schwierig. Weil wir keinen Rhythmus finden konnten und immer wieder mal Urlaubsfeeling aufkam.

Jetzt aber folgt Spiel auf Spiel und ein Kraftakt mit englischen Wochen ...

Ab Mitte November bis in den Januar haben wir ein Hammerprogramm. Natürlich haben wir mit intensivem Training eine starke Fitness als Basis geschaffen. Aber wir brauchen eine guten Lauf, trotz

großen Kaders personelle Unterstützung von DEL-Partner Düsseldorf. Es dürfen nicht viele Spieler ausfallen.

Mit Robbie Czarnik, Mathieu Pompei und jetzt Jeff Hayes von Meister Ravensburg sowie Jaro Hübl aus Bremerhaven gab es starke Neuzugänge. Da muss das Saisonziel mehr sein als nur der Klassenerhalt, oder?

Die Erwartungen in Landshut sind traditionell hoch. Da sind wir gut beraten, den Ball flach zu halten. Jedes einzelne Spiel wird schwer, es gibt kein einziges leichtes. Deshalb steht der Klassenerhalt über allem.

Zurück zu ihrer Person. Natürlich sind Sie kein Exot. Aber warum sind deutsche Trainer so rar und alle vier schon über 50?

Weil gerade jüngere Deutsche zu wenig Wertschätzung und Perspektive sehen und es eher in der Jugendarbeit probieren. Das Problem beginnt bei den Managern. Die holen ausländische und zunehmend eingebürgerte Spieler und erklären dann, dass diese Teams auch von ebensolchen Trainern besser gecoacht werden. Das ist total traurig. Wir Deutsche beschränken uns selbst.

Gibt es zu wenig deutsche Kandidaten oder sind Ausländer besser ausgebildet?

Zumindest werden zu wenig deutsche Topspieler nach ihrer Karriere Trainer. Dabei haben sie vielfach beste Voraussetzungen: Eigene Erfahrungen, Durchsetzungskraft und Zielstrebigkeit sind doch wichtiger als Ausbildung. Zumindest als Basis für wissenschaftliche Fortbildung.

Toni Söderholm steht in der Nationalmannschaft menschlich und fachlich außer jeder Kritik. Aber sehen Sie für die Zukunft auch mal wieder einen deutschen Bundestrainer?

Gerade im Eishockey leben wir seit jeher Weltoffenheit und Integration sehr befruchtend. Häufig ist es das spektakuläre Moment der Ausländer, das die Fans lieben. Aber mit deutschen Bundestrainern wie Hans Zach, Uwe Krupp und Marco Sturm sind wir gut gefahren. Es ist sehr zu wünschen, dass da mal wieder ein Junger nachrückt. ZUR PERSON

Axel Kammerer (55) stammt aus der Talentschmiede Reichersbeuern bei Bad Tölz, wo er auch bis heute mit Ehefrau Walburga lebt. Bei den „Tölzer Buam“ bestritt der Linksaußen mit 17 erste Zweitliga-Spiele, ging 1983 nach Rosenheim. Es folgten bis zu seiner Rückkehr nach Tölz 1998 insgesamt 625 Erstliga-Spiele für den Sportbund, Preußen Berlin, Kaufbeuren und Ratingen. Im Jahr 2000 beendete Kammerer seine Karriere in Tölz und ging als Assistent zu Trainer Hans Zach erst nach Kassel, 2002 dann mit nach Köln. 2003 startete er als Chefcoach der Huskies, musste aber am 27. Januar 2004 für Mike McParland weichen. Weitere Stationen: Tölz, Schwenningen, Riessersee, Sterzing, Tölz und seit 2017 Landshut. sam

HINTERGRUND Nur vier deutsche Trainer in 28 Teams

Sie nennen sich Deutsche Eishockey-Liga und Deutsche Eishockey-Liga 2. Aber nur vier der 28 Topteams werden von einheimischen Trainern betreut. Im Oberhaus ist der aus Berlin stammende Thomas Popiesch (54) der einzige. Seit Januar 2016 trainiert er die Fischtown Pinguins. Aber: Zu seinen Spielern in Bremerhaven zählen mit Tom Horschel (22) aus Bad Tölz und Luca Gläser (21) aus Aue nur zwei, die in Deutschland geboren sind. In der DEL2 haben drei der 14 Teams deutsche Trainer: Neben Axel Kammerer in Landshut der Düsseldorfer Christof Kreutzer (52) in Bad Nauheim und Andi Brockmann (52) in Kaufbeuren. sam

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.