Interview mit dem Mannschaftsarzt der Huskies

Huskies-Arzt Raetzer: „Sogar Hans Zach hat mir vertraut“

Sie tragen ihn auf Händen: Rolf Raetzer mit den Huskies Michi Christ, Alex Heinrich und Manuel Klinge (von links) sowie Ex-Husky Sven Valenti. Foto: Fischer

Kassel. Gegen die Kniearthrose eines Spielers war er machtlos. Doch in allen anderen Fällen verhalf der Huskies-Mannschaftsarzt seinen Schlittenhunden zu neuer Fitness. Ein Interview.

Kassel Huskies, Hessen Hersfeld, Eintracht Baunatal, KSV Baunatal, TSG Wattenbach, SSV Sand, FSC Lohfelden und - zu einem besonderen Anlass - Dynamo Windrad: Der Baunataler Orthopäde Rolf Raetzer hat einen großen Teil seiner Freizeit als Mannschaftsarzt in Eissporthallen, Sporthallen und auf Fußballplätzen verbracht.

Nach einem Schlaganfall musste sich der jetzt 63-Jährige zurückziehen. Im Interview zieht Raetzer die Bilanz seiner 20-jährigen Tätigkeit.

Herr Raetzer, Sie waren 20 Jahre ganz dicht dran an Fußballern, Eishockeyspielern und Handballern. Wer und was hat Sie besonders beeindruckt?

Rolf Raetzer: Spontan fallen mir zwei Huskies-Trainer und deren große Erfolge ein. Gerhard Brunner hat mich im August 1996 zu den Huskies geholt, und acht Monate später haben wir zusammen die Deutsche Vizemeisterschaft gefeiert. Dann war es eine große Herausforderung, das Vertrauen von Hans Zach zu gewinnen. Der war äußerst kritisch, aber dann stand Chris Rogles 18 Tage nach einer Meniskus-OP wieder im Tor. Und Zach selbst habe ich von einem Glassplitter in der Fußsohle befreit. Von da an hat er meinen Baunataler Kollegen Hans Schafdecker und mich wohl für gute Ärzte gehalten.

Welche der vielen Verletzungen, die Sie behandelt haben, war die schwerste?

Raetzer: Die Sprunggelenks-Verletzung von Mika Järvinen. Aber der Husky stand nach acht Wochen wieder im Tor. Schwerwiegend war auch Dave Morrisons Handgelenkbruch. Aber auch der Kasseler Publikumsliebling konnte seine Karriere fortsetzen.

Waren Sie auch mal machtlos?

Raetzer: Leider war gegen Jukka Seppos Kniearthrose nichts zu machen. Der Finne, einer der besten Spieler der Huskies, musste seine Eishockey-Karriere schon mit 30 Jahren beenden.

Nach 20 Jahren mit einem Eishockeyteam und fünf Fußballmannschaften können Sie bestimmt jede Menge Anekdoten erzählen. Zuerst bitte die lustigste.

Raetzer: Der Kasseler Klub Dynamo Windrad war von Kassels Partnerstadt Jaroslawl zu einem Fußballspiel eingeladen worden. Offenbar wusste niemand, dass die russische Zweitligamannschaft auf einen deutschen Kreisligisten treffen würde, und so waren 5000 Zuschauer ins Stadion gekommen. Als es zur Pause 7:0 stand, beschlossen die Gastgeber, den Gast zu schonen und begnügten sich mit dem 9:1-Endergebnis. Übrigens: Der Kreisligist hatte einen richtigen Mannschaftsarzt. Der hieß Rolf Raetzer.

Diese Anekdote macht Lust auf mehr.

Raetzer: Vorher muss man wissen, dass Hans Schafdecker und ich für unsere Arbeit in den Sportvereinen kein Honorar bekommen haben. Eine Ausnahme aber hat bei mir die TSG Wattenbach gemacht. Nach jedem Heimspiel wurde ich mit einer Bratwurst und einem Bier fürstlich entlohnt.

Jetzt bitte noch die Geschichte vom doppelten Rolf.

Raetzer: Ich erinnere mich an einige Spiele, in denen ich besonders viel zu tun hatte. Als ich hauptsächlich Mannschaftsarzt des KSV Baunatal war, habe ich zeitweise auch für den FSC Lohfelden gearbeitet. Als es dann zum Duell der beiden Hessenligisten kam. haben sich die Zuschauer gewundert, dass bei Verletzungen immer der gleiche Arzt auf den Platz lief.

Was und wen werden Sie nun besonders vermissen?

Raetzer: Jetzt fallen mir zuerst die Derbys zwischen den Huskies und Frankfurt ein. Dann die Huskies Manuel Klinge, Alex Heinrich und Michi Christ sowie Ex-Husky Sven Valenti, also vor allem die Kasseler Jungs. Ich werde aber auch alle Trainer, mit denen ich zu tun hatte, vermissen. Ich erinnere mich gern an die Zusammenarbeit mit Ildiko Barna, Bernd Lichte, Beppo Hofeditz, Lothar Alexi, Wolfgang Zientek, Otmar Velte, Carsten Lakies und Tobias Nebe. Und schließlich wird mir die Zusammenarbeit mit meinem schon erwähnten Kollegen Hans Schafdecker und meiner langjährigen Assistentin Nicole Ellermann fehlen.

Was machen Sie jetzt ohne die vielen verletzten Sportler?

Raetzer: Mit den Enkeln spielen, mit meiner Frau verreisen, Motorradfahren und noch ein bisschen arbeiten.

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