Das sagen Familie, Trainer und Weggefährten

Der große Fisch im kleinen Teich: Manu Klinge bestreitet 600. Spiel im Huskies-Trikot

Goldhelm, Kapitän, Dauerbrenner und Idol: Manuel Klinge bestreitete heute sein 600. Punktspiel im Trikot der Kassel Huskies. Foto:  Fischer

Kassel. Was Thorsten Bauer, der „Fußballgott“, für den KSV Hessen war (und ist), das ist Manuel Klinge für das Kasseler Eishockey: Aushängeschild, Identifikationsfigur, Idol.

Seit 2003 trägt „Manu“ das Trikot der Huskies mit der Nummer 9 und hat heute ein ganz seltenes Jubiläum: Im Gastspiel bei den Lausitzer Füchsen ab 19.30 Uhr (siehe Artikel unten) wird er zum 600. Mal das blau-weiße Trikot tragen. Und schon am 24. Februar in der Partie bei den Heilbronner Falken kann Klinge auch Sven Valenti als Kasseler Rekordspieler entthronen mit dann 603 Einsätzen.

Das sagen Angehörige, Trainer und Weggefährten über den Dauerbrenner:

Die Familie

Eva Klinge

Eva Klinge, die Mutter: „Ich bin ganz überrascht, dass es schon so viele Spiele sind. Wir alle sind sehr stolz – Oma Maria, Papa Klaus-Dieter, der Bruder Dennis und ich natürlich auch. In der Familie dreht sich seit jeher alles um Eishockey, die Halle ist unsere zweite Heimat. Es gab einige Entbehrungen, weil es kein billiger Sport ist, aber auch viele tolle Erinnerungen. An die Ahle Wurscht, die stets im Bus hing, an Olympia. Manus Trikot von Vancouver liegt als Schatz in meinem Schrank. Aber Manu mag nie im Mittelpunkt stehen. Ein paar Mal hat er früher gesagt: Warum können sie mich nicht einfach nur spielen lassen?“

Elena Stabernack-Klinge

Elena Stabernack-Klinge, seine Jugendliebe und seit Sommer 2016 seine Ehefrau: „Die Hälfte unseres Leben haben wir gemeinsam verbracht, Schönes aufgebaut und immer die große Eishockeyfamilie geliebt. Ich habe großen Respekt vor Manuels Entscheidung zur Rückkehr aus Mannheim. Er macht das hier in Kassel nicht, um Geld zu verdienen. Die Rückkehr war alles andere als ein Rückschritt. Er ist lieber ein großer Fisch im kleinen Teich als ein kleiner im großen.“

Die Trainer

Egon Imiolczyk

Egon Imiolczyk (86) aus Kattowitz, der erste: „Ja, der Manu. Schon 600 Spiele hat er jetzt? Er ist ein guter Junge. Manu war einer der besten, die ich im Nachwuchs je betreut habe. Der eine unter 100 anderen – ehrgeizig, fleißig und immer ein Vorbild, wenn es um die Mannschaft geht. Damals schon. Und er hat das Beste aus seinen Anlagen gemacht. Grüßen Sie ihn von mir.“

Milan Mokros

Milan Mokros (59), der zweite: Danke, Manu. Du bist ein Vorbild für unseren Nachwuchs. Bodenständig, ehrgeizig und aufrecht. Das kann ich sagen nach 25 gemeinsamen Jahren. Ich habe dir längst verziehen, dass du nicht zum Lehrgang des Nationalteams U 16 gefahren bist, weil dir die Anreise im Zug mit zweimal Umsteigen nicht geheuer war. Und dass das Sommertraining früher nicht dein Ding war, weiß heute auch niemand mehr.“

Rico Rossi (51), der aktuelle: „Ich bin an jedem Tag stolz darauf, den besten Spieler der Liga in meinem Team zu haben.“

Die Weggefährten

Sven Valenti (41), Mitspieler schon 2003: „Es ist schon lange absehbar, dass Manu mich als Rekordspieler ablösen wird. Das hat keiner so verdient wie er. Niemand anderes ist als Nationalspieler und guter DEL-Mann im besten Alter in eine so niedrige Klasse gewechselt, um in seiner Heimat zu spielen und zu helfen. Er begann bei uns als Jungspund damals noch mit Gitterhelm und schüchtern. In den ersten Trainingswochen hat er sich bei einigen Übungen bevor er drankam immer wieder hinten in der Spielerschlange angestellt, wenn er völlig außer Atem war. Aber sein außergewöhnlicher Handgelenkschuss ist sofort aufgefallen.“

Witek Szota

Witek Szota (65), ab 1990 Betreuer und Physiotherapeut: „Er kam ein wenig pummelig als Kind zum Training, sein älterer Bruder Dennis brachte ihn mit. Er hat unzählige Male auf meiner Massagepritsche gelegen, keiner kennt seinen Körper besser als ich. Und ich weiß, wie viel Arbeit er in seine Fitness investiert.“

Andreas Loth

Andi Loth (44), Husky von 1999 bis 2004: „Super, was aus dem schüchternen Bürschlein geworden ist. Er hat seinen guten Weg gemacht. Er kam, als sich meine Karriere dem Ende zuneigte. Damals haben wir uns gefragt, was will der denn hier. Aber dann war schnell zu sehen, wie viel Talent und Ehrgeiz der Manu hat.“

Tobias Abstreiter

Tobi Abstreiter (46), Husky 1998 bis 2006: „Klingelingeling, klingelingeling – daran muss ich heute noch denken und an das Ramalamadingdong. Wenn Manu am Puck ist, wird’s für jeden Torwart gefährlich. Heute kann ich stolz sein, dass ich ihm den Puck aufgelegt habe zu seinem ersten DEL-Tor. (Am 30.12.2005 zum 2:0 gegen Iserlohn. Ende 5:4. Die Redaktion.)

Drew Bannister

Drew Bannister (42), Mitspieler 2005 bis 2009: „Manu wollte von uns älteren Spielern immer viel lernen. Es hat großen Spaß gemacht, mit ihm zu spielen. Er ist so talentiert, dass er vielleicht sogar eine Karriere in Nordamerika hätte machen können. Jetzt wünsche ich ihm noch eine lange, verletzungsfreie Karriere und viel Erfolg mit den Huskies.“

Mike Pellegrims

Mike Pellegrims (48), Mitspieler 2006 bis 09: „Gratulation, diesen Meilenstein bei einem Verein schaffen nicht viele. Das sagt viel aus über Manus guten Charakter. Er war damals ein sehr leiser Mensch und Spieler, der hart arbeitet und viel zuhört. Nicht der schönste Eisläufer, aber ein Mann mit Einsatz, Wille und einem guten Schuss. Ich hätte ihn gern hier in Klagenfurt in meiner Mannschaft.“

Hugo Boisvert

Hugo Boisvert (41), einst Mitspieler, nun Co-Trainer: „Manuel ist mir gleich als harter Arbeiter aufgefallen. In jedem Training hat er sein Bestes gegeben. Dann hat er mit Shawn McNeil und mir in einer Sturmreihe gespielt. Das hat großen Spaß gemacht. Jetzt ist er wegen seines Trainingseifers ein Vorbild für alle. Für die Zukunft wünsche ich ihm, dass er etwas findet, das er mit genauso viel Leidenschaft betreibt wie Eishockey.“

Manuel Klinge (32) kam mit drei Jahren durch seinen älteren Bruder Dennis und Vater Klaus zum Eishockey in seiner Heimatstadt Kassel. Er durchlief alle Nachwuchsteams, stand 2003 erstmals im DEL-Kader. Bis auf 17 Förderlizenz-Spiele für Oberligist Crimmitschau (2005/06) und die DEL-Saison 2010/11 (Mannheim) trug er stets das Kasseler Trikot. Klinge bestritt 24 Länderspiele, vier davon 2010 bei Olympia in Vancouver. Eine Ausbildung zum Industriekaufmann hat Klinge unterbrochen.

Lesen Sie in der gedruckten Ausgabe außerdem:

- Die Dauerbrenner im Kasseler Eishockey

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